Als der Kunsthistoriker Gergely Barki an Weihnachten gemeinsam mit seiner Tochter den amerikanischen Kinderfilm "Stuart Little" ansieht, hat er eigentlich nur gemütliche Entspannung mit der Familie im Sinn. Doch dann kann Barki kaum glauben, was er in dem Film entdeckt.

Zur Requisite des Films gehört ein Gemälde, das eigentlich seit Ende der 1920er-Jahre als verschollen gilt. "Ich traute meinen Augen kaum, als ich Berénys lang verschwundenes Meisterwerk an der Wand hinter Hugh Laurie sah", erzählte Barki der britischen Zeitung "The Guardian".

Barki, der in der Ungarischen Nationalgalerie arbeitet, kannte das Bild nur von einem ausgeblichenen Schwarz-Weiß-Foto aus einer Ausstellung von 1928. Und trotzdem war er sofort sicher: Im Wohnzimmer der Littles hängt Róbert Berénys "Schlafende Frau mit Schwarzer Vase".

Wie kommt ein verschwundenes Bild in einen Hollywoodfilm?

Berény war ein ungarischer Maler und Mitbegründer der Künstlergruppe "Nyolcak" ("Die Acht"). Er gilt als einer der bedeutendsten Avantgarde-Künstler Ungarns. Wie kommt sein verschwundenes Bild in einen Hollywoodfilm?

Kunstexperte Barki fing an zu recherchieren und fand nach etwas mehr als zwei Jahren schließlich Erstaunliches heraus: Die Ausstatterin des Films, die das Bild in Kalifornien für wenig Geld von einem Antiquariat gekauft hatte, verkaufte es nach Abschluss der Dreharbeiten an einen Sammler in Budapest. Dort wird die "Schlafende Frau mit Schwarzer Vase" nun Mitte Dezember versteigert. Der Startpreis liegt bei umgerechnet 110.000 Euro.

Gergely Barki darf sich als Entdecker des Kunstschatzes fühlen. In Zusammenarbeit mit Stuart Little natürlich. Was für eine fast unglaubliche, aber wahre Weihnachtsgeschichte!  © Glutamat