"Läuft bei dir" ist das "Jugendwort des Jahres". Hab ich noch nie gehört. Dabei dachte ich bis heute, dass ich mit Mitte 30 noch voll dabei bin. Klassischer Fall von FU!

Im Jahr 2008 wurde das "Jugendwort des Jahres" zum ersten Mal gekürt. Da war es die "Gammelfleischparty". Das konnte man sich noch einigermaßen erschließen. Muss wohl - mit Verlaub - eine Geburtstagsfeier im Seniorenheim sein. Ein Blick in die Erklärung der Jury zeigt: Es ist eine Ü30-Party. Aha. Also für Leute wie mich. Läuft bei mir.

Auch in diesem Jahr bin ich vollkommen raus. Platz 5 geht an den "Senfautomaten". Was nicht, wie es der Name vermuten lässt, eine Vorrichtung ist, um die Bratwurst schmackhafter zu gestalten. Vielmehr geht es um jemanden, der zu allem eine Meinung hat und sie mit Vorliebe auch kundtut. Also das, was man früher einen Klugscheißer nannte. Und wofür man auf dem Schulhof verprügelt wurde. Es sei denn, man war ein "Babo".

Vielleicht hab ich bei Platz 4 ja mehr Glück. Tatsächlich, "Selfie" hab ich schon mal gehört. Gemacht hab ich sogar auch schon mal eins, wenn auch gezwungenermaßen, weil partout niemand von mir ein Foto machen wollte. Ich muss wohl an meinem "Swag" arbeiten. Das ist das, was Menschen in meinem Gammelfleischalter oft vermissen lassen: eine lässige, coole Ausstrahlung. Immerhin weiß ich jetzt, dass es sich dabei um das Jugendwort 2011 handelt und kann daher den Senfautomaten geben.

Wenn man das allerdings allzu ausgiebig macht, landet man ganz schnell auf Platz 3 diesen Jahres und wird zum "Hayvan". Und zwar in der negativen Bedeutung. Das beschreibt offenbar jemanden "ohne Denkvermögen". Positiv wäre es ein "Muskelpaket" oder ein "treuer Freund". Ich dachte ja am Anfang, es sei ein englisches Wort (sprich: Häivän). Was mich der Bedeutung des offenbar aus dem Türkischen kommenden Wortes aber auch kein Stück näherbringt und daher locker als "(epic) Fail" durchgeht.

Platz 2 in diesem Jahr geht an den Ausdruck "Gönn dir!" und stellt mich vor ein ähnliches Problem wie der Gewinner "Läuft bei dir" - ich kenne die einzelnen Wörter, hab aber maximal eine vage Ahnung, was sie zusammen bedeuten sollen. Vielmehr kommt wieder der Senfautomat durch, der immer wieder sagt: Da fehlt doch was! "Gönn Dir ... doch auch mal einen? ... mal wieder was?" Genauso könnte ich angesichts des Gewinners über elliptische Auslassungen und korrekten Satzbau philosophieren. Vielleicht sollte ich stattdessen aber lieber mal nachschauen, ob ich gerade ein Arschfax verschicke.

Jugendwörter 2008 bis 2013:

2008

1. Gammelfleischparty (Ü30-Party)
2. Bildschirmbräune (Blässe von Computernerds)
3. unterhopft sein (Lust auf Bier haben)

2009

1. hartzen (arbeitslos sein)
2. bam ("cool")
3. Bankster (Mischung aus "Banker" und "Gangster")

2010

1. Niveaulimbo (Absinken des Niveaus)
2. Arschfax (Unterhosenetikett, das aus der Hose hängt)
3. Egosurfen (seinen Namen im Internet suchen)

2011

1. Swag (lässige, coole Ausstrahlung)
2. (epic) Fail (schlimmes Versagen)
3. guttenbergen (abschreiben)

2012

1. YOLO ("You only live once!" - entweder die Aufforderung, eine Gelegenheit zu nutzen oder eine Entschuldigung für Fehlverhalten)
2. FU! ("Fuck you!" - entweder "Scheiße" oder "Fick dich!")
3. Yalla! ("Beeil dich!")

2013

1. Babo (Anführer, Boss)
2. fame (super, berühmt)
3. gediegen (super, lässig)