"The Big Bang Theory"-Star Mayim Bialik hat für ein Essay zum Weinstein-Skandal massive Kritik geerntet. Gibt sie den Opfern darin wirklich eine Mitschuld an den Übergriffen?

In der US-Sitcom "The Big Bang Theory" spielt Mayim Bialik den weiblichen Nerd Amy Farrah Fowler, worüber die Schauspielerin sehr glücklich ist.

"Ich habe die Ehre, eine Feministin zu spielen die sagt, was sie denkt, die Wissenschaft und ihre Freunde liebt und die sich manchmal wünscht, das 'hot girl' zu sein. Das kann ich verstehen. Ich habe mir das auch schon gewünscht", schreibt Bialik im Zuge des Weinstein-Skandals in einem Essay für die "New York Times".

In dem Artikel beschreibt sie ihre eigenen Erfahrungen als Frau in Hollywood, die "keine glatte zehn" auf der Attraktivitätsskala erreiche.

Ihr sei schon früh aufgefallen, dass die Mädchen mit den Schmollmündern und hohen Stimmen von den mächtigen Männern bevorzugt werden.

Aufgrund ihres durchschnittlichen Aussehens habe sie allerdings den "Luxus", von mächtigen Männern übersehen oder ignoriert zu werden - es sei denn, sie bringe ihnen Geld ein.

Ein fragwürdiges Hotelzimmer-Treffen, wie sie derzeit von vielen Weinstein-Opfer geschildert werden, habe sie daher nie erlebt.

"Ich kleide mich anständig"

Stellenweise kann man in dem Artikel Vorwürfe gegen die betroffenen Frauen herauslesen. So betont Bialik, dass sie nie auf Diät war oder mit Schönheits-OPs oder einem Personal Trainer "nachgeholfen" habe.

Wörtlich steht dort etwa: "Ich kleide mich anständig. Ich gebe mich nicht kokett im Umgang mit Männern."

Lohan ist eine der wenigen, die dem Produzenten noch zur Seite stehen.

Ihr sei klar, dass dies für junge Feministinnen deprimierend sein müsse. Auch sie wünsche sich eine Welt, in der Frauen tun und tragen können, was sie wollen.

Aber die Gesellschaft würde sich nicht über Nacht ändern, argumentiert die 41-jährige Schauspielerin weiter.

Damit gibt Bialik, die das als Feministin eigentlich wissen müsste, ausgerechnet den Leuten Munition, die Missbrauchsopfern eine Mitschuld geben - sei es wegen eines kurzen Rockes oder ihres koketten Auftretens.

Der Shitstorm ließ nicht lange nicht auf sich warten

Die Twitter-Aktivistin und Autorin Amanda Duarte reagierte zynisch auf das Essay: "Ich möchte Mayim Bialik dazu gratulieren, dass sie zu schlau ist, um hübsch genug für eine Vergewaltigung zu sein. Was für ein toller Rat in diesen Zeiten."

Schauspielerin Patricia Arquette widerlegte Bialiks These mit einem eigenen Erlebnis: "Ich war nicht gerade provokativ gekleidet, als ich mit zwölf Jahren von der Schule nach Hause lief und ein Mann vor mir masturbierte."

Bialik sah sich nach den heftigen Reaktion dazu gezwungen, ihren Standpunkt noch einmal in einem Facebook-Live-Video zu verteidigen.

Ihr Artikel dürfte trotzdem noch länger für Diskussionen sorgen. (mia)


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