Am 15. November startet "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" in den deutschen Kinos. Der zweite Teil der Harry-Potter-Vorgeschichte spielt dabei in düstereren Gefilden als sein Vorgänger. Ob der Film mit Eddie Redmayne, Jude Law und Johnny Depp Potter-Fans tatsächlich bezaubern kann, erfahren Sie in unserer Kritik.

Thomas Pillgruber
Eine Kritik
von Thomas Pillgruber, Volontär

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Wo JK Rowling ihren Stift anlegt, entsteht seit 1997 Magie. Dass die Harry-Potter-Autorin es wie kaum ein anderer Schriftsteller versteht, ein Fantasy-Universum mit komplexen Zusammenhängen, Hintergrundgeschichte und Liebe zum Detail zu schaffen, beweist auch "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen".

Diesen Donnerstag startet der zweite Teil des Harry-Potter-Spin-Offs in den deutschen Kinos. Darin wird die Geschichte um den Zauber-Zoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) weitererzählt.

Insgesamt drei weitere Filme sind noch geplant. Alle zusammen sollen ein wichtiges Kapitel des Harry-Potter-Universums beleuchten, dass noch vor den Ereignissen der Bücher spielt. Die entsprechenden Drehbücher hat Rowling dabei bereits vor einigen Jahren verfasst.

Die Story: Alle Wege führen nach Paris

Die Handlung des Films setzt 1927 ein. Seit den Ereignissen im ersten "Phantastische Tierwesen"-Film von 2016 sind nur wenige Monate vergangen.

Nachdem Newt im Vorgänger dazu beigetragen hat, Bösewicht Gerald Grindelwald (Johnny Depp) zu enttarnen und zu verhaften, sitzt selbiger immer noch in New York im Gefängnis. Um für seine Verbrechen in Europa zur Rechenschaft gezogen zu werden, plant das Zaubereiministerium ihn auf den alten Kontinent zu transportieren.

Während der Überführung gelingt dem Gefangenen jedoch die Flucht, woraufhin er sich nach Paris absetzt. Denn dort versteckt sich der junge Credence Barbone (Ezra Miller), den Grindelwald unbedingt auf seine Seite ziehen will.

Der Waisenknabe ist nämlich ein "Obscurial", in dem eine mächtige magische Kraft schlummert. Mit seiner Hilfe, so glaubt Grindelwald, könnte es ihm gelingen, sein eigentliches Ziel zu erreichen: die Unterwerfung der nicht magischen Bevölkerung durch die Zauberer.

Während Credence derweil nach dem Geheimnis seiner Herkunft sucht, macht auch Newt sich auf die Suche nach dem verwirrten Waisenknaben. Der Zauber-Zoologe ist dabei im Auftrag seines ehemaligen Lehrers Albus Dumbledore (Jude Law) unterwegs, der verhindern will, dass Grindelwald Credence in seinen Bann zieht.

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Sympathieträger und unausgereifte Figuren

Wie schon beim Vorgänger führte bei "Phantastische Tierwesen 2" Harry-Potter-Veteran David Yates Regie. Einer der größten Unterschiede zwischen den beiden Filmen ist dabei ihre Atmosphäre.

So kommt Teil zwei weitaus düsterer daher. Man muss nicht lange suchen, um die Parallelen zwischen den Plänen Grindelwalds und der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten zu erkennen. Zudem hängt ein möglicher Krieg in der Welt von Harry Potter wie ein Damoklesschwert über dem gesamten Plot.

Auch Johnny Depps Darstellung des magischen Schwerverbrechers trägt zum dunkleren Ton des Films bei. Anders als bei vielen seiner bisherigen Rollen spielt Depp den fanatischen Zauberer ruhig und beinahe zurückhaltend. Gerade diese Unaufgeregtheit, die Grindelwald ausstrahlt, während er manipuliert und tötet, bringen die Diabolik des Charakters zur Geltung.

Im direkten Vergleich kann nur ein Schauspieler Depps Darbietung noch übertrumpfen: Jude Law. Der Brite besticht als jüngere und leichtere Version von Albus Dumbledore. Vom ersten Moment an weckt er Sympathien.

Weitaus sympathischer als noch im ersten Teil wirkt auch Eddie Redmayne, alias Newt Scamander. Während der Oscar-Gewinner im Vorgängerfilm noch unterkühlt und völlig weltfremd erschien, erhält er nun endlich genug Tiefgang, um den Film als Hauptdarsteller tatsächlich tragen zu können.

Andere Charaktere bleiben derweil aber auf der Strecke. So wirkt Credance beispielsweise schablonenhaft. Noch drastischer fällt die mangelnde Charakterentwicklung aber bei der von Katherine Waterson gespielten "Tina" Goldstein auf. Selbige ist immer noch so unnahbar und austauschbar, dass sich die Frage aufdrängt, warum sie überhaupt im Film ist.

Magische Biester mit Mehrwert

Nicht nur beim Ton hat Yates dem Film einen "neuen Anstrich" verpasst. Auch bei der Optik wurde noch eine Schippe draufgelegt. Das Paris des Jahres 1927 sieht zum Anfassen echt aus und auch die magischen Schauplätze sind mit viel Liebe gestaltet und ziehen den Zuschauer sofort in ihren Bann. Lediglich ein einzelnes, eher mäßig animiertes Monster, stört die optische Wucht des Films.

Neben der verbesserten Optik gelingt es dem Regisseur auch, eine große inszenatorische Schwäche des ersten Teils auszugleichen.

Während die beiden primären Handlungsstränge im ersten Teil (Newt der seine Tiere jagt und die Suche nach dem Obscurus) auch völlig eigenständig voneinander ihre Geschichte transportieren könnten, sind die einzelnen Elemente des zweiten Teils viel stärker miteinander verzahnt. Das macht die Handlung von "Grindelwalds Verbrechen" wesentlich konsistenter.

Sichtbar wird das an den magischen Biestern im Film. Diese werden dosierter und überlegter eingesetzt. Sie fungieren nicht mehr bloß als reine Effekthascherei. Stattdessen treiben sie größtenteils die Haupthandlung voran.

Überfrachtet, aber für Potter-Fans sehenswert

Problematisch ist hingegen das letzte Drittel. Wie für die Werke Rowlings üblich, laufen hier die zahlreichen Handlungsstränge zusammen.

Während sich der Film zuvor Zeit lässt, um seine Geschichte zu entfalten, werden die einzelnen Fäden gegen Ende im Eiltempo zusammengefügt.

Dadurch erscheint das Finale überstürzt und zu vollgestopft. Weil viele der Twists dabei zu schnell abgehandelt werden, wirken sie teilweise wie aus dem Hut gezaubert an und büßen deshalb an Glaubwürdigkeit ein.

Zusammen mit der Inhaltsleere einiger prominenter Figuren, sorgt das dafür, dass "Grindelwalds Verbrechen" zwar nicht wirklich "phantastisch" anmutet.

Doch im direkten Vergleich mit dem Vorgänger ist der zweite Teil des Spin-Offs definitiv stärker. Wirklich schwer fallen die genannten Negativ-Punkte schon deshalb nicht ins Gewicht, weil die Geschichte um Newt, seine Freunde und Grindelwald über den Großteil der Laufzeit zu unterhalten weiß.

Zudem hat die Welt von JK Rowling nichts von ihrer magischen Wirkung eingebüßt und der Film versteht es, deren Essenz richtig einzufangen. Potter-Fans, die mal wieder eine Dosis des Hogwarts-Gefühls brauchen, werden den Ticketkauf nicht bereuen.

"Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" mit Eddy Redmaine, Jude Law, Johnny Depp und vielen mehr startet am 15.11.2018 in den deutschen Kinos. FSK 12. Laufzeit 134 Min.