Pedro Almodóvar wird 70: Das sind die größten Filme des spanischen Regisseurs

Alle Filme von Pedro Almodóvar handeln irgendwie von der Liebe. Mal lässt er Psychopaten, mal ganz normale Menschen nach ihr suchen, doch geht es meist dabei schillernd, schrill und frivol zu. Auch spielen bei seinen Geschichten immer wieder die Themen Einsamkeit, Verlust, Trauma, Aufarbeitung und Schmerz eine große Rolle – ohne, dass dabei der Humor zu kurz kommt. Zu seinem 70. Geburtstag am 25. September erinnern wir noch einmal an die wichtigsten Werke des Regisseurs, Produzenten und Provokateurs. © spot on news

"Das Gesetz der Begierde" (1987) war der erste Film Almodóvars, der in Deutschland gezeigt wurde. Der Film über eine schwule Dreiecksbeziehung ging als kitschig-tragisches Melodrama in die Filmgeschichte ein. Die von Almodóvar von Beginn an offen gelebte Homosexualität spielt immer wieder eine Rolle in seinen Filmen, sodass er mit der Zeit zu einer Symbolfigur der Lesben- und Schwulenbewegung wurde. Hauptdarsteller Antonio Banderas (rechts) sollte von da an noch in vielen preisgekrönten Streifen des Filmemachers auftauchen.
Mit der Großstadtkomödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" (1999) gelang Almodóvar schließlich der große Durchbruch in Deutschland. Pepa (Carmen Maura) sucht eine Nachmieterin, nachdem sie ihr Liebhaber verlassen hat. Auch Marisa (Rossy De Palma, l.) interessiert sich für das Zimmer, doch sie ist am Rande des Nervenzusammenbruchs ... "Schrill, laut, frivol, unterhaltsam" lauten die überwiegend positiven Urteile der Kritiker.
Die Geschichte beginnt in den 70ern zur Zeit der Franco-Diktatur und macht dann einen unmittelbaren Sprung nach 1990: Der junge Victor verliebt sich unsterblich in die drogensüchtige Diplomatentochter Elena (Bild, Carmen Maura). Es kommt zu jeder Menge Chaos, Schießereien und Rachegelüsten ... Der auf dem Roman "In blinder Panik" von Ruth Rendell basierende Film gilt als gelungener Genre-Mix, der sich verspielt komplexen Themen nähert und trotz Dramatik ein gutes Ende findet.
Ein Oscar sowie ein Golden Globe ("Bester fremdsprachiger Film") und über 40 weitere Filmpreise: "Alles über meine Mutter" (2000) gilt bis heute als eines der ganz großen Meisterwerke der Filmgeschichte. Mit der Story über eine trauernde Mutter namens Manuela (Cecilia Roth, Mitte), die sich auf die Suche nach dem Vater ihres verstorbenen Sohnes macht und feststellen muss, dass dieser mittlerweile als Frau lebt, bewies Pedro Almodóvar einmal mehr, dass er starke Frauenfiguren plastisch und charakterlich vielschichtig inszenieren kann. Penélope Cruz (rechts) spielt darin die Nonne Schwester María Rosa Sanz.
Eine Geschichte über Sehnsucht, Liebe, Tod und Einsamkeit: "Sprich mit ihr" (2002) handelt von dem Krankenpfleger Benigno (Javier Cemara, Mitte), der eine Stelle im Krankenhaus antritt, um seine im Koma liegende Liebe Alicia (Leonor Watling) umsorgen zu können. Dort lernt er Pedro (Dario Grandinetti) kennen, dessen eigene Liebe Lydia nach einem Stierkampf-Unfall ebenfalls dort bewusstlos eingeliefert wird. Der mit Preisen überhäufte Film belegte 2016 bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts den 28. Platz.
"La mala educación – Schlechte Erziehung" (2004) ist ein komplex erzählter Film, in der Zeitstränge wie Personen miteinander verschmelzen. In Kurzform: Der erfolgreiche Regisseur Enrique Goded (Fele Martínez) erhält Besuch von Ignacio (Francisco Boira), der sich als sein Schulfreund ausgibt. Er bietet ihm Filmstoff aus ihrer gemeinsamen Zeit im Klosterinternat an, der allerdings alte Wunden wieder aufreißen lässt. Die Parallelen zu Regisseur Pedro Almodóvar, der seine eigene Zeit in der Klosterschule in traumatischer Erinnerung hat, sind dabei nicht zufällig. Das einstimmige Urteil der Kritiker: virtuos!
Wieder eine Geschichte über eine starke Frau: In "Volver" (2006) erfährt Raimunda (Penélope Cruz), dass ihr fauler Ehemann Paco sich an ihrer 14-jährigen Tochter vergehen wollte. Doch das Mädchen wusste sich zu wehren, wobei Paco sein Leben verliert. Raimunda sucht nun einen Weg, die Sache auf eigene Art aus der Welt zu schaffen. Dabei kommen weitere dunkle Familiengeheimnisse ans Licht. Almodóvar: "In Volver spreche ich von den Frauen rings um mich herum, als ich ein Kind war. Ich wurde von Frauen erzogen, die Männer, die ich praktisch nie sah, waren in den Feldern. Volver erzählt von der Art, wie ich aufwuchs und diesen Frauen zuhörte.“
"Zerrissene Umarmungen" (2009) mit Penelope Cruz als Magdalena "Lena" Rivero und Jose Luis Gomez als Ernesto Martel: Dieser Film erzählt in Form von Rückblenden die Geschichte des Callgirls Lena, das sich vom Millionär Ernesto sexuell ausnutzen lässt, damit der im Gegenzug die Behandlungskosten ihres krebskranken Vaters übernimmt. Gleichzeitig verfolgt sie ihren Traum, Schauspielerin zu werden. Die Sammlung "Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage" (2001) der Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro bildete die Inspiration für den Stoff.
Eine Geschichte über die Besessenheit eines Schönheitschirurgen, der eine Frau als Versuchskaninchen gefangen hält, um an ihr eine neuartige, unzerstörbare Haut zu testen – "Die Haut, in der ich wohne" (2011), basiert auf dem Roman "Mygale" (engl. "Tarantula") von Thierry Jonquet. Hier posieren die Hauptdarsteller Antonio Banderas und Elena Anaya mit Regisseur Pedro Almodóvar anlässlich der Premiere auf den 64. Filmfestspielen in Cannes.
In "Fliegende Liebende" (2013) werden die Passagiere eines Flugzeugs unter Drogen gesetzt, um sie anlässlich der bevorstehenden Notlandung etwas zu entspannen. Die Wirkung offenbart sich allerdings vielmehr durch heftige Gefühlsausbrüche und Geständnisse unter den Gästen, was wiederum für allerhand komische Momente sorgt. Eine waschechte, schräge Komödie, die dennoch auf durchwachsene Kritiken stieß.
Auch für "Julieta" (2016) ließ sich Almodóvar von drei Kurzgeschichten Alice Munros inspirieren: Eine Mutter (Emma Suárez) macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter, die sie einst verstieß und wird dabei erneut mit einem tiefen Schmerz aus der Vergangenheit konfrontiert. Doch Heilung kann nur erfolgen, wenn sie sich diesem stellt. Almodóvar vermochte es, das Gefühlsleben seiner Protagonistinnen derart liebevoll, tiefgründig und mit großer Empathie für weibliche Innenwelten auf die Leinwand zu bringen, sodass "Julieta" als einer der schönsten Filme des Regisseurs gehandelt wird.
Nach 40 Jahren im Geschäft war es eine Frage der Zeit, bis Almodóvar einen autobiografisch geprägten Film plant. 2019 war es dann so weit: In "Leid und Herrlichkeit" erhält der Zuschauer Einblicke in seine Kindheit, seine Träume und die ersten Versuche beim Film, die schließlich zum Erfolg aber auch zu Exzessen und Verlusten führten. Pedro Almodóvars "alter Ego" Salvador Mallo verkörperte Antonio Banderas und seine Mutter – wenig überraschend – Penelope Cruz. Noch im gleichen Jahr wurde Almodóvar in Cannes mit dem "Goldenen Löwen" fürs Lebenswerk ausgezeichnet.