One-Hit-Wonder-Regisseure: Filmemacher mit nur einem Erfolg

Von "You Spin Me Round" über "Ice Ice Baby" bis "Video Killed The Radio Star": One-Hit-Wonder im Musik-Business sind keine Seltenheit. Aber wie ist das bei Filmen? Wir haben eine Auswahl an Regisseuren zusammengestellt, die einen großen Erfolg feierten - und nie mehr daran anknüpfen konnten.

Mit Star Wars bringt man vor allem den Schöpfer George Lucas in Verbindung. Doch Regie führte bei "Das Imperium schlägt zurück" der Amerikaner Irvin Kershner. Der hatte mit "RoboCop 2" (1990) und dem nicht-kanonischen James Bond "Sag Niemals Nie" (1984) zwar ein paar weitere Großproduktionen gedreht, doch keine konnte annähernd an den Erfolg von "Star Wars" anknüpfen.
"Donnie Darko" (2001) erzählt von einem schizophrenen Jugendlichen, der von seinem imaginären Begleiter "Frank" zu zerstörerischen Taten getrieben wird. Die wilde Mixtur aus halluzinösen Grusel-Trips und wirren Handlungssträngen regt jeden Zuschauer zur eigenen Interpretation an. Der spätere Superstar Jake Gyllenhaal rundet das Gesamtpaket in der Hauptrolle ab.
Regisseur Richard Kelly hat seit seinem Langfilmdebut "Donnie Daarko" nur zwei weitere Filme gedreht - der bisher letzte namens "The Box" stammt aus dem Jahr 2009. Mehrere Projekte sind aus Finanzierungsgründen oder Wegen des Todes von Darstellern gescheitert. Mittlerweile ist Kelly vor allem als Produzent tätig. Ein in Hollywood verkanntes Talent, wie Filmemacher Kevin Smith behauptet.
Noch ein psychologischer Trip, bei dem Realität und Imagination verschmelzen: Für "Der Maschinist" (2004) magerte sich Christian Bale 30kg herunter, um den an Schlaflosigkeit leidenden Trevor Reznik authentisch darstellen zu können.
Weitere Werke von Brad Anderson sind "The Call" (2013) mit "The Dark Knight Rises"-Star Halle Berry oder der Netflix-Film "Fractured" (2019) mit "Avatar"-Star Sam Worthington. Auch für die Science-Fiction-Serie "Fringe" war er tätig. Doch diese Projekte konnten kein vergleichbar großes Publikum erreichen.
In "American History X" (1998) spielt Edward Norton einen Ex-Neonazi, der nach drei Jahren Haft zur Besinnung gekommen ist. Nun möchte er auch seinen Bruder aus der destruktiven Szene holen. Schwarz-Weiß-Rückblenden erzählen, wie die beiden durch ein rassistisches Elternhaus vom rechten Pfad abgekommen sind.
Hinter den Kulissen von "American History X": Der Regisseur Tony Kaye und seine Produktionsfirma hatten einen 200-Millionen-Dollar-Rechtsstreit, weil diese seinen Film in umgeschnittener Fassung veröffentlichte - und nicht sein Pseudonym "Humpty Dumpty" verwendete. Kayes zweiter Langfilm "Black Water Transit" kam nie ins Kino, weil die Produktionsfirma pleiteging.
In "Sling Blade" (1996) führte Billy Bob Thornton zugleich Regie und spielte die Hauptrolle des geistig behinderten Karl Childers. Dieser hat als Kind seine ihn misshandelnden Eltern getötet. Nun wird er Jahre später aus der Anstalt entlassen - und findet sich bei einem Freund erneut in miserablen Familienverhältnissen wieder.
Billy Bob Thornton gewann für "Sling Blade" den Drehbuch-Oscar und wurde als "Bester Hauptdarsteller" nominiert. Zwar waren seine folgenden Regie-Projekte nur von sehr geringem Erfolg gekrönt, doch konnte er sich weiterhin als Ausnahme-Schauspieler beweisen. Zuletzt gewann er für seine Beteiligungen in den Serien "Fargo" und "Goliath" jeweils den Golden Globe als "Bester Hauptdarsteller".
"Der mit dem Wolf tanzt" (1990) belebte das Western-Genre in den 90er Jahren wieder. Besonderes Lob erfuhr der Film durch die respektvolle und nicht stereotype Darstellung amerikanischer Ureinwohner.
"Der mit dem Wolf tanzt" war Kevin Costners Regiedebüt, in dem er zugleich die Hauptrolle des Lieutenant John J. Dunbar verkörperte. Mit Lobgesängen und sieben Oscars, darunter "Bester Film" und "Beste Regie", wurde sein Film geehrt. Doch der Erfolg sollte nicht lange halten: Mittlerweile hat Costner mehr Auszeichnungen mit dem Anti-Preis "Goldene Himbeere" als mit Oscars zu verbuchen.
"Die Nacht des Jägers" (1955) wurde seinerzeit von Kritikern und Publikum gleichermaßen abgelehnt, gilt heute aber als einer der besten Filme aller Zeiten. Der Plot: Ein Psychopath macht sich als neuer Liebhaber an die Witwe eines Diebes ran, um an die erbeuteten 10.000 Dollar zu kommen.
Der damals bereits 55-jährige Regiedebütant Charles Laughton war von der schlechten Resonanz derart frustriert, dass er den Regiestuhl kurzerhand wieder aufgab. Stattdessen hatte er aber eine erfolgreiche Schauspielkarriere. Er spielte große Rollen in Klassikern wie "Der Glöckner von Notre Dame" (1939) oder "Spartacus" (1960).
"Das Leben der Anderen" (2006) begleitet einen DDR-Stasi-Hauptmann, welcher die Wohnung eines staatsfeindlichen Künstlers verwanzt und dessen Gespräche überwacht. Der deutsche Film wurde trotz geringen Budgets ein weltweiter Erfolg. Unter anderem wurde er mit dem europäischen Filmpreis und dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.
Hinter dem Film steht der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. "Das Leben der Anderen" war gerade einmal sein Studium-Abschlussfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Doch seinem vielversprechenden Debüt konnte er mit seinen nur zwei Folgefilmen "The Tourist" (2010) und "Werk ohne Autor" (2018) nicht mehr gerecht werden.
"The Blair Witch Project" machte 1999 den sogenannten "Found-Footage-Horrorfilm" populär: Das Genre verstärkt seinen Grusel durch Wackelkamera und alltagsnahes Schauspiel, so dass ein dokumentarisches Gefühl entsteht. Für acht Tage wurden drei unbekannte Schauspieler mit wenig Nahrung in einen Wald geschickt, um den größtenteils improvisierten Film zu drehen.
Die beiden Regisseure Daniel Myrick und Eduardo Sanchez waren beim Dreh nicht anwesend - nur über ein Funkgerät standen sie in Kontakt mit ihren Schauspielern im Wald. Doch auf diese Innovation folgte weitgehend Stille: Sanchez hat seit 2008 keinen Film mehr gedreht. Myricks größte Erfolge nach "The Blair Witch Project" beschränkten sich auf einzelne Folgen der Serien "Supernatural" und "Lucifer".
In der Tragikomödie "Vergiss mein nicht!" (2004) spielen Jim Carrey und Kate Winslet ein Paar, das sich durch das Löschen von Erinnerungen immer wieder frisch verlieben kann. Der Film wird gerne als einer der besten des frühen 21. Jahrhunderts gelistet.
Während das Drehbuch von Charlie Kaufmann zahlreiche Preise gewann, musste der Regisseur Michael Gondry sich nur mit der großen Fangemeinde zufrieden geben. Sein nächstbekanntester Film ist "The Green Hornet" (2011), welcher in den Rezensionen bestenfalls mittelmäßig abschnitt.
Auch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte gibt es im Film "Boys Don't Cry" (2000) zu sehen. Das Drama-Biopic erzählt die wahre Geschichte des transsexuellen Brandon Teena (Hilary Swank, r.). Seine Liebesbeziehung mit Lana (Chloë Sevigny, l.) zog in der Gemeinde großen Hass auf sich und führte schließlich zu seiner Ermordung.