Jesus, Exorzist, Teufel: Die beispiellose Karriere von Max von Sydow

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Auf unglaubliche 70 Jahre im Filmgeschäft kann der schwedische Schauspieler Max von Sydow nun schon zurückblicken. Und auch mit nunmehr 90 Jahren und zahlreichen Kultfilmen auf der Habenseite wird der Charaktermime nicht müde. Das sind seine bedeutsamsten Stationen. © spot on news

Der am 10. April 1929 in der südschwedischen Provinz Lund geborgene Carl Adolf von Sydow feiert 1949 sein Debüt im Schwarz-Weiß-Film "Rya-Rya – Nur eine Mutter". Sein internationaler Durchbruch erfolgt acht Jahre später dank des Streifens "Das siebente Siegel" (Bild).
Der Film stammt von Ingmar Bergman, den von Sydow 1955 in Malmö kennengelernt hat. Neben "Das siebente Siegel" arbeiten die beiden später noch für die Filme "Die Stunde des Wolfs" (Bild), "Schande" (jeweils 1968) sowie "Passion" (1969) zusammen.
In der US-amerikanischen Produktion "Die größte Geschichte aller Zeiten" schlüpft Max von Sydow 1965 in die Rolle von Jesus Christus. Der fast 200 Minuten lange Monumentalschinken von George Stevens wartet zudem noch mit Charlton Heston als Johannes der Täufer auf.
Acht Jahre später soll er es schließlich mit dem Leibhaftigen zu tun bekommen. Im weltberühmten Horror-Meisterwerk "Der Exorzist" von William Friedkin legt er sich als kranker Jesuitenpater Lankester Merrin mit dem Teufel an, der in den Körper eines jungen Mädchens gefahren ist. Der Film sorgt für Entsetzen bei vielen Kinogängern, kann aber dennoch zwei Oscars und vier Golden Globes einstreichen.
Weniger kontrovers fällt sein nächster filmischer Meilenstein aus. Im Polit-Thriller "Die drei Tage des Condor" ist von Sydow als G. Joubert an der Seite von Robert Redford und Faye Dunaway zu sehen. Auf derselben Seite stehen die Stars aber nicht – Redfords rechtschaffener Figur Joe Turner ist von Sydow als hinterlistiger Killer entgegengestellt.
Ebenfalls böse, aber weitaus schriller: 1980 verkörpert er den intergalaktischen Imperator Ming in "Flash Gordon", der die verschiedensten Rassen des Weltraums unterjocht. Das Space-Märchen ist sichtlich vom Erfolg eines "Krieg der Sterne" inspiriert und gilt heutzutage eher als "Guilty Pleasure".
Wer den Titel "Conan der Barbar" (1982) hört, denkt umgehend an die Muskelberge eines jungen Arnold Schwarzeneggers. Doch auch Max von Sydow ist darin zu sehen. Schon damals, im "zarten" Alter von Anfang 50, spielt er den "greisen König Osric".
Ein Charakterdarsteller der Marke Max von Sydow ist natürlich auch für "James Bond" interessant. Jedoch ist es ihm bis heute verwehrt geblieben, in einem offiziellen Teil mitzuwirken. Denn "Sag niemals nie", in dem Sean Connery noch einmal als 007 und Max von Sydow als dessen Nemesis Ernst Stavro Blofeld mitspielen, wird 1983 nicht wie alle anderen Teile von Eon Productions produziert.
Ein Jahr später zählt er zum Staraufgebot von David Lynchs Sci-Fi-Epos "Der Wüstenplanet". Als Wissenschaftler Dr. Liet Kynes ist er unter anderem an der Seite von Kyle MacLachlan, Jürgen Prochnow und Patrick Stewart (alle im Bild) zu sehen.
Einst hat er gegen den Teufel gekämpft, in der Stephen-King-Verfilmung "In einer kleinen Stadt" schlüpft Max von Sydow derweil selbst in die Haut Satans. Darin stachelt er mit anfangs kleinen, dann immer größer werdendem Gefallen die Bewohner eines Dörfchens auf, sich gegenseitig zu ermorden.
In der Folgezeit bleibt von Sydow ein stetes Gesicht der internationalen Leinwände, kein Jahr vergeht ohne namhaften Auftrag. So spielt er etwa noch in den Sci-Fi-Filmen "Judge Dredd" (1995) mit Sylvester Stallone oder 2002 an der Seite von Tom Cruise in "Minority Report" (Bild) mit.
Der nächste Film, der nächste Superstar, der sich von Max von Sydows Talent aus nächster Nähe überzeugen kann. In "Shutter Island" (2010) wirkt er mit Leonardo DiCaprio unter der Regie von Martin Scorsese mit. Er spielt darin den deutschen Psychologen Dr. Jeremiah Naehring.
Tragisch schön wird es derweil in "Extrem laut & unglaublich nah" (2011). Von Sydow spielt darin einen alten Untermieter, der einem Jungen dabei hilft, den Tod seines Vaters zu verarbeiten, der bei den Anschlägen am 11. September ums Leben gekommen ist und von Tom Hanks verkörpert wird.
Einen eindrucksvollen Kurzauftritt legt der Mime 2015 in Blockbuster "Star Wars: Das Erwachen der Macht" hin. Zu Beginn des Films wird seine Figur Lor San Tekka heimtückisch von Bösewicht Kylo Ren (Adam Driver) ermordet.
Auch Serien-Fans kommen in den Genuss eines kurzen, dennoch sehenswerten Auftritts. In drei Episoden der erfolgreichen HBO-Produktion "Game of Thrones" mimt Max von Sydow den Dreiäugigen Raben, der sein Wissen an Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright) weitergibt.
Wie sieht es mit nun 90 Jahren mit der wohlverdienten Rente aus? Bereits in der Postproduktion befindet sich der Film "Echoes of the Past", in dem von Sydow sogar noch einmal als Hauptfigur vom Plakat grüßt. Zudem ist der Film "The X-Gene Project" in der Vorproduktion. Vielleicht möchte er noch einen der ganz großen Preise gewinnen? Für den Oscar und den Golden Globe ist er bislang "nur" nominiert gewesen.