James Cameron wird 65: Seine Filme, seine Karriere

Am 16. August 2019 wird James Cameron 65 Jahre alt. Er ist der größte kommerzielle Filmemacher unserer Zeit. Selbstbewusste Frauenrollen, häufiger Einsatz von blauen Farbfiltern, der Konflikt zwischen Technologie und Menschheit, Aliens, starke menschliche Bindungen und drohende (Umwelt-)Katastrophen gehören zu seinen Markenzeichen. Seine Filme, seine Karriere … © spot on news

Jeder fängt klein an. Im Fall von James Cameron mit einem peinlichen Flop. "Piranha 2 – Fliegende Killer" (1981) war sein erster Kinofilm. Die Horror-Trash-Komödie über blutrünstige Piranha-Mutanten, die Jagd auf eine Feiermeute an einem Badeort machen, gilt als Glanzstück des schlechten Geschmacks. Zu allem Überfluss hat auch noch David Hasselhoff als Baywatch-Rettungsschwimmer einen Gastauftritt. Die Kritiker urteilten: "erbärmlich". Es ahnte ja keiner, was Cameron noch alles zustande bringen würde …
Ausgerechnet ein Albtraum machte Cameron 1984 zum Star: Im Schlaf erschien ihm die Handlung zu "Terminator", er machte sich sofort ans Drehbuch. Der Film über einen Kriegsmaschinen-Androiden (verkörpert von Arnold Schwarzenegger), der aus der Zukunft kommt, um die Mutter eines noch nicht geborenen Widerstandskämpfers zu töten, erlangte ebenso über Nacht Kultstatus wie das Filmzitat "I’ll be back" ("Ich komme wieder").
Für "Rambo II" (1985) schrieb Cameron nur das Drehbuch. Am Ende war er tief enttäuscht: Sylvester Stallone schrieb die Fortsetzung über den wortkargen und rachsüchtigen Vietnam-Veteranen eigenmächtig um. Vor allem die Stellen mit den antimilitärischen Botschaften fielen weg. Die daraus resultierenden, maßlosen Gewaltdarstellungen kamen bei den Kritikern weniger gut an, bei den Rambo-Fans dafür umso mehr.
Bei "Aliens – Die Rückkehr" (1986), die Fortsetzung von Ridley Scotts "Alien" (1979), schrieb Cameron Drehbuch und führte Regie. Die Weitererzählung von Ellen Ripley (Sigourney Weaver) im Kampf gegen einen Alien-Killer-Organismus sollte den ersten Teil übertreffen. Die Belohnung: Sieben Oscar-Nominierungen und der Ruf, einer der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten erschaffen zu haben. Dass starke Frauen eine tragende Rolle in seinen Filmen spielen, gehört ebenso zu Camerons Markenzeichen wie der Kampf zwischen Technologie, Menschlichkeit und außerirdischen Lebensformen.
Ob Weltraum oder Meerestiefen – beides übt auf James Cameron eine ähnlich starke Faszination aus. Im Film "Abyss – Abgrund der Tiefe" (1989), in dem sich die Besatzung einer Unterwasser-Ölbohrstation aufmacht, um ein verunglücktes U-Boot zu retten, kommt alles zusammen: Begegnungen mit der dritten Art, eine drohende nukleare Katastrophe, aufreibende Beziehungen und starke weibliche Charaktere. Gleichzeitig gilt "Abyss" als Meilenstein der Filmgeschichte: Erstmals kamen neue Tricktechniken wie Morphing oder photorealistische Computeranimationen zum Einsatz.
1991 erschien "Terminator 2 – Tag der Abrechnung": Auch hier kehrt der Terminator aus der Zukunft zurück. Allerdings in einer umprogrammierten Version. So gilt es diesmal, jemanden zu beschützen – und zwar den mittlerweile geborenen und zehn Jahre alten John Connor, der besagter Widerstandskämpfer werden wird. Der Film war mit 94 Millionen Dollar Produktionskosten der damals teuerste Film aller Zeiten.
Dass Cameron und Schwarzenegger befreundet sind, überrascht nicht. So kam ihnen während einer gemeinsamen Motorradtour die Idee, die französische Komödie "La Totale" neu zu verfilmen. "True Lies – Wahre Lügen" (1994) handelt von einem Agenten, der seinen Beruf vor seiner Frau verbergen muss. Es kommt zu Verstrickungen und riskanten Situationen, doch bleibt die Action-Komödie dabei stets gut gelaunt. Da Schwarzenegger kurz darauf Gouverneur von Kalifornien wurde, blieb die geplante Fortsetzung aus.
Für den Science-Fiction-Actionthriller "Strange Days" (1995) der Regisseurin Kathryn Bigelow schrieb Cameron das Drehbuch. Die Geschichte erzählt von einer Welt, in der sämtliche Erlebnisse und Gefühle aller Menschen auf speziellen Chips aufgezeichnet werden. Ein düsterer, sozialkritischer Film, in dem der damals noch unbekannte Hauptdarsteller Ralph Fiennes eine seiner ersten Glanzrollen spielte.
"Titanic" (1997). Was soll man über einen Film sagen, den alle kennen? Nur so viel: ein Schiff, ein Eisberg, große Gefühle, Millionen Liter Zuschauer-Tränen und elf Oscars. Nicht zu vergessen: "My Heart Will Go On"!
2005 begab sich Cameron für "Aliens der Meere" selbst auf Tauchgang. Heraus kam eine 3D-Dokumentation, in der Cameron zusammen mit NASA-Wissenschaftlern nach Tiefseelebewesen auf dem Meeresgrund sucht.
Mit "Avatar" und "Titanic" hat James Cameron zwei der drei kommerziell erfolgreichsten Streifen der Filmgeschichte geschaffen. Dass er mit einem Fiasko ("Piranha") gestartet ist, beweist einmal mehr, wie wichtig Fehler sind, um sich weiterzuentwickeln. Cameron hat es im großen Stil vorgemacht. In diesem Sinne: Happy Birthday!