Zum zweiten Mal stürzen sich Jim Knopf und sein Freund Lukas in große Abenteuer auf der Kinoleinwand. Doch der wahre Gegner ist nicht die wilde Piratenmeute "Die Wilde 13", sondern die Corona-Pandemie. So bleibt abzuwarten, ob der Film trotz der widrigen Umstände sein Publikum erreicht – verdient hätte er es.

Doreen Hinrichs
Eine Kritik
von Doreen Hinrichs

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Das neue Abenteuer von Jim (Solomon Gordon), Lokomotivführer Lukas (Henning Baum), Molly und Emma (das sind die Lokomotiven) beginnt natürlich wieder auf Lummerland, jener Insel mit zwei Bergen, die 1960 von Michael Ende erdacht wurde und die samt der sich darauf tummelnden Figuren zu den großen Klassikern der Kinderliteratur gehören.

Nach der vergangenen Reise könnte das Leben auf der Insel recht beschaulich sein – doch so richtig zufrieden scheint niemand. Jim ist traurig, weil er nie Post bekommt und ihm die Frage nach seiner Herkunft einfach nicht aus dem Kopf geht, Frau Waas (Annette Frier) ist traurig, weil Jim traurig ist, und Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst) fühlt sich nutzlos.

Und wie der dichte Nebel über Lummerland liegt das Fernweh über den Köpfen unserer Helden, denn echte Abenteurer zieht es nun einmal in die weite Welt hinaus – daran kann auch der beste Kuchen von Frau Waas nichts ändern.

Da ist es ein großes Glück, dass König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) dringend einen Leuchtturm für die Insel möchte. Für diesen Job (als Leuchtturm, nicht als Wärter) wäre wohl niemand besser geeignet als der Scheinriese Herr Tur Tur (Milan Peschel).

Jim Knopf: Vollgepackt, aber nicht überladen

So nimmt die Reise ihren Anfang und wird sehr schnell zu einem waschechten Abenteuer! Denn unterwegs muss das erloschene Meeresleuchten wieder entfacht, der Meerjungfrau Sursulapitschi (Sonja Gerhardt) zum Liebesglück verholfen und der Halbdrache Nepomuk (auch diesmal von Michael "Bully" Herbig gesprochen) vom Plündern abgehalten werden. Und das alles, bevor die titelgebende "Wilde 13" (ein vielfacher Rick Kavanian in Bestform) überhaupt eine große Rolle spielt.

Damit der Film nun actionreich, aber trotzdem nicht überladen und gar überfordernd ist, wird auf Hintergründe, Vorgeschichten oder Erklärungen konsequent verzichtet. Und das funktioniert ziemlich gut. Denn es reicht ja auch, Sursulapitschis Verlobten, den Schildnöck Uschaurischuum, nur als Bild zu zeigen – Hauptsache, der Name wird oft genug gesagt und die Kids im Publikum lachen sich kringelig.

Trailer: "Jim Knopf und die Wilde 13"

Auf Jim (Solomon Gordon) und Lukas den Lokomotivführer (Henning Baum) warten neue spannende Abenteuer! Eine Piratenbande sinnt auf Rache – und Jim möchte endlich das Geheimnis um seine Herkunft lösen. "Jim Knopf und die Wilde 13" mit Rick Kavanian, Uwe Ochsenknecht, Christoph Maria Herbst, Annette Frier und der Stimme von Michael "Bully" Herbig startet am 1. Oktober in den Kinos.

Ein "weniger ist mehr" gilt auch in anderen Bereichen. Die erste Verfilmung, "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", erschien 2018 in den Kinos. Es war zwar in dem Jahr die erfolgreichste deutsche Produktion, spielte die Kosten von 25 Millionen Euro aber trotzdem nicht ein. Dass das Filmstudio diesmal gespart hat, sieht man dem Film insgesamt und vor allem auch einigen Kulissen durchaus an.

Weniger ist - zum Glück - oft mehr

Doch das tut dem Gesamtwerk nur gut und lässt der Fantasie des jüngeren Kinopublikums mehr Spielraum. Oft genug hapert es ja genau daran bei den perfekt produzierten Werken etwa aus dem Hause Disney/Pixar. Ja, die Witze zünden und die Animationen sind großartig - doch Tempo und Teile der Geschichte manchmal sogar für Erwachsene schwer zu verdauen (sorry, "Toy Story 4" – aber Gabby und ihre Trödel-Puppen-Kumpels sind ja wohl gruseliger als jeder ernstgemeinte Horrorstreifen).

Was allerdings leider auch fehlt, sind die kleinen Goodies fürs erwachsene Publikum. Das haben die Amerikaner einfach drauf. Und so ganz ohne zweideutige Gags oder popkulturelle Verweise muss man als Erwachsener schon ein großer Jim-Knopf-Fan sein, um durchzuhalten. Oder man lässt einfach die Gedanken schweifen und freut sich, wie unverschämt gut doch ein Mann in einer Latzhose aussehen kann.

Für Kinder und Fans des ersten Teils ist "Jim Knopf und die Wilde 13" auf jeden Fall ein großer Spaß – die Entscheidung, während der Corona-Pandemie ins Kino zu gehen, ist trotzdem keine einfache. Falls Sie sich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder zu einem Kinobesuch mit der ganzen Familie entschließen, liegen Sie mit diesem Film auf jeden Fall aber nicht verkehrt.

"Jim Knopf und die Wilde 13" mit Henning Baum, Solomon Gordon, Uwe Ochsenknecht, Annette Frier uvm., Regie: Dennis Gansel, läuft seit dem 1. Oktober in den Kinos.
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Sie sind frech, verpeilt und schwimmen generell gegen den Strom: Jede Animations- oder Zeichentrickserie für ein älteres Publikum hat mindestens einen dieser Spezialfälle. Und genau das macht auch ihren Charme aus - denn süß dreinblickende Figürchen bedeuten schon lange nicht mehr, auf ein faules Mundwerk verzichten zu müssen.