Die größten Skandale rund um die Filmfestspiele von Cannes

Kommentare0

Ein Regisseur, der Hitler versteht oder ein Kritiker, der mit Torten um sich wirft: Das Filmfestival in Cannes hatte schon so manch kleine Aufreger und handfeste Skandale zu bieten. Ein Rückblick am Tag der Verleihung. © spot on news

Inzwischen darf er wieder nach Cannes: Der dänische Regisseur Lars von Trier (Mitte) lieferte 2011 auf der Pressekonferenz zum Film "Melancholia" einen seltsamen Monolog ab. Er sagte "Ich verstehe Hitler" und "Okay, ich bin ein Nazi", weswegen er trotz Entschuldigung am selben Tag umgehend zur "Persona non grata" erklärt wurde.
Die Filmfestspiele von Cannes im Revoltenjahr 1968 wurden nach der Solidarisierung von etlichen Künstlern mit den u.a. in Paris protestierenden Studenten abgebrochen. Dort lieferten sich die jungen Menschen brutalste Straßenschlachten mit der Gendarmerie, es floss viel Blut und Steine flogen durch die Luft.
Der belgische Filmkritiker Noël Godin sah sich im Jahre 1985 dazu berufen, seiner Meinung etwas mehr Ausdruck zu verschaffen und pappte dem französischen Regisseur Jean-Luc Godard (Foto) eine Sahnetorte ins Gesicht. Der allerdings ließ sich nicht beirren und würdigte den Tortenwerfer, indem er ihm für seine Hommage ans Stummfilm-Kino dankte.
Spaniens Diktator Franco ließ "Viridiana" am Tag nach der Aufführung in Cannes verbieten und auch die katholische Kirche brandmarkte den Film als "blasphemisch". Doch all das sollte vergebens sein: Im Jahre 1961 erhielt der spanische Film von Luis Bunuel (2.v.l.) die Goldene Palme der Jury, was die zensierte spanische Presse allerdings mit keinem einzigen Wort erwähnte.
Schon in den Anfangsjahren des Festivals ereigneten sich handfeste Skandale: Die französische Schauspielerin Simone Silva entblößte im Beisein von US-Star Robert Mitchum ihre Brüste, was in den prüden 1950er-Jahren noch ein riesengroßer Skandal war und zu ihrer Ausladung führte.
Auch bei der aktuellen Ausgabe gibt es einen Skandal, denn Schauspieler Alain Delon wurde mit einer Ehrenpalme ausgezeichnet. Für diese Entscheidung hagelte es Kritik, da ihm von der US-Feminismus-Organisation "Women and Hollywood" vorgeworfen wird, "rassistisch, homophob und frauenfeindlich" zu sein. Er hege unter anderem Sympathie für die rechtsextreme Partei "Rassemblement National" (ehemals "Front National").
Regisseur Pedro Almodóvar (2.v.r.) und Superstar Will Smith (2.v.l.) waren 2017 zwar gemeinsam in der Jury der Filmfestspiele, sich aber in einem Punkt während einer Pressekonferenz so gar nicht einig, da Netflix-Produktionen ohne Kinostart in Frankreich ab dem Folgejahr nicht mehr antreten durften. Almodóvar plädierte dafür, nur Filme zu zeigen, die auch im Kino anlaufen, während Smith sich vehement dafür einsetzte, dass auch Filme vom Streamingdienst Netflix gezeigt werden dürfen.
1983 war der Film "Ein mörderischer Sommer" mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle für die Goldene Palme nominiert, konnte sich aber nicht durchsetzen. Nachdem Adjani sich weigerte, an der obligatorischen Pressekonferenz zum Film teilzunehmen, zogen die verärgerten Fotografen die Konsequenzen und drehten der Diva beim Gang über den roten Teppich zum Festivalpalais demonstrativ den Rücken zu.
Als Maurice Pialat 1987 die Goldene Palme für seinen Film "Unter der Sonne Satans" zugesprochen bekam, begann im Publikum ein übles Buh- und Pfeifkonzert. Bei seiner kurzen Rede sagte er abschließend mit der Faust gen Himmel gestreckt: "Wenn ihr mich nicht mögt, kann ich euch sagen, ich mag euch auch nicht!"
Der Film "The Brown Bunny" sorgte 2003 dafür, dass zahlreiche Zuschauer den Saal in großer Empörung verließen und der Rest des Publikums lautstark sein Missfallen kundtat. Grund war die Abschlussszene, welche die beiden Darsteller Chloë Sevigny (r.) und Vincent Gallo (l.) bei einer nicht-simulierten Fellatio zeigt.
Während des Höhepunktes des Algerienkrieges 1958 – hier am 16. Mai 1958 in Algier - wurde darüber nachgedacht, das Festival angesichts der Krise zu streichen. Es wurde allerdings doch durchgeführt, doch viele Gäste reisten früh wieder ab und die Abschlussgala wurde letztlich abgesagt.