Bruce Lee: Sein Weg vom Außenseiter zur Legende

Bruce Lee war der größte Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts. Die Ikone des Martial-Arts-Films hätte am 27. November ihren 80. Geburtstag gefeiert. Lee starb schon 1973 mit nur 32 Jahren. Ein Rückblick auf sein viel zu kurzes Leben. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bruce Lee kommt im November des Weltkriegsjahres 1940 in der US-amerikanischen Westküstenstadt San Francisco zur Welt. Sein Vater ist ein chinesischer Schauspieler, seine Mutter eine Deutsch-Chinesin, die von Geschäftsleuten in Hongkong abstammt. Das Foto zeigt die Eltern mit dem jüngsten ihrer vier Kinder in den späten 1950er-Jahren.
Bereits kurz nach seiner Geburt kehren Bruce Lees Eltern mit ihrem Sohn, dessen chinesischer Name Lee Jun Fan lautet, in das von Japan besetzte Hongkong zurück. Dort wächst er in wohlhabenden Verhältnissen auf. Bereits mit sechs Jahren ist er in seiner ersten Filmproduktion "The Beginning of A Boy" zu sehen.
Lees Interesse an der Kampfkunst wird durch negative Erfahrungen in der Schule geweckt. Seine englischen Mitschüler verspotten ihn und andere Chinesen, weshalb er häufig in Schlägereien verwickelt ist. Auch während seines Trainings im Wing Chun Kung Fu wird er oft aufgrund seiner Herkunft ausgegrenzt. Das Foto zeigt ihn Mitte der 60er-Jahre in der Rolle eines jungen Kriminellen in einer seiner ersten Produktionen in Los Angeles.
Bruce Lee gerät in Hongkong immer häufiger in Straßenkämpfe, weshalb seine Eltern ihn mit 18 Jahren und nur 100 US-Dollar in der Tasche in die Vereinigten Staaten schicken. Während der Schiffsreise und seiner ersten Zeit in San Francisco arbeitet der begabte Tänzer als Cha-Cha-Cha-Lehrer, bevor er nach Seattle umsiedelt und dort als Kellner und Platzanweiser jobbt.
Nachdem Lee seinen Highschool-Abschluss nachgeholt hat, studiert er zunächst Schauspiel, später auch Philosophie und Psychologie an der University of Washington. In seiner Freizeit unterrichtet er Kung-Fu. Eine seiner Schülerinnen ist Linda Emery (Bild). Die beiden heiraten im August 1964, ein Jahr später wird Sohn Brandon geboren.
Sowohl in Seattle als auch in Oakland, wo Lee später wohnt, eröffnet der Martial-Arts-Künstler Trainingszentren, die finanziell zunächst aber nicht viel abwerfen. Während dieser Zeit erfindet Lee seine eigene Kampfkunstmethode Jeet Kune Do. Ein Wendepunkt in seinem Leben ist die Einladung zu den internationalen Karatemeisterschaften in Long Beach, bei denen er den noch völlig unbekannten Stil vorstellen will.
Lees Können und seine Bühnenpräsenz fallen eines Tages dem Friseur eines Hollywood-Produzenten auf, der nach einem asiatischen Darsteller sucht. Nach Probeaufnahmen in Los Angeles erhält der Kampfkünstler die Rolle des Kato in der Serie "Die grüne Hornisse" an der Seite von Van Williams (l.). Wegen geringer Einschaltquoten wird die Produktion aber nach nur sechs Monaten eingestellt.
Bruce Lees Hollywood-Karriere ist jedoch der Weg geebnet, er profitiert von den Kontakten zu seinem Co-Star Van Williams (l.) und anderen Schauspielern wie Adam West (M.). Stars wie James Coburn und Steve McQueen klopfen zudem an, um Kampfkunstunterricht bei ihm zu nehmen.
1969 ist in zweierlei Hinsicht ein gutes Jahr für den aufstrebenden Hollywood-Star. Im April des Jahres kommt seine Tochter Shannon Lee zur Welt und in "Der Dritte im Hinterhalt" ist Lee zum ersten Mal in einer großen Filmproduktion zu sehen - neben James Garner (r.).
Zur selben Zeit strebt Bruce Lee an, den ultimativen Martial-Arts-Film zu drehen. Das Filmstudio Warner Bros. streicht das Projekt namens "Das Geheimnis des blinden Meisters" jedoch, weil sich die Realisierung als zu schwierig erweist. In Hongkong ist Lee dank "Die grüne Hornisse" mittlerweile allerdings ein gefeierter Star, sodass er ein lukratives Angebot über zwei Filme erhält. Der erste, "Die Todesfaust des Cheng Li" (Foto), schlägt 1971 ein wie eine Bombe.
Ebenso erfolgreich wird ein Jahr später der Streifen "Todesgrüße aus Shanghai" (Bild). Außerdem wird Lees Darstellung in der Serie "Longstreet" in den USA so gut aufgenommen, dass sich plötzlich Warner Bros. und Paramount Pictures um ihn reißen. Bruce Lee setzt es sich nun zum Ziel, seine eigenen Ansichten über die Kampfkunst in zukünftige Projekte einfließen zu lassen.
Das Ergebnis ist in "Die Todeskralle schlägt wieder zu" zu sehen, für den Lee sich 1972 Unterstützung von den Karateweltmeistern Chuck Norris (r.) und Bob Wall holt. Norris ist bereits ein guter Bekannter von Lee, da er sich zuvor Tipps bezüglich der chinesischen Kampfkunst bei ihm geholt hat.
Der Film, in dem auch Nora Miao (l.) zu sehen ist, bricht erneut alle Rekorde. Allein in Hongkong spielt er knapp fünf Millionen Hongkong-Dollar ein. Bis heute gelten die Kämpfe, die Lee dafür choreografiert hat, als einmalig in der Filmgeschichte.
1973 folgt "Der Mann mit der Todeskralle" (Bild). Die chinesisch-amerikanische Koproduktion löst einen wahren Kung-Fu-Hype aus. Lee selbst erlebt diesen allerdings nicht mehr mit.
Die Dreharbeiten zu "Der Mann mit der Todeskralle" haben den Kampfkünstler stark belastet. Im Mai 1973 wird er deshalb mit Atemnot und Schüttelkrämpfen ins Krankenhaus eingeliefert. Ärzte in Hongkong und Los Angeles stellen ein Hirnödem und einen epileptischen Anfall als Ursache fest. Lee kehrt nach der Behandlung zur Nachproduktion des Films nach Hongkong zurück.
Nur zwei Monate später wird Bruce Lee nach der Einnahme eines Schmerzmittels erneut - dieses Mal bewusstlos - ins Krankenhaus eingeliefert. Die Wiederbelebungsversuche der Ärzte scheitern, der Filmstar stirbt am 20. Juli 1973 im Alter von nur 32 Jahren. Bei seiner Beerdigung in Seattle zählen unter anderem James Coburn und Steve McQueen zu den Sargträgern.
Laut Obduktionsbericht stirbt Bruce Lee an den Folgen einer Hirnschwellung, die durch eine allergische Reaktion auf das eingenommene Schmerzmittel ausgelöst wird. 2005 ergibt eine Untersuchung jedoch, dass auch ein epileptischer Anfall der Grund für seinen Tod gewesen sein könnte. Über die Jahre gibt es außerdem Gerüchte über einen angeblichen Mord.
Für die Dreharbeiten zu "Der Mann mit der Todeskralle" hatte Lee die Produktion an einem anderen Film, "Bruce Lee – Mein letzter Kampf", auf Eis gelegt und kann ihn nun aufgrund seines frühen Todes nicht mehr fertigstellen. Die Version, die 1978 schließlich erschien, unterscheidet sich sehr von Lees Originalkonzept.
Auch nach seinem Tod wird Lee als großer Kampfkünstler und Filmstar gefeiert. Sein Ruhm nimmt eher noch zu. Das Foto zeigt seine Mutter (2.v.l.), seine Witwe Linda (2.v.r.) sowie seine Kinder Brandon (r.) und Shannon bei der Feier zum "Bruce Lee Day" 1979 in Los Angeles.
1993 bekommt Bruce Lee einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Bei der Würdigung ist auch Jean-Claude Van Damme, ein Bewunderer Lees, zugegen. In der im gleichen Jahr erschienenen Filmbiografie "Dragon – Die Bruce Lee Story", an deren Drehbuch Lees Witwe Linda mitgeschrieben hat, spielt Jason Scott Lee (nicht verwandt!) den verstorbenen Kampfkünstler.