Brandon Lee und Co.: Vor Drehschluss verstorbene Schauspieler

Bruce Lee und dessen Sohn Brandon teilen das gleiche Schicksal: Nicht nur verstarben sie viel zu jung, auch war ihr jeweils aktuelles Projekt noch nicht abgedreht. Ähnliches passiert in Hollywood immer wieder: die prominentesten Fälle.

Lee verstarb zwölf Stunden später im Krankenhaus. Die noch fehlenden Szenen wurden durch einen anderen verhüllten Darsteller ergänzt. Heute genießt "The Crow" Kultstatus. Am 1. Februar 2021 wäre Lee 56 Jahre alt geworden.
Auch seinen Vater, die Martial-Arts-Legende Bruce Lee, ereilte ein verfrühter Tod: Nach Überanstrengungen bei Dreharbeiten zu "Der Mann mit der Todeskralle" (1973) und einer allergischen Reaktion auf Schmerzmittel starb er an einer Hirnschwellung.
Sein unvollendetes Projekt "Game of Death" wurde sechs Jahre später durch den Einsatz von Doubles fertiggestellt: Diese verdeckten ihr Gesicht oder trugen eine Pappmaske von Lees Gesicht - ein für viele Fans respektloses Verfahren.
Im selben Jahr wie Brandon Lee verstarb ein weiterer vielversprechender Jungschauspieler: Der 23-jährige River Phoenix, älterer Bruder von Hollywoodstar Joaquin Phoenix, erlag vor einem Nachtclub einer Drogenüberdosis - inmitten der Dreharbeiten von "Dark Blood".
Weil seine Szenen als zentraler Bösewicht noch nicht abgedreht waren, wurde das Projekt lange Zeit auf Eis gelegt - und erst 2012 veröffentlicht: Die fehlenden Sequenzen ersetzte man durch Voice-Overs. Seine bekannteste Rolle spielte Phoenix als Zwölfjähriger im Stephen-King-Klassiker "Stand By Me" (1986).
Nur ein Jahr älter als Phoenix war James Dean bei seinem Tod 1955: Der Film "Giant" (1956) war so gut wie abgedreht, als der 24-Jährige bei einem Autounfall verstarb. Nur eine Szene, die Dean alkoholisiert vernuschelt hatte, musste von einem anderen Darsteller neu eingesprochen werden. Sein frühes Ableben befeuerte seinen Kultstatus.
Jean Harlow war der Inbegriff der platinblonden Sexbombe in den 1930ern. Mit nur 26 Jahren hatte sie bereits in 21 Filmen gespielt, unter anderem an der Seite von Stars wie Clark Gable und Spencer Tracy. Der Film "Saratoga" war zu 90 Prozent abgedreht, als Harlow nach unerkannter Krankheit an Nierenversagen verstarb. Auch hier wurden die restlichen Szenen mit einer Ersatzschauspielerin gedreht, die allerdings nur von hinten gefilmt wurde.
Was Harlow für die 30er Jahre war, war Marilyn Monroe für die 50er: Durch Klassiker wie "Some like it hot" (1959) oder "Das verflixte 7. Jahr" (1955) wurde sie das Sexsymbol ihrer Zeit. Doch ihr letzter Film sollte nie fertiggestellt werden: "Something's Got to Give" war ohnehin in Verzug, weil Monroe an 17 von 30 Drehtagen krankgeschrieben war. Ihre tödliche Drogenüberdosis mit nur 36 Jahren bedeutete schließlich auch das Ende dieses Films.
Inmitten der Dreharbeiten zu "Das Kabinett des Dr. Parnassus" (2009) starb der 28-jährige Heath Ledger an einer Überdosis Schmerztabletten. Daraufhin wurde das Skript umgeschrieben, sodass seine Kollegen Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell jeweils einen Teil der verbliebenen Handlung übernehmen konnten. Alle drei Darsteller spendeten ihre Gage an Ledgers Tochter, um ihr eine Zukunft zu sichern.
Zuvor hatte Ledger gerade erst die Dreharbeiten von "The Dark Knight" abgeschlossen. Für seine ikonische Rolle als Joker wurde er postum mit dem Oscar als "Bester Nebendarsteller" ausgezeichnet.
Philip Seymour Hoffman fehlten für "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" noch zwei seiner wichtigen Szenen, als der 46-Jährige einer Drogenüberdosis erlag. Hoffmans Rückfall hatte acht Monate zuvor begonnen, nachdem er mehr als 25 Jahre lang clean geblieben war. Die zwei Szenen wurden von anderen Figuren übernommen.
Paul Walker war sechs Filme lang Star der "Fast & Furios"-Straßenrennen-Reihe. Für den siebten Ableger hatte Walker gerade einmal die Hälfte der Szenen hinter sich, als er privat bei einem Autounfall ums Leben kam. Schauspielerische Aushilfe für die noch fehlenden Szenen fand man bei seinen beiden ähnlich gebauten Brüdern. Pauls Gesicht wurde im Nachhinein digital auf die Körper der beiden gesetzt.
So mancher frühzeitiger Tod in Hollywood sorgte für reichlich Spekulationen - wie beispielsweise der mysteriöse Fall von Natalie Wood: Während eines Bootsausflugs mit Schauspielkollege Christopher Walken und Ehemann Robert Wagner ertrank die 43-Jährige. Eigentlich ging man von einem Unfall aus, doch seit 2018 steht ihr Ehemann unter Mordverdacht. Ihr letzter Film "Projekt Brainstorm" (1983) wurde mit Doubles fertiggestellt.
Brandon Lee war nicht der einzige Schauspieler, der durch einen Unfall am Set ums Leben kam. Der Militär-affine Vic Morrow verunglückte am Set von "Twilight Zone - The Movie" (1983) während einer Vietnamkriegsszene - ein abstürzender Hubschrauber tötete ihn sowie zwei Kinderdarsteller auf der Stelle.
Auch der Dokumentarfilmer und Tierschützer Steve Irwin (hier zu sehen mit Frau Terri), besser bekannt als "Crocodile Hunter", verstarb am Set: Bei Unterwasseraufnahmen wurde er von einem Stachelrochen ins Herz gestochen. Irwin wollte nach eigener Aussage stets zeigen, dass auch unbeliebte Tiere ein Recht auf Leben haben - und wenn er während Aufnahmen von einem gebissen werden sollte, sei dies selbstverschuldet.
Der Hollywood-Star Tyrone Power ist für seine Hauptrollen in Abenteuerfilmen wie "Im Zeichen des Zorro" (1940, Bild) oder "Der Seeräuber" (1942) bekannt. Während einer Fechtszene für das Bibelepos "Salomon und die Königin von Saba" (1959) erlitt er einen Herzinfarkt und verstarb noch am Set. Sämtliche Szenen wurden daraufhin mit Yul Brynner neu gedreht.
Komödiant Chris Farley war die originale Stimme des grünen Ogers im gleichnamigen Film "Shrek" (2001). Obwohl der Großteil seiner Dialoge bereits aufgenommen war, als er mit nur 33 Jahren an einer Drogenüberdosis verstarb, fand man auch für ihn Ersatz und startete neu.
Der Dracula-Darsteller Bela Lugosi war für eine Rolle im Science-Fiction-Horror-Unikum "Plan 9 aus dem Weltall" (1959) vorgesehen, doch verstarb noch vor Drehstart. Glücklicherweise aber hatte Regisseur Ed Wood zuvor einige Testaufnahmen mit Lugosi gemacht, welche verwendet werden konnten. Für die restlichen Szenen sprang sein Chiropraktiker ein, dessen völlig andere Statur aber auch ein Umhang nicht verhüllen konnte.
Vor Drehschluss des Monumentalfilms "Gladiator" (2000) verstarb Oliver Reed (l.) an einem Herzinfarkt. Doch mit bereits fortgeschrittener Technologie konnten die noch fehlenden zwei Minuten Leinwandpräsenz durch ein digitales Körperdouble fertiggestellt werden. Der Film ist ihm gewidmet.
Der "Poltergeist"-Jungstar Heather O'Rourke verstarb mit nur zwölf Jahren an einem Kreislaufstillstand durch Darmverschluss. Zuvor hatte sie eine Fehldiagnose und entsprechend falsche Medikation erhalten. Die laut Studiochefs noch benötigten Nachdrehs für den dritten Ableger der Grusel-Filmreihe wurden mit einem Double gefilmt - unter starken Protesten der Crew.