Nachdem Capcom seine altehrwürdige Survival-Horror-Reihe "Resident Evil" 2017 erfolgreich von der Serien-typischen "Verfolger-Perspektive" in die sonst für Ego-Shooter übliche "Ich-Perspektive" überführt hatte, legte man erstmal mit zwei Remakes nach: "Resident Evil 2" und "Resident Evil 3" - ursprünglich Ende der 90-er-Jahre für Sonys erste PlayStation-Konsole erschienen - wurden liebevoll neu aufgelegt. Mit rundum erneuerter Optik, dem Zeitgeist angepasstem Spielterrain und behutsam modernisierter Steuerung. Damit weder alteingesessene "Resi"-Fans noch Serien-Newcomer abgeschreckt werden.

Eine Kritik
von Bernd Fetsch

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Trotz des Erfolgs der beiden Neuauflagen knüpft Capcom bei Episode 8 an das Konzept des direkten Vorgängers an: Ego-Perspektive, jede Menge derbe Splatter-Effekte und ganz viel Schauerstimmung vermitteln wieder die Wirkung eines spielbaren Horrorfilms - nur die aus "Resident Evil 7 Biohazard" bekannte Unterstützung für Virtual-Reality-Headsets wie PlayStationVR hat man sich diesmal gespart. Schade eigentlich - denn der virtuelle Alptraum-Trip war es, der den besonderen Reiz der in den US-Südstaaten angesiedelten Episode ausmachte.

Während Held Ethan Winters durch die Korridore einer verfallenen Südstaaten- Villa wandelte - mit den Zombie-ähnlichen Einwohnern immer dicht auf den Fersen - gruselten sich Fans der Horror-Serie so sehr wie seit vielen Jahren nicht mehr. Besonders dann, wenn sie die VR-Brille auf dem Kopf hatten. Dann sorgte jede Begegnung mit den quasi-untoten Hausbesetzern für einen Beinahe-Herzstillstand. Oder die Konfrontation mit Ethans Frau Mia, die man eigentlich befreien will, die inzwischen aber selber monströse Züge angenommen hat.

Resident Evil 8: Von Spukschloss bis Horror-Haus

Auch einige Jahre später ist die Welt der Winters nur scheinbar wieder in Ordnung: Ethan, Mia und der frisch gebackene Familien-Zuwachs Rose sind von den USA nach Europa gezogen, um die gruseligen Geschehnisse in Louisiana besser verarbeiten zu können. Aber während sich Mia in hartnäckigen Leugnungs-Strategien ergeht, wird Ethan noch immer von dem Horror-Trip verfolgt - und "Resident Evil 8" an Fahrt aufnimmt. "The Village" entführt die Winters in ein geheimnisvolles rumänisches Dorf, in dem man es auf die Tochter von Ethan und Mia abgesehen hat.

Serien-Kenner fühlen sich bei der gerade anfangs rasanten Hatz durch die von verschiedenen Monstrositäten belagerte und fast mittelalterliche Siedlung an "Resident Evil 4" erinnert: Wo sich Teil 7 am Horrorhaus-Ambiente des allerersten "Resident Evil" orientierte, fährt und metzelt der Nachfolger im brutalen Kielwasser des Vierers: Ethan verrammelt mit vorgeschobenen Schränken die Zugänge zu Bretterbuden, eröffnet durch vernagelte Fenster das Feuer auf grunzende, heulende Mutanten und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Übergriffe der scharfzahnigen, Klauen-bewehrten Kreaturen - durch die verwackelte Ego-Perspektiven-Kamera immer besonders lebendig und grausig eingefangen. Damit auch hartgesottenen Geister- und Monsterjägern garantiert das Herz in die Hose rutscht.

Klarer Fall: "Village" ist nichts für zarte Gemüter. Zumal sich Hersteller und Entwickler Capcom stilsicher an den verschiedensten Spielarten des Grusel-Genres abarbeitet - vom Action- und Splatter-bewehrten Blutsauger- oder Werwolfs-Scharmützel bis hin zum bedächtigen, aber mit Schockeffekten gespickten Puppenhaus-Horror. Für den muss Ethan sogar sein Sammelsurium aus aufrüstbaren Schießprügeln am Eingang abgeben. Erst dann darf er sich durch klaustrophobische Korridor- und Raumfluchten rätseln.

Wo sind die Gegner?

Für die Umsetzung des Genre-Cocktails bedient sich Capcom eines simplen Kniffs: Das Dorf, dem das Spiel seinen Titel verdankt, fungiert als eine Art zentraler "Verteiler-Hub", von dem aus der Spieler die Zugänge zu den Domizilen der Endgegner freischaltet - einen nach dem anderen.

Darunter gothische Gruselschlösser, Fabrikhallen und Spukhäuser, die allesamt für verschiedene Spielarten des Horror-Genres zuständig sind und diesen "Resident Evil"-Teil deshalb zum abwechslungsreichsten machen. Die Welt ist dabei äußerst schön in Szene gestellt und lässt an vielen Stellen Gothic-Horror-Charme aufkommen.

Überraschend ist dabei - trotz des zeitweise hohen Action-Anteils - die für ein "Resident Evil" geringe Gegnerdichte. Obwohl Ethan eifrig damit beschäftigt ist, neue Schießprügel zu entdecken und mithilfe des "Dukes" - eines kolossalen fahrenden Händlers - neue Erweiterungen für bescheidene bis protzige Projektil-Verteiler freizuschalten.

Die meisten Begegnungen sind Bestandteil streng geskripteter Spielabläufe und münden in Gefechte, die sich eher als atmosphärisches Beiwerk denn als echte Bedrohung entpuppen. Besonders die Endgegner geben sich fast schon enttäuschend zahnlos: Die Strategien, die für das Bezwingen riesiger Vampir-Gräfinnen, Monster-Babys oder durchgeknallter Marionetten-Blagen nötigen sind, werden auf dem blutigen Silbertablett serviert.

Ähnliches gilt für die meist viel zu einfachen Puzzles. Weil auch dieses "Resident Evil" in erster Linie auf schlichte Objekt-Rätsel setzt, die damit verknüpften Terrains aber viel zu übersichtlich und klein geraten sind. Stattdessen scheint sich "The Village" damit zufriedenzugeben, eine unterhaltsame und größtenteils schick inszenierte Geisterbahn zu sein. Ein in jeder Hinsicht berechenbarer, aber toll präsentierter Themen-Park für Adrenalin-Junkies, die es schätzen, wenn Ihnen das Böse zwischen blutverschmierten Reißzähnen hindurch mitten ins Gesicht lächelt. Wer allerdings Horror mit spielerischem und erzählerischem Anspruch sucht, wird weniger glücklich - in diesen Disziplinen hatten die Remakes von "Resident Evil 2" und "Resident Evil 3" wesentlich mehr zu bieten.   © 1&1 Mail & Media/teleschau