• Ein Investigativ-Journalist deckt einen angeblichen Skandal bei "Cyberpunk 2077"-Macher CD Projekt Red auf.
  • 20 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter sollen als Zeugen ausgesagt haben.
  • CD Projekt Red-Chef reagiert per Twitter.

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Mit seinem Investigativjournalismus prangert Jason Schreier von "Bloomberg News" gern die Schattenseiten der Spielebranche an. Nun hat der ehemalige "Kotaku"-Mitarbeiter CD Projekt Reds "Cyberpunk 2077" mit der Reportage "Inside Cyberpunk 2077's Disastrous Rollout" ins Visier genommen.

Der Journalist behauptet darin: Die Entwickler wussten ganz genau, dass ihr Game noch nicht reif genug für eine Veröffentlichung war. Das Release verschoben sie dennoch nicht. Angeblich sollen Mitarbeiter die Leitung gewarnt haben, angesichts der vielen offenen Baustellen sei ein Launch 2022 sinnvoller. Dies sei von den Entscheidern ebenso ignoriert worden wie die Zweifel an der Lauffähigkeit auf den Last-Gen-Konsolen PS4 und Xbox One. Zudem sei, so der Vorwurf des Journalisten, die auf der E3 2018 gezeigte Demo "fake" gewesen und hätte keine tatsächlichen Einblicke in das Spiel gewährt, wie es später für den Endverbraucher erlebbar wurde. Dies würde laut Schreier später gestrichene Features erklären.

Jason Schreier von "Bloomberg News" sprach angeblich mit 20 Mitarbeitern über die Schattenseiten von "Cyberpunk 2077".

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Entscheider bei CD Projekt Red hätten den Fokus eher auf die Vermarktung des Produkts gesetzt als auf die Qualität des Spiels selbst. Mit Crunch-Time und Überstunden habe man im Vorfeld versucht, dem Zeitdruck zu begegnen, so die Vorwürfe - vergeblich. Als Zeugen für seine Behauptung zitiert Jason Schreier angeblich 20 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von CD Projekt Red. Allerdings war nur einer bereit, namentlich erwähnt zu werden: Der ehemalige Mitarbeiter Adrian Jakubiak behauptet, dass er in der Crunch-Phase 13 Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche habe arbeiten müssen.

"Cyberpunk 2077": Nicht katastrophal

CD-Projekt-Red-Studioleiter Adam Badowksi bezieht in einem Tweet Stellung zu manchen der Vorwürfe aus dem "Bloomberg"-Artikel. Bezüglich der Behauptung, Mitarbeiter hätten gewarnt, dass ein Release 2020 nicht realistisch sei, konterte Badowski: "Sie haben nur mit 20 Leuten gesprochen, manche davon Ex-Mitarbeiter, und nur einer, der nicht anonym bleiben wollte - das würde ich nicht als die 'meisten' von über 500 Mitarbeitern bezeichnen."

Zur Glaubwürdigkeit der E3-Demo erklärt Badowski, es liege in der Natur der Sache, dass eine Jahre vor dem endgültigen Spiel erschienene Demo nicht das finale Produkt darstellen könne - weder grafisch noch inhaltlich. Er selbst finde das fertige Spiel "viel besser als die Demo".

Badowski über jedoch auch Selbstkritik: Die Probleme der Last-Gen-Versionen seien nicht zu leugnen, man arbeite weiterhin an Verbesserungen in Form von noch nachzureichenden Patches - vor allem für die PS4- und Xbox-One-Versionen, aber auch für PC.

Trotz aller Probleme sei er stolz auf "Cyberpunk 2077", sowohl "als Spiel als auch als künstlerische Vision". Keineswegs ließe sich das Game und seine Entwicklung als "katastrophal" bezeichnen, spielt er auf die Überschrift von Schreiers Artikel an.

Demütiger als Adam Badowskis Reaktion auf den "Bloomberg"-Artikel war ein Video des CD-Projekt-Red-Mitbegründers Marcin Iwinski auf YouTube. Er und die anderen Führungsmitglieder des Studios würden als Verantwortliche die Schuld dafür auf sich nehmen, dass "Cyberpunk 2077" zum Launch nicht lückenlos den eigenen Qualitätsansprüchen gerecht geworden sei, erklärte er.

Unbewusst fehlerhaftes "Cyberpunk 2077" veröffentlicht

Allerdings habe man nicht bewusst ein fehlerhaftes Produkt veröffentlicht: "Unsere Tests haben einen Großteil der Probleme, die ihr erlebt habt, nicht gezeigt." Damit widerspricht er Jason Schreiers These.

Wichtiger als Entschuldigungen oder Leugnung sind für die Spieler jedoch konkrete Verbesserungen. Die verspricht Iwinski - in Form von Gratis-Updates, welche Fehler Schritt für Schritt beheben sollen. Während weitere Bugfixes für PS4 und Xbox One zeitnah kommen sollen, brauchen Next-Gen-Gamer Geduld: Die Updates, welche die Leistungsfähigkeit von Xbox Series X und PS5 voll nutzen, sollen erst im dritten Quartal 2021 folgen, der Multiplayer-Modus sogar erst 2022.

(tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau