Prinz William auf heikler Mission in Nahost

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Für fünf Tage reiste Prinz William in offiziellem Auftrag der britischen Regierung in den Nahen Osten - und schrieb damit Geschichte. Seine Frau Kate und die Kinder George, Charlotte und Louis mussten allerdings zu Hause bleiben.

Prinz William bereiste ab dem 24. Juni in offizieller Mission den Nahen Osten. Es ist eine historische Reise, denn: Er ist das erste Mitglied der britischen Königsfamilie, das Israel als offizieller Vertreter Großbritanniens besucht.
In den mehr als 70 Jahren seit der Staatsgründung Israels hatte sich London unter Verweis auf die Besatzung Palästinas geweigert, diesen Schritt zu gehen. Bis jetzt. Am Dienstagmorgen wurde der Herzog von Cambridge am Flughafen Ben-Gurion in Tel Aviv empfangen.
Vor seiner Ankunft in Israel stand ein Besuch in Jordanien auf dem Programm. Gemeinsam mit Kronprinz Hussein besichtigte er am Montag die Antike Stadt Gerasa (Jerasch) im Norden des Landes.
Weil er während der WM-Begegnung zwischen England und Panama Termine wahrnehmen musste, schaute sich William die Aufzeichnung der Partie im Nachhinein mit Kronprinz Hussein an. Das Spiel endete mit 6:1 für die englische Nationalmannschaft.
Zum Auftakt seines historischen Besuchs in Israel besuchte Prinz William die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Der Herzog traf auch Holocaust-Überlebende, die durch die sogenannten Kindertransporte gerettet wurden. Bei der Rettungsaktion entkamen rund 10.000 jüdische Kinder nach England.
"Es ist fast unmöglich, dieses entsetzliche Geschehen in der Geschichte zu verstehen", schrieb er dort ins Gästebuch von Yad Vashem, und weiter: "Aber die Taten der wenigen, die große Risiken eingingen, um anderen zu helfen, sind eine Erinnerung an die menschliche Fähigkeit zu Liebe und Hoffnung."
Danach traf der junge Royal Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen Frau Sara in Jerusalem. Wo die offiziellen Auslandsreisen der Königsfamilie hinführen, entscheidet übrigens die britische Regierung. Die Royals gelten als "diplomatische Geheimwaffe" der Briten.
Israels Präsident Reuven Rivlin bat den Prinzen bei einem anschließenden Gespräch in Jerusalem, "eine Nachricht des Friedens" an Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu senden. Es sei an der Zeit, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu beenden, sagte Rivlin nach Angaben israelischer Medien.
Später spielte Prinz William mit jüdischen und arabischen Kindern in einem Vorort von Tel Aviv Fußball und soll dabei sogar ein Tor geschossen haben. Organisiert wurde das Spiel vom Peres-Zentrum, das sich für eine friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern einsetzt.
Mit Bürgermeister Ron Huldai (r.) besuchte William am Dienstagnachmittag den Stadtstrand von Tel Aviv. "Nur schade, dass ich meine Badehose nicht mitgebracht habe", sagte er mit Blick auf das Meer. Auch wenn es angesichts der traumhaften Kulissen so scheinen mag: Die offiziellen Reisen der Royals haben selten viel mit Urlaub zu tun.
Am Strand schaute sich der sportbegeisterte Prinz ein Beachvolleyballspiel an. Für die meisten Besucher allerdings ...
... war Prinz William die Hauptattraktion am Strand von Tel Aviv. Zahlreiche - zumeist leicht bekleidete - Zaungäste versammelten sich, um einen Blick auf den 36 Jahre alten Blaublüter zu erhaschen.
In Tel Aviv traf Prinz William auch auf die diesjährige ESC-Gewinnerin Netta Barzilai. Mit ihr schlenderte er entlang des Rotschild Boulevards und genehmigte sich ein Glas Gazoz, ein israelisches Kultgetränk aus Mineralwasser und Sirup. Im Anschluss an das Treffen ...
... setzte Prinz William seine Reise ins Westjordanland fort. In Ramallah wurde er am Mittwoch von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas empfangen und begab sich in diplomatischer Hinsicht auf dünnes Eis, als er die palästinensischen Gebiete als Land bezeichnete.
Im Anschluss besuchte der Prinz eine Flüchtlingsunterkunft in Ramallah. Bei dem Termin zeigte sich der Royal tief bewegt und drückte sein Mitgefühl für die Menschen aus: "Ich kann mir nur vorstellen, wie schwer das Leben unter diesen Bedingungen sein muss, die begrenzten Ressourcen, der Mangel an Möglichkeiten."
Auf einem Kulturfest in Ramallah durfte William lokale Speisen probieren und bei einem Treffen mit jungen Fußballerinnen und Fußballern selbst aktiv werden. Ob er diesmal erneut ein Tor schießen konnte wurde nicht bekannt.
Während eines Empfangs im britischen Konsulat in Jerusalem am Mittwochabend sagte Prinz William: "Im vergangenen Jahrhundert haben die Menschen im Nahen Osten große Trauer und Verluste erlitten. Niemals wurden Hoffnung und Versöhnung mehr gebraucht. [...] Meine Botschaft am heutigen Abend ist, dass Sie nicht vergessen wurden", sagte er an die Palästinenser gerichtet.
Vom Ölberg genoss Prinz William mit einem Guide am Donnerstagmorgen einen Blick auf die al-Aqsa-Moschee inmitten der Altstadt von Jerusalem. Später schaut sich der Royal das islamische Gotteshaus auf dem Tempelberg noch genauer an.
Zuvor ging es für Prinz William auf dem Ölberg zur Kirche Mary Magdalene im Osten Jerusalems. Dort befindet sich das Grab seiner Urgroßmutter Prinzessin Alice von Battenberg.
Alice von Battenberg ist die Mutter von Prinz Philip, dem Ehemann der Queen. Im Jahr 1988 wurden ihre sterblichen Überreste nach Jerusalem überführt, so wie es ihr Wunsch gewesen war. Prinzessin Alice hatte während des zweiten Weltkriegs eine jüdische Familie in Athen gerettet.