Prinz Philip feiert 99. Geburtstag: Ein Offizier und (nicht immer) Gentleman

Er hat Charme - und den Schalk im Nacken. Trotz seiner renitenten Art ist Prinz Philip der Königin von England stets loyal ergeben. Seit nunmehr 99 Jahren lebt er ein privilegiertes Leben - dabei war seine Kindheit alles andere als rosig und auch die Briten taten sich zunächst äußerst schwer mit dem griechischen Prinzen.

So typisch sein Humor für einen Briten auch sein mag, geboren wird Prinz Philip nicht auf der Insel - zumindest nicht auf der britischen. Am 10. Juni 1921 kommt Philippos Andreou, Prinz von Griechenland und Dänemark, auf der griechischen Insel Korfu zur Welt. Genauer gesagt auf einem Küchentisch, wie es heißt. (Bild: 1922)
Er ist der einzige Sohn von Prinz Andreas von Griechenland und Prinzessin Alice von Battenberg, doch trotz der privilegierten Verhältnisse ist Philips Kindheit schwierig und von vielen familiären Konflikten geprägt. Die Ehe seiner Eltern gilt schon zum Zeitpunkt seiner Geburt als zerrüttet, die Trennung folgt bald darauf. Nach einem Militärputsch im Jahr 1922 muss die Familie Griechenland verlassen. Philip geht mit seiner Mutter nach Frankreich. (Bild: 1930)
Nachdem sich die psychische Krankheit seiner Mutter Alice verschlimmert und sie in ein Sanatorium eingewiesen wird, wächst Philip in Internaten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf. Sein Vater, der mit einer Geliebten in Monte Carlo lebt, will ihn offenbar nicht bei sich aufnehmen. (Bild: 1935)
Zu seinem Vater hat Philip nach der Flucht aus Griechenland nur schriftlichen Kontakt. Seine Mutter Alice (Bild), bei der 1930 unter anderem durch Sigmund Freud Schizophrenie diagnostiziert wurde, besucht er immer wieder. 1967 holt er sie sogar zu sich in den Buckingham-Palast, wo sie zwei Jahre später verstirbt. (Bild: 1968)
Nach dem Internat beginnt er 1939 als Kadett auf dem Royal Naval College in Dartmouth eine Ausbildung. In dieser Zeit trifft er zum ersten Mal auf seine spätere Ehefrau Elizabeth. Die zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alte britische Thronfolgerin soll schon damals ihr Herz an den adretten griechischen Prinzensohn verloren haben. (Bild: undatiert)
Tatsächlich sind Prinz Philip und Königin Elizabeth II. miteinander verwandt, wenn auch über mehrere Ecken: Er ist ihr Cousin dritten Grades, Königin Victoria ist ihre gemeinsame Ururgroßmutter. Das aber ist nicht der Grund, warum die Verlobung im Jahr 1947 in Großbritannien äußerst umstritten ist. (Bild: 1947)
Vielmehr gilt Philip in Großbritannien als mittelloser Prinz ohne Königreich. Nicht genug, dass er Ausländer ist, Teile seines Stammbaums wurzeln in Deutschland, noch dazu sind seine vier älteren Schwestern mit deutschen Nationalsozialisten verheiratet - schlechter könnte seine Abstammung, so kurz nach dem zweiten Weltkrieg, kaum sein. (Bild: 1940)
Doch Elizabeth setzt sich durch und darf ihn heiraten. Dafür nimmt Philip 1947 die britische Staatsangehörigkeit an, konvertiert zum Anglikanismus, verzichtet fortan auf seinen Titel Prinz von Griechenland und Dänemark und ändert seinen Familiennamen von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg in Mountbatten, was lediglich eine englische Verballhornung des Nachnamens seiner Mutter - von Battenberg - ist. (Bild: 1947)
Die königliche Hochzeit findet schließlich am 20. November 1947 in der Westminster Abbey statt. Obwohl die Briten Prinz Philip als Mann der künftigen Königin nun halbwegs akzeptieren, wird seine deutsche Verwandtschaft nicht eingeladen – auch seine drei noch lebenden Schwestern nicht. Die Wunden des Kriegs sind noch lange nicht verheilt.
Fast genau ein Jahr nach der Hochzeit, am 14. November 1948, kommt mit Prinz Charles (li.) das erste Kind des Paares zur Welt. Insgesamt gehen vier Kinder aus der königlichen Ehe hervor: 1950 kommt Prinzessin Anne hinzu … (Bild: 1951)
… 1960 folgt Prinz Andrew (r.) und 1964 mit Prinz Edward (li.) das Nesthäkchen der Königsfamilie. Philip arbeitet zunächst weiter als Offizier der Royal Navy, ist immer wieder auf Malta stationiert. Als sein Schwiegervater König George VI. 1952 stirbt, endet das vergleichsweise normale Familienleben. (Bild: 1969)
Das Verhältnis zwischen Philip und seinem Erstgeborenen (r.) wird als kompliziert und mitunter angespannt beschrieben. Philip soll missbilligt haben, dass Charles seine Ehe mit Diana für Camilla riskierte, weil er damit die Queen beschädigte. In seiner Biografie beschreibt Charles seinen Vater später als "hart" und "einschüchternd". (Bild: 1975)
Mit Elizabeths Inthronisierung 1953 muss sich Prinz Philip endgültig dem strengen Protokoll unterordnen, was für den stolzen Prinzgemahl nicht einfach ist – etwa, dass er stets einen Schritt hinter der Queen gehen muss. Im Streit mit seiner Frau soll er einmal geklagt haben, er sei nur "eine verdammte Amöbe" bei Hofe. (Bild: 1953)
Wo immer es ihm möglich ist, versucht der eigensinnige Charakter aus dem engen Korsett des höfischen Protokolls auszubrechen – nicht zuletzt durch seine politisch inkorrekten Witze, mit denen er international schon für Furore gesorgt hat. Bundeskanzler Helmut Kohl begrüßte er etwa einst mit den Worten: "Guten Tag, Herr Reichskanzler." (Bild: 1996)
Die Queen scheint das lose Mundwerk ihres Gatten nicht zu stören – vielleicht sogar im Gegenteil: Laut Prinz William bringt Philip seine Frau bis heute zum Lachen. Es ist aber nicht nur das, was die Königin von England an ihrem Prinzgemahl schätzt. (Bild: 1982)
Trotz seiner widerborstigen Art war er der Queen und Krone stets loyal ergeben. "Er hat mir ganz einfach in all den Jahren Kraft und Halt gegeben", sagte die Queen vor ein paar Jahren in einer öffentlichen Liebeserklärung über den Mann, der sie privat Sausage – Würstchen – nennen darf. (Bild: 1958)
Inzwischen sind Prinz Philip und Königin Elizabeth II. mehr als 70 Jahre verheiratet. Wie kann das nur gelingen? "Das Geheimnis einer glücklichen Ehe ist, unterschiedliche Interessen zu behalten", antwortete Prinz Philip einmal auf die Frage. Außerdem brauche es ein hohes Maß an Toleranz - wovon die Queen seiner Auskunft nach reichlich besitzt. (Bild: 2007)
Eine solche Leidenschaft, die der Prinzgemahl für sich allein beansprucht, ist das Fliegen: Bei der Royal Air Force erwirbt Philip den Pilotenschein, von dem er jahrelang reichlich gebraucht macht. 1997 stellt er das Fliegen ein - den Pkw-Führerschein lässt er sich hingegen erst 2019 abnehmen, nachdem er einen Unfall verschuldet hatte. (Bild: 1980)
Inzwischen ist der Herzog von Edinburgh kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen. Im Alter von 96 Jahren geht er offiziell in Rente. Immer wieder sorgen sich die Briten um die Gesundheit des betagten Royal. Zuletzt kurz vor Weihnachten 2019, als er ins Krankenhaus muss - laut Palast aber nur eine reine Vorsichtsmaßnahme. (Bild: 2018)
Wegen der gegenwärtigen Corona-Pandemie werden Prinz Philip und die Queen bereits vor Ostern nach Windsor gebracht – aufgrund ihres hohen Alters sind die beiden durch das Virus stark gefährdet. In der Isolation auf Schloss Windsor werden die betagten Royals von einigen wenigen Angestellten umsorgt - Familienbesuche sind jedoch tabu. (Bild: 1972)