Die Zahl der Kinderehen geht nach Schätzungen von UNICEF langsam zurück, doch Krisen könnten die hart erkämpften Fortschritte zunichte machen. In der am Mittwoch (3. Mai) veröffentlichten Analyse schätzt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, dass jedes Jahr zwölf Millionen Mädchen eine Kinderehe eingehen müssen. Derzeit leben demnach 640 Millionen Mädchen und Frauen auf der Welt, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden.

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Der Anteil der jungen Frauen in Kinderehen sei seit den letzten Schätzungen vor fünf Jahren von 21 Prozent auf 19 Prozent gesunken. Wie eine UNICEF-Sprecherin am Mittwoch (3. Mai) in Köln erläuterte, beziehen sich diese Prozentzahlen auf die heute 20- bis 24-jährigen jungen Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. "2017 lag der Anteil der jungen Frauen dieser Altersklasse, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet waren, bei 21 Prozent und in der neuesten Schätzung – bezogen auf das Jahr 2022 – bei 19 Prozent."

UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell warnte jedoch: "Multiple Krisen machen die Hoffnungen und Träume von Kindern weltweit zunichte – insbesondere von Mädchen, die Schülerinnen sein sollten und nicht Bräute." Gesundheits- und Wirtschaftskrisen, eskalierende bewaffnete Konflikte und die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels würden Familien dazu zwingen, vermeintliche Sicherheit in Kinderehen zu suchen.

Positiver Zahlentrend liegt insbesondere an Entwicklungen in Südasien

Für Afrika südlich der Sahara sei aufgrund des starken Bevölkerungswachstums und der anhaltenden Krisen sogar eine steigende Zahl von Kinderehen zu erwarten. In Lateinamerika und der Karibik, im Nahen Osten und in Nordafrika sowie Osteuropa und Zentralasien stagniere die Entwicklung weitgehend.

Für den global insgesamt positiven Trend seien hauptsächlich Fortschritte in Südasien verantwortlich. Die Region sei auf dem besten Weg, Kinderehen in rund 55 Jahren abzuschaffen, heißt es in dem UNICEF-Bericht. Nach wie vor lebten in der Region allerdings fast die Hälfte aller Kinderbräute - 45 Prozent. Obwohl Indien in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt habe, werde dort immer noch ein Drittel der weltweiten Kinderehen geschlossen.

Frühe Ehen führen häufig zum Abbruch der Schule

Mädchen, die Kinderehen eingehen müssen, bleiben den Angaben zufolge mit geringerer Wahrscheinlichkeit in der Schule und sind einem erhöhten Risiko einer frühen Schwangerschaft ausgesetzt. Eine frühe Ehe könne Mädchen auch von Familie und Freunden isolieren.

"Wir haben bewiesen, dass Fortschritte bei der Beendigung von Kinderehen möglich sind", sagte Russell. Die Unterstützung für gefährdete Mädchen und Familien müsse deshalb unermüdlich weitergehen. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, Mädchen in der Schule zu halten und sicherzustellen, dass sie wirtschaftliche Chancen haben."  © dpa

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