UNICEF-Foto des Jahres 2019: Jubiläumsjahr des Wettbewerbs zeigt Tragödien der Gegenwart

Das UNICEF-Foto des Jahres 2019 erzählt vom mutigen Überlebenskampf von Kindern angesichts gleich dreier Tragödien unserer Zeit: Armut, Umweltverschmutzung und Kinderarbeit. Zum 20. Mal wurden in Berlin von UNICEF Deutschland und Schirmherrin Elke Büdenbender die Preise des Fotowettbewerbs vergeben. "Das UNICEF-Foto des Jahres erzeugt Nähe; Nähe zu Kindern, die sonst kaum jemand sieht. Es zeigt ihre Not – aber auch ihre Stärke, selbst unter den trostlosesten Bedingungen nicht aufzugeben", erklärte Büdenbender bei der Preisverleihung. "Unsere Botschaft lautet: Kinder sind das Wertvollste, das wir haben. Wir alle tragen Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft."

Der zweite Preis des internationalen Fotowettbewerbs geht an Andrew Quilty. Er dokumentiert die grausamen Folgen von Hinterlassenschaften des Krieges in Afghanistan: Eine ganze Familie ist gezeichnet durch die Explosion eines Blindgängers in ihrem Dorf. Das Porträt zeigt die Würde der Kinder, denen Gliedmaßen fehlen. Sie mussten die Mutter und Schwester sterben sehen. Im vergangenen Jahr wurden in Afghanistan über 1.400 Zivilisten bei Explosionen von Minen und Blindgängern verletzt oder getötet – fast 90 Prozent waren Kinder.
Platz drei geht an den Spanier Antonio Aragón Renuncio. Er hat die Qual der Goldsucher-Kinder von Burkina Faso festgehalten – bis hin zu den Friedhöfen, auf denen viele von ihnen liegen. Weltweit werden Millionen Mädchen und Jungen in Minen, Textilwerkstätten, auf Farmen, in Privathaushalten oder in Bordellen ausgebeutet. Renuncio, bereits im Vorjahr Gewinner des Wettbewerbs, dokumentiert eines von vielen dieser Schicksale.
Neun weitere Fotografien werden ehrenvoll erwähnt. Darunter findet sich "Zu bunt, um wahr zu sein?" von Anas Alkharboutli. Es zeigt einen Schulbus in Syrien. Eine lokale Initiative von Lehrern will mit dem Bus einen Rest von Normalität für die Kinder bewahren. Er fährt in der Region Idlib - jener Zone im Nordosten des Landes, in der im Winter 2019 laut UNICEF über 185.000 Menschen praktisch keine medizinische Hilfe bekommen und weiter fast täglich Kinder sterben.
Arm ist das afrikanische Land Burkina Faso, war aber vergleichsweise friedlich. Das hat sich geändert, seit Terrorkommandos immer häufiger Einrichtungen attackieren – darunter auch Schulen, in denen, von den Extremisten gehasst, Französisch unterrichtet wird. Antonio Aragón Renuncio ist auf ein noch unbekanntes Thema gestoßen: die Selbstorganisation von Kindern, die heimlich, teils in Schulruinen oder verlassenen Schulen, teils zuhause, eine Art Ersatzunterricht aufrechterhalten.
Die zweite Klasse seiner Schule in Dhaka, Bangladesch, hat der Junge Alaf nicht beenden können. Denn seine Eltern brauchen seine Arbeitskraft und seinen Lohn, damit die Familie überlebt. Und so arbeitet Alaf nun, für umgerechnet etwa 60 Cent. Alaf war 13 Jahre alt, als der Fotograf Sang Moo Han auf ihn aufmerksam wurde. Laut UNICEF teilen in Bangladesch 1,7 Millionen Kinder dasselbe Schicksal.
"Al-banaat", die Mädchen, nennt die Fotografin Emilienne Malfatto das Porträt zweier Schwestern, die in einer ländlichen Region im Süd-Irak aufwachsen. Das Bild von Fatma und Tiktum scheint unspektakulär - doch es ist ein Symbol für den Verlust ihrer kindlichen Unbeschwertheit: Denn es gibt Bestrebungen, das Ehealter für Mädchen per Gesetz auf neun Jahre herabzusetzen.
Das Mädchen Kawakanih in Mato Grosso, Brasilien, ist eines der Kinder, deren Ernährung der US-amerikanische Fotograf Gregg Segal in Amerika und Europa, in Asien und Afrika in einem Foto-Projekt umgesetzt hat. Inspiriert wurde er von einer Studie der Cambridge University, in der es um die fundamentalen Unterschiede im traditionellen Ernährungsverhalten geht.
Der Fotograf Mohammad Shahnewaz Khan aus Bangladesch erzählt mit seinen Bildern Kinderschicksale aus seiner Heimat. Er sieht hunderttausende Kinder in seinem Land mit einer Situation konfrontiert, die nicht das Geringste mit den Versprechen der vor 30 Jahren verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention zu tun hat: Missbrauch, Gewalt, Ausbeutung, Mangelernährung, Arbeit statt Schule.
Menschenhandel ist mit der Sklaverei nicht ausgestorben, er hat nur modernere Formen angenommen. Und er macht vor allem junge Frauen und Mädchen zu Opfern. Die US-amerikanische Fotografin Matilde Simas hat betroffene Mädchen in den Schutzräumen einer Hilfsorganisation am Flughafen von Manila erlebt, wo sie auf dem Weg nach Saudi-Arabien abgefangen werden - manche nicht älter als neun Jahre. Weltweit werden, so schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), 40 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen ausgebeutet.
Sauberes Wasser, Stopp des Klimawandels, Erhalt der Biodiversität und der Wälder, nachhaltige Produktion, Vorzug erneuerbarer Energien – einige der "Nachhaltigen Entwicklungsziele" der Vereinten Nationen, die unsere Welt bis 2030 zu einer besseren machen sollen, hat die italienische Fotografin Roselena Ramistella in ihren Inszenierungen mit Kindern frei umgesetzt.
In der "Heiligen Woche" werden viele sizilianische Städte zum Schauplatz schwermütiger, mitunter gar gespenstisch anmutender Prozessionen, bei denen auch Kinder eine Rolle spielen, immerhin als Engel. Der italienische Fotograf Daniele Vita, dessen Vater einst als 15-Jähriger mit seiner Familie aus dem armen Süden des Landes emigrierte, ist über viele Jahre hinweg immer wieder nach Sizilien gereist – nicht zuletzt, um seinen Vater zu verstehen und den Bruch in der Biografie von Migranten.