Ukraine: Kindheit zwischen den Fronten

Nach vier Jahren Konflikt leben noch immer mehr als 400.000 Kinder in der Ukraine direkt an der Frontlinie und versuchen, ein normales Leben zu führen. Der psychologische Tribut der Kämpfe ist verheerend.

Einschusslöcher in Schulfenstern, gefährliche Fahrten mit dem Schulbus, Luftschutzbunker im Keller und Blindgänger im Schulhof sind im Osten der Ukraine an der Tagesordnung.
Die Kinder leben täglich unter großer psychischer Belastung. Wie Masha, deren Schule und gesamte Heimatstadt beschossen und zerstört wurde.
Schlafstörungen durch Bombardements erleben die Kinder regelmäßig. Dennoch versuchen sie, sich noch ein Stück Kindheit zu bewahren.
Der zehnjährige Artyom lebt mit seiner Familie in Mayorsk, einer Stadt, die mitten auf der Konfrontationslinie liegt. Er liebt Fußball, wie viele andere Kinder in seinem Alter - doch schränken Granatsplitter in seinem Rücken seinen Alltag ein.
Auch das Wissen darüber, dass Schulgebäude und -busse zwischen den Fronten liegen, ist ein enormer Stressfaktor für die Kinder und Jugendlichen.
Diana (14) muss jeden Tag um 5:30 Uhr aufstehen, um den Schulbus zu erreichen. Mit ihm fährt sie zwei Stunden in eine Schule, die sicherer ist als ihre alte. Freunde dürfen sie nicht besuchen, da es zu gefährlich ist. Gepackte Taschen stehen bereit, um jederzeit die Flucht ergreifen zu können.
Die 16-jährige Sonya lebt mit ihren beiden Geschwistern ebenfalls in Mayorsk. Früher spielte sie mit ihren Freunden oft im Wald.
Doch das ist nicht mehr möglich. "Wir haben einen Fußballplatz, auf dem wir noch spielen dürfen. Aber woanders können wir nicht hin, da alles vermint ist."
Für Dima gehören Bombardements zum Alltag. Obwohl er sich daran "gewöhnt" hat, wacht er nachts oft schreiend auf.
Im Frühjahr 2014 geriet Dima in ein Kreuzfeuer, als er gerade Gras für seine Hasen sammelte. Sein Vater konnte ihn letztlich retten, indem er sich mit einer weißen Fahne in das Gefecht wagte.
Edik (13) verlässt kaum noch das Haus, um mit Freunden zu spielen. Meistens hilft er seinen Eltern beim Putzen oder Wasser holen.
Sein Schulweg ist beschwerlich und gefährlich. Einmal konnte sein Schulbus einem Granatwerfer im letzten Moment noch ausweichen.
Die neunjährige Sasha lebt beinahe schon die Hälfte ihrer Kindheit im Kriegsgebiet. Das Haus ihrer Eltern blieb bisher von Bomben verschont.