Zeigt her eure Füße!

Barfuß – das klingt romantisch, aufregend und auch ein bisschen nach Urlaub. Für viele Kinder bedeutet es jedoch etwas ganz anderes: Entbehrung, Verzweiflung, Kälte und vor allem Verletzlichkeit. In vielen Regionen dieser Erde bekommen Kinder nicht den Schutz, der ihnen zusteht. Ihr Recht auf Spiel und Freizeit, auf Bildung und auf Gesundheit versumpft nur allzu oft im Matsch, versackt im Schnee, wird überdeckt von Staub oder verschwindet unter Geröll oder gar in Schutt und Asche.

Um das eigene Leben zu retten, müssen weltweit viele Kinder mit ihren Familien fliehen. In der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel herrscht ein immer wieder aufflammender Bürgerkrieg. Die Familien, die vertrieben werden, verlieren oftmals ihre gesamte Lebensgrundlage - Nahrung, Kleidung und die Sicherheit eines eigenen Heims. Provisorische Schühchen aus Plastiktüten und Schnüren können die verletzlichen Kinderfüße auf der Flucht kaum schützen.
Kalte Füße: Der syrische Bürgerkrieg bedeutet für Kinder und ihre Familien mittlerweile acht Jahre voller Entbehrungen und fehlender Kindheit. Vor allem in den Wintermonaten fehlt es den Mädchen und Jungen, die zwischen den Zeltplanen der vielen Flüchtlingscamps in der Region leben, an Wasser, Essen, Medikamenten und warmer Kleidung. Kinder haben jederzeit das Recht auf Schutz, auch im Krieg und auf der Flucht.
Zeit zum Spielen, zum Träumen und zum Lernen sollte jedes Kind haben. Auf dem Boden der Tatsachen sieht es aber anders aus. Statt Spielzeug gibt es Waffen; statt auf Schulbänken zu sitzen, müssen Mädchen und Jungen auf Feldern oder in Fabriken arbeiten. Hier in Deutschland kann man es sich nur schwer vorstellen, aber eine sorglose Kindheit mit Freizeit und Träumen ist für viele Kinder Luxus.
Schwere Arbeiten in Staub und Schlamm, zwischen giftigen Abgasen auf Müllhalden, ohne Pausen in Textilfabriken, ohne Freizeit oder Perspektiven. Und alles, um die Familie und die Geschwister zu unterstützen. Kinderarbeit gibt es, wie hier im Irak, in vielen strukturschwachen Ländern. Kein Kind sollte als Arbeitskraft missbraucht werden, sondern die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen und zu lernen.
Schwere Stürme, Tsunamis, Überschwemmungen und Dürreperioden: Die Folgen des Klimawandels nehmen das sichere Zuhause, zerstören Nahrungsmittel und Trinkwasserquellen und gefährden damit das Leben vieler Kinder.
In vielen sogenannten Entwicklungsländern sind die Kinder kaum geschützt, die Erwachsenen nicht vorbereitet auf zerstörerische Stürme, Erdbeben, Tsunamis. Nach solch einer Katastrophe fehlen nicht nur Trinkwasser, Nahrung und Medikamente, sondern oftmals auch Freunde, Familienmitglieder und ein sicherer Zufluchtsort.
Das Geburtsland, die Religion, die ethnische Gruppe, das Geschlecht, die Hautfarbe oder eine Behinderung fesseln Kinder weltweit nur allzu häufig an ein Los der Chancenlosigkeit. Wortwörtlich gefesselt an ihre geistige Behinderung ist das Mädchen aus Myanmar in einem Flüchtlingscamp in Thailand, das auf dem Foto oben zu sehen ist. Um ihre Tochter vor sexuellem Missbrauch und Entführung zu bewahren, sehen die Eltern nach eigenen Angaben keinen anderen Weg, als das Mädchen festzubinden.
Auf der Neugeborenen-Station in einem Krankenhaus in Afghanistan haben die Babys bereits ihr Los gezogen: Ihre Daten werden direkt nach der Geburt auf ein Kärtchen geschrieben, das an Hand oder Fuß gebunden wird. Das Geburtsland ist viel zu oft entscheidend für das Überleben von Kindern. Weltweit sterben nach wie vor alarmierend viele Babys aus meist vermeidbaren Gründen – vor allem in den ärmsten Ländern.
Kriege und Konflikte werden meist von Hunger und Krankheit begleitet. Um die Verbreitung von Krankheiten wie Cholera oder Ebola zu vermeiden, stehen Gesundheitshelfern Kindern weltweit zur Seite. Hier desinfiziert ein Gesundheitshelfer im Südsudan die Füße eines Mädchens, um die Ausbreitung von Cholera zu verhindern.
In der Demokratischen Republik Kongo wird ein Baby auf HIV getestet. Dafür wird etwas Blut aus dem Fuß entnommen und in ein Labor zur Auswertung geschickt. Viel zu viele Kinder sterben täglich an Krankheiten. Mit ausreichender medizinischer Ausstattung und ausgebildetem medizinischen Personal wäre das vermeidbar.