COVID-19 im Bürgerkriegsland Jemen

Seit 2015 herrscht Krieg im Jemen. Mehr als zwölf Millionen Kinder sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Coronavirus trifft hier auf ein Gesundheitssystem, das schon längst in Trümmern liegt.

Die zehnjährige Muna ist eines von 1,7 Millionen vertriebenen Kindern, das im eigenen Land auf der Flucht ist. Die Lage im Jemen gilt als größte humanitäre Krise der Welt. Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war die Situation fatal - die Eindämmung des Virus ist eine enorme zusätzliche Belastung. Die so dringend benötigte Unterstützung für Gesundheit und Bildung ist bisher nur zu 22 Prozent finanziert.
Bis Anfang Oktober 2020 gab es im Jemen 2.041 bestätigte Coronafälle und 591 Todesfälle. Muna beispielsweise lebt mit ihrer Familie in dem Flüchtlingscamp Al Sha’ab in Aden, im Süden des Jemen. Durch andauernde Kämpfe musste sie ihr Zuhause in Taiz verlassen.
Muna geht jeden Tag mit ihrer Schulfreundin zum Hauptwassertank des Camps. Dort holt sie sauberes Wasser zum Waschen und Kochen für die ganze Familie. Auf dem Weg dorthin machen die beiden einen Zwischenstop bei den zentralen Badezimmern. Die Wasserversorgung, Latrinen und Hygienesets stellt UNICEF gemeinsam mit Partnern zur Verfügung.
Die Bewohner des Camps versuchen die Badezimmer so sauber wie möglich zu halten, um das Risiko für COVID-19 zu reduzieren. Muna versucht auch, das Wasser möglichst dann zu holen, wenn wenig Leute an der Wasserstelle sind. Dadurch begegnet sie weniger Menschen und reduziert die Ansteckungsgefahr.
Doch die Situation im Bürgerkiegsland spitzt sich zu. In Teilen des Jemen wurden die höchsten Raten von akuter Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren jemals verzeichnet.
Die Restriktionen der Regierung zur Bekämpfung von COVID-19 treffen auch die Hilfsorganisationen: Beschaffung und Verteilung von Hilfsgütern sind massiv eingeschränkt. Dennoch versucht UNICEF kontinuierlich mit seinen Partnern die Versorgung im Land aufrechtzuerhalten, damit durch den Krieg geschwächte und vertriebene Familien in der Lage sind, sich so gut wie möglich gegen das Coronavirus zu schützen.
Doch die Situation ist alarmierend: Social Distancing und Einhaltung aller Hygienemaßnahmen sind in den Flüchtlingscamps nur sehr schwierig umsetzbar. Jahrelange Nahrungsmittelknappheit, Cholera und Gewalteskalationen haben Millionen Kinder und Familien geschwächt.