COVID-19 im Bürgerkriegsland Jemen

Seit 2015 herrscht Krieg im Jemen. Mehr als zwölf Millionen Kinder sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Jetzt bricht das Coronavirus über ein Gesundheitssystem herein, das schon längst in Trümmern liegt.

Die zehnjährige Muna ist eine von 1,7 Millionen Vertriebenen, die in ihrem eigenen Land auf der Flucht sind. Die Lage im Jemen gilt als größte humanitäre Krise der Welt. Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war die Situation fatal - die Eindämmung des Virus ist eine enorme zusätzliche Belastung. Der Statusbericht von UNICEF im März zeigt: Nur 33 Prozent der benötigten Gelder für den Jemen stehen 2020 bisher zur Verfügung.
Im März gibt es noch keine bestätigten Fälle, doch UNICEF startet Kampagnen, um das Land auf die Pandemie vorzubereiten. Muna beispielsweise lebt mit ihrer Familie in dem Flüchtlingscamp Al Sha’ab in Aden, im Süden des Jemen. Durch andauernde Kämpfe musste sie ihr Zuhause in Taiz verlassen. Ihre Schule im Camp ist geschlossen, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern.
Muna geht jeden Tag mit ihrer Schulfreundin zum Hauptwassertank des Camps. Dort holt sie sauberes Wasser zum Waschen und Kochen für die ganze Familie. Auf dem Weg dorthin machen die beiden einen Zwischenstop bei den zentralen Badezimmern. Die Wasserversorgung, Latrinen und Hygienesets stellt UNICEF gemeinsam mit Partnern zur Verfügung.
Die Bewohner des Camps versuchen die Badezimmer so sauber wie möglich zu halten, um das Risiko für COVID-19 zu reduzieren. Muna versucht auch, das Wasser möglichst dann zu holen, wenn wenig Leute an der Wasserstelle sind. Dadurch begegnet sie weniger Menschen und reduziert die Ansteckungsgefahr.
Doch die Situation im Bürgerkiegsland spitzt sich zu. Alarmierend hohe Sterblichkeitsraten im COVID-19-Behandlungszentrum im Südjemen deuten nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf eine größere Katastrophe hin. Das Behandlungszentrum in Aden ist das Einzige im gesamten Südjemen.
Die Restriktionen der Regierung zur Bekämpfung von COVID-19 treffen auch die Hilfsorganisationen: Beschaffung und Verteilung von Hilfsgütern sind massiv eingeschränkt. Dennoch versucht UNICEF kontinuierlich mit seinen Partnern die Versorgung im Land aufrechtzuerhalten, damit durch den Krieg geschwächte und vertriebene Familien in der Lage sind, sich so gut wie möglich gegen das Coronavirus zu schützen.
Doch die Situation ist alarmierend: Social Distancing und Einhaltung aller Hygienemaßnahmen sind in den Flüchtlingscamps nur sehr schwierig umsetzbar. Jahrelange Nahrungsmittelknappheit, Cholera und Gewalteskalationen haben Millionen Kinder und Familien geschwächt. Die Johns Hopkins Universität spricht bisher von über 250 bestätigten Fällen und mehr als 50 Toten.