Lindsey Vonn: Die Aufs und Abs der einstigen Skipisten-Königin

Auf sowie abseits der Piste machte Skirennläuferin Lindsey Vonn stets eine gute Figur. Sie definierte den Begriff Superstar im Skisport neu und kann heute auf eine wahrhaft glorreiche Karriere zurückblicken - Verletzungen, spektakuläre Stürze und private Kapriolen inklusive. Am Ende stehen 82 Weltcup-Siege auf der Vita der einstigen Pisten-Königin, die am 18. Oktober ihren 35. Geburtstag feiert. Ein Rückblick. © spot on news

Früh weiß Lindsey Caroline Kildow – so ihr Mädchenname – was sie will: Skifahren. Mit zwei Jahren hat sie das erste Mal Bretter unter den Füßen. Ihr Vater Alan erkennt das Talent seiner kleinen Tochter und fördert sie. Schon bald stellen sich erste Erfolge ein. 1999 wird die damals 15-Jährige bei den US-Abfahrtsmeisterschaften Zweite, 2000 debütiert sie beim Slalom von Aspen im Weltcup.
Die ersten Weltcuppunkte gewinnt sie am 15. Dezember 2001 mit Platz 26 beim Super-G von Val-d’Isère. Ein Jahr später darf sie zum ersten Mal bei den Olympischen Winterspielen für die USA antreten. Medaillen gibt es am Ende aber keine.
2004 steht die Skirennfahrerin im Weltcup zum allerersten Mal auf dem "Stockerl": Sie rast auf einer der schwersten Abfahrten im alpinen Damensport als drittschnellste ins Ziel. Auf der Tofana-Abfahrt im italienischen Cortina d'Ampezzo muss sie sich nur der Französin Carole Montillet und der Österreicherin Renate Goetschl geschlagen geben.
Im kanadischen Lake Louise ergattert sie 2004 ihren ersten Weltcupsieg. Kildow schiebt sich in der Abfahrt vor Carole Montillet (Frankreich) und Hilde Gerg (Deutschland). Danach peilt sie die erste olympische Medaille an. Aber bei Olympia in Turin 2006 soll es anders kommen.
Noch vor den ersten Wettbewerben platzt ihr Traum: Im Training stürzt Kildow. Sie wird mit dem Hubschrauber in ein Turiner Krankenhaus geflogen. Da sie unter starken Schmerzen dennoch im Super-G (7. Platz) und in der Abfahrt (8. Platz) antritt, bekommt sie den "U.S. Olympic Spirit Award".
2007 startet die Speed-Spezialistin dann richtig durch – auch privat. Im September geben sich Kildow und Skifahrer Thomas Vonn das Jawort. Die Ehe zerbricht zwar 2011, unter dem Nachnamen ihres Ex-Mannes wird sie aber fortan Geschichte schreiben.
Obwohl Vonn eigentlich Speed-Spezialistin (Abfahrt und Super-G) ist, holt sie in der Saison 2008/09 im finnischen Levi ihren ersten Weltcup-Sieg im Slalom. Gemeinsam mit Maria Riesch jubelt Vonn im Zieleinlauf (Bild). Spätestens jetzt hat das Ski-Ass bewiesen, dass auch in den technischen Disziplinen mit ihm zu rechnen ist. In der selben Saison ergattert sie zweimal WM-Gold in Val-d'Isère.
Spätestens bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver wird jedem Alpin-Fan klar: Lindsey Vonn ist Weltspitze. Die aus Minnesota stammende Amerikanerin ist in der Abfahrt nicht zu schlagen und holt Gold vor Teamkollegin Julia Mancuso. Bronze im Super-G setzt dem Ganzen die olympische Krone auf.
Für ihren olympischen Erfolg nimmt Vonn so manche Verletzung in Kauf. Beim Riesenslalom bricht sie sich bei einem Sturz den Finger. Davor prellte sie sich beim Slalomtraining das Schienbein.
Aufhalten lässt sie sich deswegen nicht. Die Saison 2009/10 beendet Vonn zum dritten Mal in Folge mit dem Gesamtweltcup-Sieg. Dazu kommen die kleinen Kristallkugeln in der Abfahrt, im Super-G und erstmals in der Kombination. Vier Gesamtsiege in einer Saison - das schaffte vor ihr niemand.
In den Folgejahren liefert Vonn sich mit der Deutschen Maria Riesch (später Höfl-Riesch) ein ständiges Duell. In Lake Louise muss sie ihrer Kontrahentin in der Abfahrt nach fünf siegreichen Jahren in Folge gleich zweimal den Vortritt lassen - genauso wie am Saisonende im Gesamtweltcup.
Neben der Konkurrenz verbindet die beiden Spitzensportlerinnen auch eine innige Freundschaft. Eine sprachliche Hürde gibt es nicht, da Vonn dank der langen Aufenthalte in Österreich und den mehrheitlich österreichischen Betreuern fließend Deutsch spricht.
Nachdem die Ehe mit Thomas Vonn zerbricht, stehen beide im Jahr 2013 vor dem Scheidungsrichter. Kurze Zeit später hat Vonn wieder einen Mann an ihrer Seite und der gehört zur Sport-Elite schlechthin: Profi-Golfer Tiger Woods. Mit ihm bildet Vonn DAS Traumpaar der Sportwelt.
Die Liebe währt jedoch nicht ewig. 2015 trennt sich das Glamour-Paar. Im Interview mit der "New York Times" erklärt die US-Amerikanerin später den Grund für das Liebes-Aus: "Es war nicht die klügste Entscheidung von mir, direkt nach der Scheidung eine neue Beziehung einzugehen." Das sei zu schnell gewesen
Mit ihrem Super-G-Sieg in Cortina d’Ampezzo 2015 feiert sie ihren 63. Weltcup-Erfolg – damit ist sie offiziell die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten.
Ans Aufhören denkt die US-Amerikanerin mit 33 übrigens noch nicht. Als sie Elisabeth Görgl (Österreich) als älteste Abfahrtssiegerin im Weltcup ablöst, sagt sie im ORF: "Super-cool, das ist der größte Sieg für mich. Ich bin alt, aber immer noch schnell."
Ebenso souverän bewegt sich Vonn auf dem roten Teppich. 2017 erscheint sie zusammen mit ihrem neuen Freund, dem NFL-Trainer Kenan Smith, bei der Veranstaltung NBCUniversal Upfront in New York City. Die Beziehung sollte allerdings nur ein Jahr dauern und im November 2018 enden.
Apropos Ende: Bei ihren fünften Olympischen Spielen in Pyeongchang holt das Ausnahme-Talent noch einmal Edelmetall: Bronze in der Abfahrt. Und dann ist Schluss – endgültig.
2018/19 startet Vonn in ihre letzte Saison. Via Facebook gibt die Amerikanerin ihr Karriereende bekannt - Schlusspunkt ist die WM in Are. Hier stürzt sie im Super-G, wird bei ihrer letzten Abfahrt aber noch einmal Dritte. Der Abschluss einer bemerkenswerten Karriere. Nun hat das Privatleben Vorrang.
Im April 2018 kommen erstmals Gerüchte um eine neue Liebe Vonns auf. Der Glückliche: Eishockey-Profi P. K. Subban. Und tatsächlich, im August 2019 verlobt sich das Paar. Passend zu Vonns Lieblingsfarbe Grün, entscheidet sich der Sportler für einen funkelnden Smaragdring.