Sabine Lisicki wird 30: Wo sie nach einer sportlich und privaten Achterbahnfahrt heute steht

Herzlichen Glückwunsch, Sabine Lisicki! Die Tennisspielerin feiert am 22. September ihren 30. Geburtstag und kann heute auf eine Sportkarriere zurückblicken, die von zahlreichen Erfolgen, aber auch so mancher Niederlage geprägt wurde. © spot on news

Das Talent hat Sabine Lisicki von ihrem Vater Richard geerbt. Der war als Tennistrainer tätig und führte die gebürtige Troisdorferin (Nordrhein-Westfalen) mit sieben Jahren an den Schläger heran.
Schon kurz darauf folgten für Lisicki erste Wettkämpfe. So gewann sie 2004 als 15-Jährige beim WTA-Turnier in Berlin unter anderem gegen Cara Black aus Simbabwe, die stolze 163 Wochen an der Spitze der Doppelweltrangliste stand. Doch Lisicki hatte schon von Anfang an immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen…
Wegen eines Ermüdungsbruchs im Fuß musste Bum-Bum-Bine, ihr Spitzname wegen ihrer harten Grundlinienschläge, 2005 für geraume Zeit aussetzen.
Doch sie kämpfte sich zurück, gewann 2007 auf der unterklassigen ITF-Turnier die Turniere auf der britischen Ärmelkanalinsel Jersey und in Toronto ihre ersten Titel. Ein Jahr später etablierte sie sich in der WTA-Tour: Sie meisterte die Qualifikation bei den Australien Open. Nach Siegen über die an 16 gesetzte Dinara Safina (Russland) und die Ukrainerin Marija Korytzewa musste sie sich in der dritten Runde der damals 17-jährigen Caroline Wozniacki (Dänemark) geschlagen geben.
Dennoch ging es weiter bergauf. Sie arbeitete sich in der Weltrangliste auf Platz 23 hoch (2009) und zog sich ein Jahr später eine schwere Verletzung am Sprunggelenk zu. Die Folge: eine monatelange Pause. Das darauffolgende Jahr begann für Lisicki zunächst etwas stockend. Doch ihr nächster Triumph sollte schon bald folgen.
2011 schaffte sie es ins Halbfinale des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon. Auf den Weg dorthin besiegte Lisicki die Lettin Anastasija Sevastova mit 6:1, 6:1 und die Weltranglistenvierte Li Na, die zuvor als erste Asiatin in Paris triumphiert hatte, in der zweiten Runde mit 3:6, 6:4, 8:6 aus dem Turnier. Den Pokal gewann sie aber nicht. Im Halbfinale musste sie sich der Russin Marija Scharapowa geschlagen geben.
Auf Gras fühlt sich Lisicki am wohlsten - und das trotz Gras-Allergie. 2013 kam es zu Lisickis Karriere-Höhepunkt: Sie stand als erste Deutsche nach Steffi Graf im Wimbledon-Finale – ein großer Erfolg. Doch das Glücksgefühl blieb nur von kurzer Dauer. Am Ende musste sie sich der Französin Marion Bartoli (1:6, 4:6) unter Weinkrämpfen geschlagen geben.
Doch trotz ihrer Niederlage konnte sich die Tennisspielerin über einen zweiten Platz und über zahlreiche neue Fans freuen, die sie beim Einzug ins Wimbledon-Finale auf ihre Seite zog. Darunter Pop-Sänger Olly Murs, der Lisicki via Social Media vor dem Finale mit diesen Worten anfeuerte: "Ich LIEBE Lisicki!"
Auch Boris Becker outete sich nach ihrer sportlichen Höchstleistung als großer Fan. "Sabine Lisicki rockt!", hieß es von dem einstigen Tennisprofi und Wimbledon-Sieger via Twitter.
Eine Karriere voller Höhen und Tiefen erlebte Lisicki bis zu diesem Zeitpunkt. Zwischenzeitlich kletterte sie auf Platz 12 der Weltrangliste. Doch das Wimbledon-Finale markierte einen Wendepunkt im Leben der gebürtigen Troisdorferin. Mit ihren Trainern wollte es nicht so recht klappen: Lisicki trennte sich im Mai 2016 von ihrem Trainer Christopher Kas und nur drei Monate später von dessen Nachfolger Salvador Navarro. Auch privat erlebte Lisicki eine Achterbahnfahrt.
In Sachen Liebe und Privatleben gab Sabine Lisicki nur wenig Preis. Dies änderte sich jedoch, als sie im Jahr 2013 mit dem Comedian Oliver Pocher zusammenkam. Immer wieder sah man das Paar gemeinsam auf dem roten Teppich. Im März 2016 wurde jedoch bekannt: Die beiden haben sich getrennt.
Grund für ihr Beziehungs-Aus seien die langanhaltenden Gerüchte um eine vermeintliche Affäre Pochers gewesen. Lisicki sei nach der Trennung sehr erleichtert gewesen. Dass sie zuvor noch für geraume Zeit zu ihrem Partner hielt, rechtfertigte sie so: "Ich konnte ja nicht ahnen, dass mein Vertrauen missbraucht wird."
Auch Oliver Pocher schoss nach dem unschönen Beziehungsende immer wieder gegen seine Ex. So kommentierte er einen Twitter-Post von ihr, bei dem sie bekannt gab einen neuen Trainer zu engagieren, mit fiesen Hashtags wie #SchuldSindNichtImmerDieAnderen.
Seit Mai 2016 entfernte sich die Tennisspielerin immer weiter von den Top 50 der Weltrangliste. Statt auf den großen Plätzen aufzuschlagen, erlebte sie ihren Sport mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch ihre Turnier-Prämien sanken immer weiter.
Im Jahr 2018 erspielte sie lediglich ein Preisgeld von etwa 60.000 Dollar – zu wenig, um davon die Reisen, Hotels, Trainer und Physiotherapeuten zu finanzieren. "Ich mache jeden Monat Minus", gibt Sabine Lisicki in der "Berliner Zeitung" selbst zu.
Zusätzliche Probleme bereitet ihr ihr Körper. So hatte sie mit Problemen an ihrem Knie und zahlreichen entzündeten Sehnen in ihrer lädierten Schulter zu kämpfen. An Tennis war über längere Zeit nicht zu denken. Nach der Verletzungspause von rund drei Monaten scheiterte Lisicki Ende Juni 2019 in der Qualifikationsrunde von Wimbledon gegen Lesley Kerkhove (Niederlande).
Ihren Ehrgeiz hat sie trotz ihrer Krise keineswegs verloren. Immerhin gehört sie zu den Spielerinnen mit dem härtesten Service. Lisicki hält den Weltrekord für den schnellsten Aufschlag im Damentennis. Beim Turnier in Stanford, in der Erstrundenpartie gegen Ana Ivanović, schlug Lisicki am 29. Juli 2014 mit 211 km/h auf. Ihr derzeitiges Ziel: Wieder in die Top 50 kommen.
Doch der Weg zurück in die Weltspitze ist schwer. In der Weltrangliste muss man lange nach ihr suchen: Ihr Name findet sich am 16. September 2019 auf Rang 290.
Nun hat Sabine Lisicki die 30 erreicht. Schafft sie mit ihrem lädierten Körper nochmal den Sprung in die Top 50?