Der Davis Cup wurde komplett reformiert und soll dem Tennis zu einem neuen Hype verhelfen. Deutschland dürfte aufgrund der Absage von Alexander Zverev allerdings eine schwere Aufgabe bevorstehen.

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Der Davis Cup steht für viele große Momente der Tennis-Geschichte. Im Jahre 1993 führte Michael Stich die deutsche Auswahl zum bislang letzten Gewinn des Mannschaftswettbewerbs. 1988 und 1989 gelang selbiges mit Boris Becker und Carl-Uwe Steeb. Damals befand sich der Tennis-Boom auf dem Höhepunkt – lang ist's her.

Ein komplett anderes Format soll dem Davis Cup und somit auch dem Tennis zu einem neuen Hype verhelfen. Wurde der Davis Cup bis zum vergangenen Jahr noch zwischen Februar und November in vier Runden ausgespielt, gibt es nun ein einwöchiges Turnier. Das startet am Montag, 18. November und endet am Sonntag. Wir erklären, was es mit dem neuen Format auf sich hat.

Welche Nationen dürfen am Davis Cup teilnehmen?

18 Nationen nehmen am Davis Cup teil. Automatisch qualifiziert waren die vier Halbfinalisten des Vorjahres (Kroatien, Frankreich, Spanien, USA). Zwei weitere Plätze wurden per Wildcard vergeben. Die restlichen Mannschaften mussten sich im Februar über die Playoffs qualifizieren. Deutschland setzte sich gegen Ungarn durch.

Wie läuft das Turnier nun ab?

Der Davis Cup ist nun ein einwöchiges Turnier und beginnt mit einer Gruppenphase. Es gibt sechs Gruppen mit jeweils drei Mannschaften. Deutschland befindet sich gemeinsam mit Argentinien und Chile in der Gruppe C.

Somit sind innerhalb der eigenen Gruppe jeweils zwei Begegnungen zu bestreiten. Pro Begegnung werden drei Partien gespielt: zwei Einzel und ein abschließendes Doppel (jeweils über zwei Gewinnsätze).

Die sechs Gruppensieger und die beiden besten Gruppenzweiten ziehen ins Viertelfinale ein. Ab dieser Runde wird im K.-o.-Modus gespielt. Das sind die Gruppen:

GruppeNationen
AFrankreich, Serbien, Japan
BKroatien, Spanien, Russland
CArgentinien, Deutschland, Chile
DBelgien, Australien, Kolumbien
EGroßbritannien, Kasachstan, Niederlande
FUSA, Italien, Kanada

Warum gibt es überhaupt ein neues Format?

Die Davis-Cup-Reform wurde durch das Unternehmen Kosmos angestoßen. Dessen Gründer ist der spanische Fußballstar Gerard Piqué vom FC Barcelona, ein Teilhaber der japanische Internet-Milliardär Hiroshi Mikitani.

Das entscheidende Kriterium für die Vergabe: das Geld. Kosmos zahlt der Internationalen Tennisvereinigung ITF für die Ausrichtung in den kommenden 25 Jahren laut Medienberichten zwischen 2,6 und drei Milliarden Euro. "Wir werden den Davis Cup auf ein neues Niveau heben", versprach Piqué damals.

Nun muss er den Worten Taten folgen lassen.

Wo finden die Spiele statt?

Der Davis Cup wird im spanischen Madrid im La Caja Magica ausgetragen. Dort gibt es drei überdachte Stadien. Der Centre Court bietet mehr als 12.000 Zuschauern Platz.

Wo und wann werden die Spiele übertragen?

Der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN überträgt die Spiele live aus Madrid. Am Montag beginnt die Übertragung um 18 Uhr mit den Duellen zwischen Kroatien und Russland sowie Italien und Kanada. Zudem gibt es eine Konferenz.

Deutschland startet am Mittwoch um elf Uhr in das Turnier. Donnerstag startet zur selben Zeit das Duell mit Chile.

Wie stehen Deutschlands Chancen?

Deutschland zählt nicht unbedingt zum Favoritenkreis. Der beste deutsche Tennisspieler Alexander Zverev kündigte bereits im Februar an, dass er an dem neuen Davis-Cup-Format nicht teilnehmen werde. "Ich bin 100 Prozent dagegen. Ein schlechteres System könnte man sich eigentlich nicht ausdenken. Auch der Termin ist katastrophal", kritisierte Zverev.

Der höchstplatzierte Spieler der deutschen Auswahl ist somit Jan-Lennard Struff, der auf Position 35 der Weltrangliste steht. Ebenfalls zum deutschen Team zählen Philipp Kohlschreiber (Nr. 79 der Welt), Dominik Koepfer (Nr. 94) sowie das Doppel Kevin Krawietz und Andreas Mies. Immerhin: Das deutsche Doppel hat mit dem French-Open-Sieg im Juni bewiesen, Weltspitze zu sein.

Der deutsche Teamchef Michael Kohlmann äußert sich gegenüber tennisnet.com positiv über sein Team: "Struffi ist ein absoluter Führungsspieler, aber das gilt natürlich auch für Philipp Kohlschreiber. Die beiden sind in den vergangenen Jahren fast immer dabei gewesen, auf Jan-Lennard und Philipp konnte ich mich immer hundertprozentig verlassen. Sie sind jetzt dafür verantwortlich, die drei Neuen mitzuziehen. Und ich bin davon überzeugt, dass sie das sehr gut machen werden."

Kohlmann glaubt daher an ein erfolgreiches Abschneiden: "Ganz generell bin ich sehr zuversichtlich, dass wir unsere Gruppe überstehen werden."

Wer sind die Favoriten?

Der Davis Cup ist stark besetzt. Sechs Spieler aus den Top-10 schlagen in Madrid auf. Dazu zählen unter anderem der spanische Weltranglisten-Erste Rafael Nadal, der serbische Superstar Novak Djokovic und der britische Topstar Andy Murray.

Bei den Wettanbietern gilt meist Spanien als der Top-Favorit. Auch Frankreich, Russland und Serbien werden zum Kreis der Titelanwärter gezählt. Titelverteidiger Kroatien gilt lediglich als chancenreicher Außenseiter – ähnlich wie Deutschland.

Verwendete Quellen:

  • tennisnet.com: Michael Kohlmann - "Struffi und Kohli werden die Neuen mitziehen"
  • dpa: Neue Zeitrechnung im Davis Cup: Mammut-Endrunde mit 18 Teams

Alexander Zverev beschimpft während seines Ausscheidens bei den US Open einen Zuschauer

Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev kommt bei den US Open in New York erstmals ins Achtelfinale, darüber aber nicht hinaus. Im Duell mit dem Argentinier Diego Schwartzman enttäuscht Zverev sich und die Zuschauer und schimpft sich aus dem Turnier. © DAZN