Angelique Kerber konnte die Hoffnungen im Fed Cup nicht erfüllen. Im Halbfinale gegen Tschechien verlor die ehemalige Nummer eins der Welt auch ihr zweites Einzel. Der ersehnte erste Final-Einzug seit vier Jahren blieb in weiter Ferne.

Nach dem bitteren Halbfinal-Aus im Fed Cup schüttelte Angelique Kerber frustriert den Kopf, auch die aufmunternden Worte von Teamchef Jens Gerlach konnten sie nicht trösten. Die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt blieb am Sonntag in Stuttgart beim 2:6, 2:6 gegen Petra Kvitova völlig chancenlos.

Damit konnte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin die von Julia Görges begonnene Aufholjagd nicht fortsetzen, das Aus der deutschen Top-Besetzung gegen die Weltklasse-Rivalinnen war bereits vor dem abschließenden Doppel besiegelt. Der ersehnte erste Finaleinzug nach dem verlorenen Finale von Prag vor vier Jahren blieb in weiter Ferne.

Görges-Sieg reicht nicht

Anders als Görges beim beeindruckenden 6:4, 6:2 gegen Karolina Pliskova erreichte Kerber bei weitem nicht ihre Topform und musste nach 58 einseitigen Minuten ihrer Kontrahentin zum Sieg gratulieren. Als die Tschechinnen über den roten Sand tanzten und hüpften, war die Kielerin niedergeschlagen bereits vom Center Court gestürmt.

Wie im Endspiel 2014 mussten die Deutschen eine empfindliche Niederlage gegen die Tschechinnen einstecken. Die Hoffnung auf die Wende nach den beiden Zweisatz-Pleiten von Kerber und Görges am Samstag war ebenso wie die Chance zum Heim-Finale dahin.

Noch nie hatte eine deutsche Damen-Auswahl einen solchen Rückstand wettgemacht - und dabei blieb es. Die Sehnsucht nach dem dritten Titel nach 1987 und 1992 bleibt auch in diesem Jahr unerfüllt. Die Tschechinnen, die zwischen 2014 und 2016 jeweils den Titel holten, treffen am 10./11. November auf Frankreich oder die USA.

Gegen die zweimalige Wimbledonsiegerin Kvitova lag Kerber schnell deutlich zurück. Die tschechischen Fans, die zuvor bei Görges verstummt waren, wurden zunehmend lauter. Die 30-Jährige trat insgesamt zu passiv auf, leistete sich in wichtigen Momenten Doppelfehler und wehrte sich viel zu wenig. Es war ein insgesamt ernüchternder Auftritt von Kerber, ohne Mumm und Mut.

Kerber zu passiv

Die noch immer "gefühlte deutsche Nummer eins" (Damen-Verantwortliche Barbara Rittner) wird Fragen aufkommen lassen müssen, was ihr auch nach dem Trainerwechsel zum Belgier Wim Fissette zu der Siegermentalität von 2016 fehlt. Schon am Samstag hatten ihren traurigen Augen an die bitteren Momente des vergangenen Jahres erinnert.

Und auch bei ihrem Lieblingsturnier in Stuttgart in der kommenden Woche droht ihr ein frühes Aus: Schon in der ersten Runde wartet auf die Stuttgart-Siegerin von 2015 und 2016 erneut Kvitova. In der Verfassung vom Sonntag eine nahezu aussichtslose Aufgabe.

Im Fed Cup scheiterte die oft gerühmte Generation um Kerber zwar gegen den Seriensieger und zwei Top-Ten-Spielerinnen, ließ aber eine aussichtsreiche Chance vor eigenem Publikum liegen. Görges' starker Auftritt am Sonntag war am Ende wertlos: Kurze Ballwechsel und direkte Gewinnschläge prägten ihre Partie gegen ihre ehemalige Doppelpartnerin Pliskova, die 2017 kurzzeitig Nummer eins war.

"Ich glaube, dass ich sie ein bisschen überrascht habe, mit dem wie ich gespielt habe", sagte Görges, die sich von der Fed-Cup-Atmosphäre mitreißen lassen hatte. "Es geht nur so, dass man die Leute mitnimmt und über seine Grenzen hinausgeht und sich von einer Wolke tragen lässt." Kerber gelang das zu keiner Zeit.  © dpa