Olympia 2018: Wo sind eigentlich die Fans in Pyeongchang?

Die Ränge sind leer, viele Sportler sind enttäuscht. Gleichzeitig sollen die Ticketverkäufe aber gut sein. Diese Differenz ist zumindest zum Teil erklärbar. Und zur Not ist da ja noch eine wilde Fangruppe.

Was ist nur los auf den Rängen bei Olympia 2018? Viele Wettbewerbe werden kaum besucht, die Ränge blieben allzu oft leer. Gerade ...
... bei den alpinen Wettbewerben hält sich das Zuschauerinteresse wahrlich in Grenzen. So ...
... holte Aksel Lund Svindal seinen Olympiasieg in der Abfahrt vor 2.000 Zuschauern: "Es ist komisch: Das sind die Olympischen Spiele und es sind so wenige Zuschauer da. Das ist ein bisschen traurig", sagte er. "Wenn wir dieses Rennen in Österreich, der Schweiz, Italien, Norwegen oder Schweden gehabt hätten, es wären 50.000 Leute da gewesen. In den USA vermutlich auch", erklärte er. "Aber in diesen Ländern würde auch keiner Shorttrack anschauen. Hier ist es voll. Olympia ist größer als alpines Skifahren. Und wenn das hier einfach nicht die große Nummer ist, dann ist das Pech für uns."
Der österreichische Kombi-Olympiasieger Marcel Hirscher hat da weniger Verständnis: "Im Nachhinein wird mir bewusst, was es für ein Privileg war, eine Heim-WM in Schladming zu haben, vor 40.000 Zuschauern zu gewinnen", sagte er der "Kleinen Zeitung". "Dagegen war es hier ernüchternd, in einem leeren Ziel zu stehen, keine Zuschauer bei der Siegerehrung zu haben. Man steht in einem Rahmen, den man so nicht kennt."
... Frauen war nicht mehr los. Andererseits: Die Wettbewerbe fanden vor Ort spätabends statt und es war eisig kalt. Es liegt die Vermutung nahe, dass die gute Sendezeit in Europa am Mittag wichtiger war, als die Verträglichkeit für die Zuschauer in Pyeongchang. IOC-Eventchef ...
... Kit McConnell wies das von sich und sagte: "Die Athleten sind am wichtigsten." Ob Skisprung-Olympiasieger Andreas Wellinger das so empfindet? Bei der Blumezeremonie waren nur noch 100 Zuschauer dabei. "Also die, die da immer noch stehen, da muss ich sagen: Respekt!" Dann ergänzt er: "Noch lieber wäre es mir natürlich gewesen, wir wären in München gestanden und hätten das feiern dürfen." Doch Wellingers bayerische Heimat war mit der Bewerbung für 2018 gescheitert. Vier Jahre später stimmten dann die Bürger gegen eine erneute Bewerbung.
Ist die Kritik am fehlenden Interesse der Fans also unberechtigt? Biathlon-Bundestrainer Gerald Hönig findet nicht: "Ich will nicht das Wort Trauerspiel in den Mund nehmen", sagte er zwar am Dienstag, einen Tag nach Dahlmeiers Gold im Verfolgungsrennen. Genau dieses Wort hatte er aber am Samstag nach ihrem ersten Sieg noch verwendet. Dahlmeier ...
... ist da entspannter: "Für ein olympisches Rennen erwartet man schon mehr Zuschauer, aber letztlich muss der Athlet selber laufen". Während bei den Weltcups in Antholz, Ruhpolding oder Oberhof täglich Zehntausende Fans dabei sind, war es in Pyeongchang nur ein Bruchteil - doch das hat zumindest für Dahlmeier auch etwas Positives: "Am Ende ist es mir aber eigentlich lieber so, als wenn da 50.000 Leute schreien und da Vollgas geben."
Auch Erik Lesser sieht die zwei Seiten der Medaille: "An die Heim-Weltcups kommt die Stimmung nicht ran, das steht mal fest. Aber wir müssen es nehmen, wie es ist", sagte er unserer Redaktion. "Es hat aber auch seine Vorteile, nach dem Rennen ungehindert auf der Strecke auszulaufen oder an der Tribüne ohne Geschrei Richtung Kabine zu laufen."
Olympiasieger Arnd Peiffer kritisiert nicht das geringe Interesse an der Strecke, sondern das große Ganze. Er fordert Olympia wieder kleiner zu halten, "die Umwelt nicht ganz zu zerstören und es weniger pompös zu gestalten". Im Zuge der Globalisierung müsse aber wohl immer alles wachsen. "Mehr Zuschauer, mehr Fernsehgeld - dem kann man wahrscheinlich nicht richtig entfliehen." Die Biathlon-Wettbewerbe finden wie die Skisprung-Entscheidungen zur besten europäischen Sendezeit statt, also spätabends in Pyeongchang.
Übrigens sind nicht alle Wettbewerbe schlecht besucht. Die koreanischen Fans interessieren sich vor allem für die Wettbewerbe in den Eishallen an der Küste von Gangneung, vorrangig für Shorttrack und Eiskunstlauf. Das sind die Lieblings-Wintersportarten dort - und nicht Ski Alpin, Skispringen oder Biathlon. Angeblich ...
... sind auch die Ticket-Verkaufszahlen völlig im Rahmen. Laut dem Organisationskomitee sind bereits 934.000 Eintrittskarten verkauft, das sind 87 Prozent der Gesamtmenge. Die Zielmarke liegt bei 90 Prozent. Ob die Zahlen auch stimmen, fragte Anfang der Woche die "Süddeutsche Zeitung" - und zitierte mit einem ironischen Unterton einen Satz des OK-Sprechers Sung Baik-you: "Wenn Plätze im Fernsehen als leer wahrgenommen werden, bedeutet das nicht, dass die Zuschauer nicht da gewesen sind."
Beim Halfpipe-Finale bei den Männern war ebenfalls richtig viel los. Fast alle Plätze auf der Tribüne waren belegt, zuvor standen Tausende in langen Schlangen am Einlass - alles um den Snowboard-Superstar Shaun White bei seinem dritten Olympia-Triumph zu sehen.
Und zur Not gibt es ja auch noch die nordkoreanischen Fans, die ...
... völlig durchchoreografiert ihre ganz eigene Methode haben, Stimmung zu machen - egal ob andere Zuschauer um sie herum sind ...
... oder nicht. "Spiegel Online"-Sportredakteur Peter Ahrens, der vor Ort ist, schreibt dazu mit einem Augenzwinkern auf Twitter: "Ich glaube, Nordkorea wurde nur eingeladen, damit auf den Tribünen überhaupt irgendwas los ist." (mit Material der dpa)
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