Bei Olympia 2014 in Sotschi steht nicht nur der Sport im Vordergrund. Auch die kuriosen Geschichten abseits der Bob-Bahnen und Skipisten bleiben im Gedächtnis hängen. Warum die Letzte im Riesenslalom fast so gefeiert wird wie die Erste und was Wladimir Putins Lieblingsplüschtier ist - in unserem Tagebuch lesen Sie die etwas anderen Meldungen rund um die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Samstag, 22.02.2014

Und alle heulen: Das olympische Eishockey-Finale zwischen Kanada und Schweden leiten am Sonntag sechs Schieds- und Linienrichter. Fünf der Unparteiischen kommen aus: Kanada. In Skandinavien haben die Ansetzungen bereits für Verwunderung gesorgt. Schwedens Abwehrstar Erik Karlsson bleibt aber ganz cool: "Das interessiert mich nicht im geringsten."

Weniger cool geht es bei der österreichischen Skirennfahrerin Kathrin Zettel zu. Sie war am Samstag immer noch nicht so recht über ihren Bronzegewinn im Slalom hinweg. Viele Tränen flossen bei der 27-Jährigen. 2006 in Turin und 2010 in Vancouver war sie jeweils Vierte in der Kombination geworden. Nach der Fahrt von Maria Höfl-Riesch stand die Medaille fest. "Es war so zäh! Ich habe bei Marias Fahrt nur noch gehofft, dass sie bitte ein bisschen langsamer ist! Als sie dann hinter mir war, das ist unbeschreiblich, was da von mir abgefallen ist. Ich habe geschrien, ich bin in die Knie gegangen. Es war ein Wahnsinn", sagte Zettel. Dass sie viele Tränen vergoss, hatte auch andere, weniger schöne Gründe. "Die Woche war irrsinnig hart und auch mit Trauer verbunden." Die Omi starb vor wenigen Tagen.

Freitag, 21.02.2014

Auf nichts kann man sich verlassen! Die Story mit dem Wolf auf dem Hotelflur - unsere absolute Lieblingsgeschichte bei Olympia 2014 - ist ein Fake. US-Showmaster Jimmy Kimmel hat sich da zusammen mit Rodlerin Kate Hansen einen Scherz erlaubt. Gut, man kann uns jetzt Leichtgläubigkeit vorwerfen und eine eher geringe Wolf-Kenntnis (die sollen ja doch äußerst scheu sein), aber zu unserer Verteidigung: Sogar die Sicherheitskräfte in Sotschi sind darauf reingefallen. Und nachdem wir schon im Vorfeld der Olympischen Spiele mit Bildern von apfelsaftgelbem Wasser und an Decken installierten Heizkörpern in Sotschis Hotelzimmern unterhalten wurden, schien ein Wolf auf dem Hotelflur auch gar nicht mehr so abwegig.

Aber wir sind ja durchaus bereit, einen Fehler einzugestehen. Allerdings machen wir uns etwas Sorgen um Kate Hansen. Sollte sie noch einmal einen Wolf sehen, wir glauben ihr nicht mehr.

Donnerstag, 20.02.2014

Das Maskottchen des ZDF für Olympia 2014 in Sotschi heißt Wotschi und ist ein kleiner, flauschiger Wolf. 300 Exemplare des niedlichen Plüschtiers haben die Moderatoren mit nach Russland genommen, um ihre prominenten Studiogäste damit zu beglücken. Während sich der kleine Kerl großer Beliebtheit erfreut, sorgt sein großer Bruder für allerlei Aufregung im Olympischen Dorf.

Dorthin nämlich verirrte sich ein Exemplar aus Fleisch und Blut. Unbeobachtet blieb der Wolf bei seinem Ausflug natürlich nicht. Als Rodlerin Kate Hansen ihre Zimmertür öffnete, erspähte sie das Tier. Statt schreiend davon zu laufen, zückte die Amerikanerin die Kamera und machte Beweisaufnahmen. "Wolf auf meinem Flur?!?" teilte sie - noch etwas ungläubig - wenig später via Twitter mit.

Angesichts massiver Sicherheitsvorkehrungen fragen wir uns: Wie kam der Wolf überhaupt in das Hotel? Vielleicht hat ihn ja Gus Kenworthy hinein geschmuggelt. Der amerikanische Silbermedaillengewinner im Slopestyle adoptierte schon vier streunende Welpen. Womöglich wollte er auch einen russischen Wolf mit nach Hause in die USA nehmen.

Mittwoch, 19.02.2014

Gleich zum Auftakt der Winterspiele gewinnt Biathlet Dominik Landertinger Silber im Sprintrennen. Feiern kann er mit einem ganz besonderem Menschen: seinem Zimmerkollegen Daniel Mesotitsch. Seit fast zwei Wochen bilden die beiden Österreicher nun schon eine olympische Wohngemeinschaft und haben dabei ein ganz besonderes Verhältnis zueinander entwickelt.

"Wir sind wie ein altes Ehepaar, wir verstehen uns blind und Sex haben wir auch keinen", schrieb Landertinger auf seiner Facebook-Seite. Dazu postete er die passenden Fotos, die das harmonische Duo einträchtig nebeneinander beim Lesen auf den Betten und auf dem sonnigen Balkon zeigen.

Hach, bei so viel Eintracht wird uns ganz warm ums Herz!

Dienstag, 18.02.2014

Der Riesenslalom der Frauen: Eine nur 1,60 Meter große Frau steht am Start. Dann geht es los: Die Dame bummelt die Piste hinunter. Schon bei der ersten Zwischenzeit hat sie 7,73 Sekunden Rückstand auf die Führende. Welten, Lichtjahre liegen zwischen der Weltspitze und der Pistenschnecke. Nach zwei Durchgängen sind es sogar satte 50,1 Sekunden Rückstand auf Tina Maze, die Olympiasiegerin im Riesenslalom.

Die zierliche Frau ist Star-Geigerin Vanessa Mae. Sie tritt für Thailand unter dem Nachnamen ihres Vaters, Vanakorn, an. Im Riesenslalom ist sie so etwas wie der Hamburger SV von Olympia: chancenlos und abgeschlagen. Der einzige Unterschied: Der HSV liegt derzeit (noch) auf dem vorletzten Platz in der Bundesligatabelle. Mae alias Vanakorn wird mit Rang 67 Letzte.

Es sind die Geschichten, die Olympia schreibt. Eine komplett chancenlose Prominente nimmt frei nach dem olympischen Motto "Dabei sein ist alles" teil. Und die Zuschauer bejubeln sie bei der Zieleinfahrt. Sie pusten in ihre Tröten und drehen ihre Ratschen, dass alles nur so dröhnt und knattert. Die 67. des Gesamt-Klassements bekommt fast genau so viel Applaus wie die Siegerin Maze. In Hamburg zerkratzen HSV-Fans den Spielern die Autos. Verkehrte Welt.

Dabei ruckelt Mae die Piste im Vergleich zu ihren - nennen wir sie: Konkurrentinnen - ungrazil herunter. Zu den meisten Fahnen hält sie einen Respektabstand von zwei, drei Metern. Später gibt Mae zu: "Ich bin fast dreimal gestürzt. Zwischendurch wusste ich fast gar nicht, wo ich lang fahren soll." Egal! Auch solche Geschichten wollen die Menschen bei Olympia sehen. Besonders, weil ein Weltstar wie Vanessa Mae dadurch menschelt.

Montag, 17.02.2014

Wenn die Olympischen Spiele rufen, lassen sich Prominente nicht lange bitten. Bei den Sommerspielen in London war die Promidichte 2012 so groß, dass die VIP-Tribünen fast aus allen Nähten platzten. Die Queen höchstpersönlich verlieh den Wettkämpfen einen royalen Glanz. Auch Bill Gates, David Beckham, Mick Jagger, Paul McCartney und die britischen Prinzen William und Harry sorgten für Überstunden unter den Paparazzi.

In Sotschi können die Fotografen es hingegen ganz ruhig angehen lassen. Die VIPs scheinen die Winterspiele in Russland zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Einzig Wladimir Putin ist Dauergast bei den Wettkämpfen. Ob beim Eiskunstlauf-Gold des russischen Teams oder beim Eishockey-Kracher der "Sbornaja" gegen die USA, Putin ist allgegenwärtig. Russlands Präsident genießt seine Spiele und kümmert sich liebevoll um seine Gäste. Mit IOC-Chef Thomas Bach traf er sich auf einen Plausch im Strand-Café und mit dem niederländischen Königs-Paar Willem-Alexander und Maxima stieß er mit einem Pils auf die Erfolge des "Oranje"-Teams im Eisschnelllauf an.

Wenigstens auf die royalen Gäste ist bei Olympia also Verlass. König Carl-Gustav und Königin Silvia aus Schweden fungierten als Glücksbringer für die Langlaufstaffeln. Silvias Enthusiasmus beim Wedeln mit der Landesfahne übertrug sich regelrecht auf die schwedischen Athleten. Zweimaliges Olympiagold war der Lohn.

Deutschland schickte zwar keinen König nach Sotschi, dafür aber seinen Fußball-Kaiser. Franz Beckenbauer zeigte von Anfang an seine Qualitäten als Talisman. Sowohl beim Rodel-Gold von Felix Loch als auch beim Olympiasieg von Maria Höfl-Riesch war die Fußball-Ikone anwesend. Vor allem die deutsche Skifahrerin ist von Beckenbauers Fähigkeiten äußerst angetan. "Er hat einen guten Job gemacht. Leider ist er schon auf dem Heimweg. Aber auch wenn er von zu Hause die Daumen drückt, bringt es hoffentlich Glück."

Sonntag, 16.02.2014

Olympia sitzt auf dem Trockenen, und das ausgerechnet in der Heimat des Wodka. Es ist freilich mehr als bitter für die Beteiligten: In Russland herrscht Alkoholverbot in Stadien. Allen. An die Gesetze müsse sich jeder halten, "auch wir", betont der Präsident des Organisationskomitees SOCOC, Dmitri Tschernyschenko. Außerdem gebe es ja außerhalb der Anlagen genügend Orte für jeden, der Alkohol trinken wolle. Saufende also bitte draußen bleiben.

Auch wenn es an Schnaps fehlt: Um ihre Verpflegung brauchen sich Besucher dennoch nicht zu sorgen. Seit Sowjetzeiten gilt nämlich im olympischen Gastgeberland Kaviar praktisch als Grundnahrungsmittel. Besonders beliebt sind die Fischeier bei aufgeregten Prüflingen - als Nervennahrung. Genießer streichen den Ikra (russisch für "Eier") auf ein Stück Weißbrot mit Butter. Doch hier schließt sich der Teufelskreis: Dazu gibt es oft eiskalten Wodka. Außer bei Olympia.

Samstag, 15.02.2014

Laut der dpa herrscht derzeit schiere Panik im US-Team. Die Eisschnellläufer können in Sotschi bislang nicht überzeugen. Das hat anscheinend aber weniger mit sportlichem Können zu tun, sondern mit ihren Laufanzügen. Am Samstag bleiben jedenfalls die extra für Olympia angefertigten Modelle im Schrank - stattdessen kramen die Skater ihre Outfits aus der Weltcup-Saison hervor.

"Wir haben keine harten Fakten, dass es wirklich an den neuen Anzügen liegt", sagt US-Coach Matthew Kooreman. "Aber wir müssen alles versuchen, um die Stimmung zu verbessern. Jetzt ist es an uns, die Blockade im Kopf einiger Sportler zu lösen." Einige Athleten sollen sich eine Rückkehr zu den Weltcup-Modellen gewünscht haben.

Wir drücken die Daumen, dass der Anzugwechsel den erwarteten Erfolg bringt.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Eine Tennislegende als Vertreterin bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi? Das passt auf den ersten Blick nicht so recht zusammen. Auf den zweiten schon: US-Präsident Barack Obama pfeift auf die Einstellung von Wladimir Putin und sendet ein eindeutiges Zeichen gegen dessen Anti-Homosexuellen-Gesetz. Er schickt nämlich nicht irgendeine Tennislegende nach Russland, sondern die offen lesbische Billie Jean King. Als Mitglied der US-Delegation wird sie an der Olympia-Schlussfeier am 23.Februar teilnehmen.

King reist neben Vize-Außenminister William J. Burns und den früheren Eisschnellläufern Bonnie Blair und Eric Heiden zu den Olympischen Winterspielen. An einem persönlichen Empfang wird Putin nicht vorbeikommen. Ein cleverer Schachzug also von Barack Obama, der um die Argusaugen weiß, die Putins Auftritte verfolgen. Ob Russlands Präsident Lust auf neue Negativschlagzeilen hat, darf bezweifelt werden.

Freitag, 14.02.2014

Die Russen und ihr roter Stern. Auch gut 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion ist das Machtsymbol von einst nicht wegzudenken aus dem Alltag. Auf Russisch ist Stern weiblich: Das Wort "Swesda" steht dabei - wie im Deutschen - auch für Prominente, die sich gern als Star sehen.

Krasnaja Swesda - der rote Stern - prangt heute noch an vielen öffentlichen Gebäuden und war als solcher in der Eröffnungsshow der Olympischen Winterspiele in Sotschi zu sehen. Rote Sterne leuchten an den Spitztürmen des Kreml in Moskau. Zwar gab es schon Vorschläge, sie durch den zweiköpfigen Adler im Staatswappen zu ersetzen. Doch weil der rote Stern auch ein Markenzeichen der größten Stadt Europas ist, mag sich am Ende doch keiner davon trennen. Der rote Stern ist auch ein beliebtes Souvenir.

Das russische Militär, das bei den Olympischen Winterspielen mit 60 Sportlern vertreten ist, führte den roten sowjetischen Stern sogar wieder an seinen Flugzeugen ein - statt der Staatsflagge. Es gibt einen Fernsehsender in Russland, der Swesda heißt und ebenfalls das rote Symbol trägt - und vor allem Militärisches bringt.

Bei Olympia in Sotschi ist der rote Stern allerdings fast gar nicht zu sehen, von seinem Einsatz bei der Eröffnungsfeier mal abgesehen. Die Sportstars und -sternchen dominieren. Auffällig aber, dass sich immer wieder die Vertreter der ehemaligen Sowjetrepubliken besonders zujubeln.

Donnerstag, 13.02.2014

Es hat große Augen, riesige Ohren und ist aus russischen Kinderzimmern nicht wegzudenken: das Plüschtier Tscheburaschka. Im Jahr 1966 von dem Schriftsteller und Humoristen Eduard Uspenski ins Leben gerufen, dient das Fabelwesen mit dem Zottelfell als offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Der Name stammt vom russischen Wort "tscheburachnutsja", was auf Deutsch "fallen" bedeutet. Deshalb ist das possierliche Tierchen hierzulande als "Plumps" bekannt. Der Ursprungsgeschichte aus der Feder Uspenskis zufolge findet ein Händler Tscheburaschka in einer Obstkiste aus den Tropen. Da es die tollpatschige Angewohnheit hat, beim Sitzen ständig umzufallen, ist der Name selbsterklärend. Wo das entfernt an Micky Maus erinnernde Tierchen wohnt? Richtig: in einer Telefonzelle. Der örtliche Zoo verweigert nämlich die Aufnahme des armen Wesens. Die besten Freunde Tscheburaschkas sind Gena, ein musizierendes Krokodil mit kleinem Hut, das Großmütterchen Chapeau-Claque und selbstverständlich Russlands Präsident und Olympia-Edelfan Wladimir Putin.

Der schillernde Gottvater der Olympischen Spiele stellt bei jeder Gelegenheit dar, wie stolz er auf seinen Coup ist, Olympia in die Ferienstadt am Schwarzen Meer geholt zu haben. Dabei ist ihm jedes Mittel recht - auch das plüschige Maskottchen. Dass Putin ein Herz für Kinderhelden hat, zeigt er immer wieder. Bereits im Jahr 2002 forderte er eine Wiederbelebung der russischen Trickfilmindustrie, als er seinem damaligen Kulturminister Michail Schwydkoi sein Leid klagte: "Unsere Trickfilme waren immer auf einem hohen Niveau, aber nur ein Bruchteil der in russischen Kinos gezeigten Filme stammt aus russischer Produktion."

Mittwoch, 12.02.2014

Jetzt wird rumgezickt! "Dschungelcamp", "Bachelor", "Germany's next Topmodel" und Co.: Ihr könnt einpacken. Nun schießt Tatjana Hüfner, Olympia-Zweite im Rodeln, gegen die Olympiasiegerin Natalie Geisenberger. Hüfner übernimmt dabei den Part der Oberzicke. "Natalie bekommt deutlich mehr Unterstützung", beschwert sich Hüfner über ihre Gegnerin und den deutschen Verband und legt nach: "Es wurde mir persönlich schwer gemacht und mir wurden viele Steine in den Weg gelegt." Sie spiele sogar mit dem Gedanken, ihre Karriere zu beenden. Tatjana Hüfner, der lebende Beweis, dass eine Spitzensportlerin im Rodelkanal gleichzeitig eiskalt und heißblütig sein kann. Eine explosive Mischung.

Geisenberger spielt das Unschuldslamm: "Da kann ich nicht viel dazu sagen." Schade, damit wäre der Mini-Streit auch schon vom Tisch. Es ist bereits der zweite Krach, der öffentlich ausgetragen wurde, nach dem Mini-Bash zwischen Anni Friesinger-Postma und Claudia Pechstein. Doch für Fans der gepflegten Trash-Unterhaltung gibt Michael Vesper, der deutsche Chef de Mission, Entwarnung. Es werde nicht der letzte Streit bei Olympia sein: "Themen gibt es immer, sonst wäre es langweilig."

Stichwort Langeweile. Was machen Olympioniken, wenn sie nicht gerade im Training oder im Wettkampf sind? Sie sitzen im Hotel, langweilen sich und haben deswegen zweimal am Tag Sex. Das ist offenbar die Meinung der Organisatoren der Winterspiele in Sotschi. Sie verteilten rund 100.000 Kondome an die insgesamt 2.800 Athleten. Das sind für jeden Teilnehmer zwei Präservative pro Tag. Also nix mit Ausruhen im Hotel. Auch hier werden die Athleten zu sportlichen Höchstleistungen angespornt. Viel Spaß dabei!

Dienstag, 11.02.2014

Haben Sie sich auch gefragt, weshalb bei der Eröffnungsfeier drei Athleten nicht hinter einer Landesflagge, sondern hinter dem Banner mit den olympischen Ringen ins Stadion einmarschierten? Worum es dabei ging, war schnell geklärt. Die Sportler kommen aus Indien. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die Asiaten abgestraft, da sich die Politik viel zu sehr in den Sport eingemischt hatte. Jetzt ist aber wieder alles in Butter. Die Inder tauschten umstrittene Funktionäre aus, das IOC hob die Suspendierung des indischen Olympiakomitees auf und die drei Athleten können endlich wieder unter ihrer eigenen, grün-weiß-safrangelben Landesflagge antreten.

Ein Scharmützel viel persönlicheren Ausmaßes liefern sich unterdessen die beiden Eisschnelllauf-Zicken Anni Friesinger-Postma und Claudia Pechstein. Friesinger hat zwar ihre erfolgreiche Karriere längst beendet, das hält sie aber nicht davon ab, die Geschehnisse im deutschen Verband und insbesondere Claudia Pechstein zu kritisieren.

Ihre ehemalige Erzrivalin bekommt dabei das Gröbste ab: "All jene, die nicht die Meinung von Claudia und ihrem Lebensgefährten teilen, haben schnell ein Problem." Claudia Pechsteins Freund Matthias Große sorgt schon lange für Unmut. Die Umgangsmethoden des ehemaligen NVA-Soldaten, Kloputzers und Türstehers sind in der Eisschnelllauf-Szene äußerst umstritten. Ungeliebte Journalisten soll Große per Telefon bedroht haben, sogar Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages soll er einzuschüchtern versucht haben. Nun wurde Große als Betreuer in Sotschi offiziell akkreditiert.

Für Anni Friesinger-Postma ist Große aber nicht das einzige Problem. Sie sorgt sich geradezu rührend um den Kufen-Nachwuchs, der von der dominanten Art Pechsteins an die Seite gedrängt werde. Es bestehe die große Gefahr, "dass junge und sensible Talente wie eine Stephanie Beckert eben an dieser forschen Art zerbrechen". Dass der Nachwuchs sportlich anscheinend nicht in der Lage ist, eine 41-Jährige zu verdrängen, übersieht sie dabei geflissentlich.

Und wie reagiert die Angegriffene selbst auf die harsche Kritik? Sie nennt ihre Lieblingsfeindin im Interview mit der "Bunten" "respektlos". Ihr Verhältnis beschreibt Pechstein so: "Wenn Blicke töten könnten, wäre ich nicht mehr unter den Lebenden." Insgesamt wolle sie sich aber auf das Sportliche bei Olympia konzentrieren.

Ist die Auseinandersetzung damit erst einmal erledigt? Nein, das glauben wir auch nicht ...

Montag, 10.02.2014

Felix Loch sitzt auf seinem Rennrodler. Er fuchtelt mit den Armen, schreit aus vollem Hals. Sein Schlitten schlingert. Doch kein Problem für Felix. Er hätte in voller Fahrt ein Rad schlagen oder einen Kopfstand machen können. Denn Felix ist der Chuck Norris der Olympischen Spiele in Sotschi. "Felix kann einfach alles", sprudelt es aus Norbert Loch nach dem Gold-Ritt heraus. Und der ist Papa und Bundestrainer von Felix. Der muss es ja wissen.

Schön, dass wir einen deutschen Olympioniken haben, der einfach alles kann. Felix könnte ausbügeln, was die bisherigen deutschen Medaillenhoffnungen nicht geschafft haben. Im Skispringen gab es bisher noch keine Medaille. Hier könnten wir "Flying Felix" einsetzen. Auch die deutschen Biathletinnen blieben hinter ihren Erwartungen zurück. Das wäre ein Job für "Female Felix". Mit Felix würden wir die Spitze des Medaillenspiegels erklimmen. Wenn wir seinem Vater Glauben schenken.

Jedoch hat "Fabulous Felix" wie jeder Superheld einen Makel. Nur eine klitzekleine Schwäche. Superman macht Kryptonit zu schaffen. Felix' erbittertster Feind ist das Bügeleisen. Damit kann er laut seiner Freundin gar nicht umgehen. Nur gut, dass der Bügelwettbewerb kein Bestandteil der Olympischen Winterspiele in Sotschi ist.

Sonntag, 09.02.2014

Jetzt kommt Olympia 2014 in Sotschi langsam in Schwung! Für unser persönliches Highlight an diesem schönen Sonntag sorgte die Mutter des Österreichers Matthias Mayer. Also erstens war die gute Frau nach der Abfahrt-Goldmedaille ihres Jungen dermaßen überfordert, dass sie ihrem Sohnemann überhaupt nicht gratulieren konnte. Vielleicht hat sie den Matthias aber auch einfach nicht erkannt vor lauter Tränen in den Augen. So viel Mutterliebe, das ist doch schön! Noch schöner ist allerdings Mutter Mayers Reaktion im ORF, als alle Tränen getrocknet waren: "Jetzt habe ich einen Abfahrts-Olympiasieger daheim, was soll ich mit dem machen?"

Die Frage aller Fragen wird hier gestellt. Was macht man denn, wenn der Bub auf einmal so erfolgreich ist, dass er plötzlich Ansprüche stellen könnte. "Mama, machst du mir ein Schnitzel?" - "Jetzt nicht." - "Aber ich hab eine Goldmedaille gewonnen!" So oder so ähnlich stellen wir uns künftige Konversationen im Hause Mayer vor. Das wird sicher hart für die arme Frau.

Mitleid haben wir trotzdem keins. Das haben wir nämlich schon für den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes aufgebraucht. Der arme Alfons Hörmann war nämlich mehrere Minuten in einer Seilbahn gefangen. Mehrere Minuten! Womöglich noch mit fremden Menschen! Wir wollen gar nicht wissen, was sich in diesen Minuten in dieser Seilbahn abgespielt hat. Naja, ein bisschen interessieren würde es uns schon, aber wir werden es nie erfahren. Die Beteiligten haben sicher einen Eid geschworen, mit keiner Menschenseele darüber zu reden. Und das ist vermutlich auch besser so.

Samstag, 08.02.2014

Haben Sie dieses Feuerwerk gesehen? So viel Glitzer, so viele Knaller. Wir sehen immer noch Sternchen. Die Eröffnungsfeier für Olympia 2014 war gigantisch, aber wir haben den letzten großen Wow-Effekt vermisst. Da sind wir übrigens nicht die Einzigen. Denn Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew hat die Eröffnungsfeier anscheinend verschlafen. Zumindest sieht es in einem Video, dass derzeit im Internet kursiert, ganz danach aus. Mit geschlossenen Augen und dem Kinn auf der Brust im Fisht-Stadion sitzen, das muss man erst einmal bringen. Aber wer weiß, vielleicht hat Medwedew auch nur ganz intensiv nachgedacht. Ab sofort sind jedenfalls die Sportler dafür zuständig, dass es nicht mehr zu solchen Sekundenschläfchen kommt: Sie müssen uns (und den russischen Regierungschef natürlich) in Atem halten.

Und man kann sagen, die Athleten geben sich alle Mühe. Für ein erstes großes Was-für-ein-starker-Mann-Wow hat US-Bobfahrer Johnny Quinn gesorgt. Der war nämlich nach einer Dusche plötzlich in seinem Bad eingesperrt. Das passiert in Sotschi anscheinend schnell mal. Wie es auch schnell mal passiert, dass pipigelbes Wasser aus dem Hahn kommt oder eine halbe Toilette installiert wird. Aber die russischen Ingenieure oder Architekten - oder wer auch immer für derartig böse Konstruktionen verantwortlich ist -, haben die Rechnung ohne Johnny Quinn gemacht. Der hat früher nämlich American Football gespielt und so eine windige Tür hustet der Mal schnell weg. Nach eigener Aussage hat er sich dafür an sein Bob-Anschieber-Training erinnert. Da hatte die arme Tür natürlich überhaupt keine Chance. Auf Twitter gibt es das Beweisbild. Und wir so ... Wow!

Freitag, 07.02.2014 (der Tag der Eröffnung)

So! Endlich! Heute beginnt Olympia 2014 in Sotschi. Und endlich können wir aufhören, uns vor Aufregung die Fingernägel abzuknabbern. Denn ab 17.00 Uhr startet die Eröffnungszeremonie (LIVE bei uns im Ticker). Dann wird das bestgehütete Geheimnis Russlands gelüftet - dann wissen wir endlich, wer das Olympische Feuer entzünden darf. Warum wir was so aufregend finden? Nun ja, weil wir die Vermutung haben, dass es gigantisch werden könnte. Ein wildes Gerücht hält sich nämlich hartnäckig in den wilden russischen Medien: Das Feuer soll aus dem All entzündet werden. Dort kennt sich die Flamme ja aus, immerhin war sie schon auf der ISS.

Trotzdem haben wir keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Wird Felix Baumgartner aus einer Kapsel springen oder macht es Wladimir Putin gleich selbst - in der einen Hand die Fackel, in der anderen eine antike Vase? Wie hält die Flamme das aus? Was passiert, wenn das Ganze nicht funktioniert? Fällt Olympia dann aus? Fragen über Fragen, nur eines wollen wir nicht wissen: Wie viel der ganze Spaß kostet. Aber bei 30 Milliarden Euro, die die Spiele ohnehin verschlingen sollen, ist so ein kleines All-Spektakel wohl auch nur ein Tröpfchen auf dem glühend heißen Stein.

Während wir uns noch über derartige Belanglosigkeiten den Kopf zerbrechen, rollt Putins PR-Maschine fröhlich weiter. Nun wurde ein besonderer Geniestreich bekannt. Die Mädchenband "Tatu" wird bei der Eröffnungszeremonie auftreten. Sie wissen schon, das sind die beiden Sängerinnen, die sich in ihrem Video zu "All the things she said" küssten und damit im Jahr 2002 einen mittelschweren Skandal in Russland auslösten.

Und uns wird förmlich ins Gesicht geschrien: Schaut her, so homophob ist Russland doch gar nicht! Wir lassen sogar Sängerinnen auftreten, die sich einmal geküsst haben. Blöd nur, dass ein einziger Auftritt das rückwärtsgewandte Homosexuellen-Gesetz noch lange nicht rückgängig macht. Lesbisch sind die beiden Sängerinnen nach eigener Aussage nicht - und wenn sie es wären, dürften sie es wohl nicht öffentlich zugeben.

Der Produzent der Eröffnungsshow Konstantin Ernst weist übrigens jeden Zusammenhang zwischen der Kritik an dem Gesetz und dem Engagement der Sängerinnen zurück. Die Band "Tatu" sei ausgewählt worden, weil sie als eine der wenigen in Russland international bekannt sei. Ja ne, is klar.

Donnerstag, 06.02.2014 (noch einmal schlafen)

Skandal bei Olympia 2014 in Sotschi! Und was für einer. Russland traut sich doch tatsächlich, eine Joghurt-Lieferung für die Athleten der USA zu blockieren. 5.000 kleinere Portionen Fruchtjoghurt sowie größere Behälter Naturjoghurt lagern derzeit in einem Kühler am Flughafen in Newark, New Jersey. Ach was, lagern! Sie sind gefangen, die armen Joghurts. Denn die Russen wollen das Hygiene-Zertifikat nicht annehmen. Dabei weiß doch jeder, dass "Chobani (der Joghurt-Hersteller, Anm. d. Red.) lecker, nahrhaft und sicher ist", wie es ein US-Senator in einem offenen Brief an den russischen Botschafter in Washington schreibt.

Wir sind gespannt, wann die ersten Sportmediziner hinzugezogen werden, um den unschätzbaren Wert von Joghurt für den Sportlerkörper zu bestätigen. Vielleicht gibt es ja auch einen Russland-Experten, der uns erklärt, was die Russen eigentlich gegen Joghurt haben. Auch Norwegens Ski-Star Aksel Lund Svindal war schon vergeblich auf der Suche nach dem leckeren Milchprodukt. "Das brauche ich jeden Morgen: Müsli und naturbelassenen Joghurt, damit ich nicht zu viel Zucker zu mir nehme. Aber das scheint schwer zu finden zu sein", beschreibt Svindal seine traurige und erfolglose Jagd nach dem weißen Gral.

Wie es um die Joghurt-Versorgung im deutschen Lager bestellt ist, wissen wir leider nicht. Beschwert hat sich jedenfalls noch niemand. Wir hoffen, dass zumindest Maria Höfl-Riesch gut genährt in diese Spiele starten wird. Sonst fällt ihr womöglich beim Einlauf der deutschen Delegation noch die Fahne herunter.

Mittwoch, 05.02.2014 (noch zweimal schlafen)

Auch wenn es sich schon so anfühlt: Noch haben die Olympischen Spiele in Sotschi nicht begonnen. Aber langsam wird es ernst. Woran wir das merken? Das olympische Feuer ist in Sotschi eingetroffen. Noch nie war eine Flamme derart lange unterwegs, ganze 65.000 Kilometer. Das wirkt im Nachhinein gar nicht mehr so weit, wenn man bedenkt, dass das Feuer auch schon auf der Raumstation ISS herumgereicht wurde.

Für die letzten Tage planen die Organisatoren für die Fackel noch eine Runde auf dem Riesenrad an der Küste vor Sotschi. Von der ISS ins Riesenrad also. Das klingt ein bisschen wie Champions League und Kreisliga Nord. Aber das ist ja nicht unser Problem.

Unser Problem ist viel eher, dass uns das russische Olympia-Motto etwas verwirrt. "Hot.Cool.Yours.". Also "Heiß.Kalt.Deins". Der Spruch sei schrill und kreativ und drücke in aller Kürze die Vielfalt und den Charakter Russlands aus, meint der Chef des Organisationskomitees, Dmitri Tschernyschenko. Uns erinnert das Motto eher an diese unsägliche Werbekampagne eines großen Online-Auktionshauses. "Drei, zwei, eins ... Meins". Sie wissen schon. Das hilft uns in unserer Verwirrtheit aber auch nicht weiter. Ist Russland jetzt heiß oder kalt oder gar meins oder doch eher unser? Wir hoffen, dass sich dieses Rätsel im Laufe der Spiele klärt.

Dienstag, 04.02.2014 (noch dreimal schlafen)

Wir mussten heute schon ein bisschen lachen. Und dabei haben die Olympischen Spiele in Sotschi noch nicht einmal angefangen. Aber Wladimir Putins Versuch, kurz vor knapp noch einmal Sympathiepunkte einzuheimsen, ist schon ziemlich lustig.

Der Kremlchef hat vor dem Start der Spiele noch schnell vier Leoparden in den Kaukasus entsendet, damit die dort einst ausgestorbenen Tiere wieder heimisch werden mögen. Ein hehres Ziel. Das wollen wir auch gar nicht bestreiten, wenn wir dann aber hören, dass die Winterspiele mit 37,5 Milliarden Euro die teuersten Spiele in der Geschichte sind, fragen wir uns schon, wie viele Leoparden man mit diesem Geld noch hätte retten können. Aber dazu darf sich jeder seinen Teil denken.

Übrigens sind auch die ersten Bilder der Proben für die Eröffnungszeremonie "geleakt", wie man das ja heutzutage nennt. Akrobatisch wird es und lang. Wahnsinnig lang. Was uns nicht davon abhalten wird, das Ganze live im Ticker am Freitag ab 16:00 Uhr zu verfolgen. Die Zeremonie steht unter dem Motto "Viele Menschen - eine Nation" und präsentiert Russlands Wandlung vom Zarenreich zu einem modernen Vielvölkerstaat. Nur falls Sie das noch nicht wussten.

Spannend wird auch, wer die olympische Flamme anzünden wird. Wir vermuten ja, Putin macht es selbst, auf einem Bären reitend. (ska/am/men/akb/ank/dpa)