US-Golfer Bryson DeChambeau startete nach der Corona-Pause in unglaublicher Form wieder in die PGA-Tour. Die aktuelle Nummer sieben der Weltrangliste hat unter anderem mit der Rocket Mortgage Classic schon ein Turnier nach dem Lockdown gewonnen. Und er sieht nun völlig anders aus.

Eine Analyse
von Constantin Eckner

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Golf gehörte lange Zeit zu den Sportarten, in denen Athletik nur eine nebensächliche Rolle spielte. Besondere Figuren wie der Zigarre rauchende Spanier Miguel Ángel Jiménez gehörten zur Spitze.

Und keiner nahm daran Anstoß. Schlussendlich waren eine grundsätzliche Kraft beim Abschlag und ein feines Gefühl am Loch die entscheidenden Attribute für Hobby- wie auch Weltklassegolfer.

Allerdings scheinen diese Zeiten bald vorbei zu sein. Bryson DeChambeau, der bereits vor der Corona-bedingten Pause zur absoluten Weltspitze gehörte, könnte für eine Revolution im Golfsport sorgen. DeChambeau trägt aufgrund seiner Tüfteleien und teils unorthodoxen Ansätze den Spitznamen "Mad Scientist", zu Deutsch "verrückter Wissenschaftler".

Er nutzte die freie Zeit, um zehn Kilogramm Muskelmasse zuzulegen. Aus dem groß gewachsenen, aber drahtigen DeChambeau wurde ein 110-Kilo-Mann. Seine Oberarme ähneln jenen eines Kraftsportlers. "Mein endgültiges Ziel ist es, so stark wie nur möglich zu werden. Was das in Gewicht bedeutet, weiß ich nicht", sagt DeChambeau.

Bryson DeChambeau und seine Muskeln: 36 Meter weiter am Abschlag

Seine Verwandlung hat sich bereits deutlich auf sein Spiel ausgewirkt. Im Vergleich zu früheren Abschlägen, bei denen der Ball Geschwindigkeiten von 280 km/h erreichte, fliegt der Ball nun bei 320 km/h bis zu 36 Meter weiter.

Solange er seine Präzision nicht verliert, bringen ihn die Längengewinne näher ans Grün. Seine Annäherungsversuche in Richtung Loch werden einfacher und er kann Schläge gegenüber der Konkurrenz gut machen.

Der Sieg bei der Rocket Mortgage Classic Anfang Juli in den USA war der erste Beweis, dass DeChambeau mit seinem Plan richtig liegt. Der "verrückte Wissenschaftler" macht in der Suche nach Perfektion auch vor seinem eigenen Körper nicht halt und wird zum "Golf-Hulk". "Ich achte darauf, dass sich alles proportional entwickelt und einheitlich stärker und schneller wird", erklärt der 26-Jährige.

In früheren Zeiten war es nicht ungewöhnlich, dass stiernackige Golfer großen Erfolg hatten. In Erinnerung blieben Typen wie der Brite Ted Ray, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Erfolge feierte und im Spielfilm "Das größte Spiel seines Lebens" als Nebenfigur porträtiert wurde. In dessen Fußstapfen wird DeChambeau allerdings nicht treten, denn er weiß, dass er bei übertriebener Gewichtszunahme wichtige Hüftflexibilität einbüßen könnte.

Golf-Konkurrenten sind beeindruckt

In diesen Tagen erntet der US-Amerikaner vor allem Bewunderung von den Kollegen. "Er hat am Loch elf seinen Ball in den Wind geschlagen. Ich habe meinen Drive wirklich gut getroffen und ihn wahrscheinlich bei Yard 315, 320 abgelegt. Er hat meinen Ball um 40 Yards überboten", sagte etwa Rory McIlroy.

Andere sprechen bereits von einer Revolution des Sports. "Ich denke, wir befinden uns gerade in einer neuen Ära im Golf, wie es gespielt wird", sagte Tour-Veteran Jim Furyk und erklärte weiter: "Es ist ein ziemlicher Vorteil, den Ball so weit schlagen zu können. Ich kann verstehen, weshalb so viele Spieler mehr Distanz wollen, Technologie einsetzen, Monitore verwenden, um mehr Dynamik und Spin zu bekommen und damit Distanz gutzumachen."

DeChambeau ist derweil nicht der einzige, der aufgrund seiner Körperstatur mit langen Abschlägen von sich reden macht. Vor ihm hatte sich beispielsweise der großgewachsene Dustin Johnson als "Longhitter" etabliert. Andere auf der Tour könnten dem Beispiel der beiden folgen und selbst noch häufiger als sonst in den Kraftraum gehen.

Verwendete Quelle:

  • PGA Tour: Players react to DeChambeau’s new look