Tennis, Handball, Leichtathletik - Was verdienen Frauen und Männer?

Rund um die Fußball-WM der Frauen rückt die Bezahlung von Profisportlerinnen wieder in den Fokus: Gleiche Gehälter und Siegprämien für Frauen und Männer? Einige Sportarten gehen hier beispielhaft voran, wohingegen in einer Liga besonders hohe Gegensätze herrschen.

Für Angelique Kerber lohnt es sich zu kämpfen: Denn im Tennis werden bei den vier Grand-Slam-Turnieren die gleichen Preisgelder an Herren und Damen ausgeschüttet, es geht um hohe Summen. In Wimbledon kassieren die Einzel-Sieger im Juli mehr als 2,5 Millionen Euro.
Die finanzielle Gleichberechtigung wurde aber teils kontrovers diskutiert. Auch der serbische Weltranglisten-Erste Novak Djokovic hatte mal öffentlich über eine bessere Entlohnung der Herren nachgedacht, weil die Statistiken zeigten, dass sie mehr Zuschauer anziehen würden.
Wie im Fußball trennen die Geschlechter auch im Handball Welten. Während die männlichen Nationalspieler, wie Kapitän Uwe Gensheimer, sehr gut von ihrem Sport leben können, müssen sich die Frauen ein zweites berufliches Standbein aufbauen.
Auch der DHB vergütet Erfolge unterschiedlich. Wurde bei der Heim-WM der Frauen 2017 für das gesamte Team eine Titelprämie von 120.000 Euro ausgelobt, waren es bei der Endrunde der Männer in diesem Jahr insgesamt 450.000 Euro - fast das Vierfache.
In der olympischen Kernsportart - der Leichtathletik - herrscht Gleichberechtigung. Sowohl bei Weltmeisterschaften als auch in der Premium-Serie Diamond League gibt es bei Frauen und Männern die gleichen Preisgelder.
Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung ist beim Weltverband IBU schon lange üblich. 15.000 Euro gab es bei den Biathleten im vergangenen Winter für jeden Sieg im Weltcup, 25.000 Euro für einen WM-Titel - egal ob für einen Mann oder eine Frau.
In den letzten Jahren sind die Preisgelder merklich gestiegen, im kommenden Winter werden die Biathleten wieder mehr Geld bekommen. Eine unterschiedliche Bezahlung für Männer oder Frauen stand auch bei diesem Entschluss nicht zur Debatte.
Laut Regularien wird im Ski Alpin gleich viel Geld an Frauen und Männer verteilt, pro Rennen werden mindestens 120.000 Schweizer Franken (rund 107.000 Euro) an Preisgeld ausgezahlt. Einzelne Veranstalter wie Kitzbühel (Männer) oder Flachau (Frauen) stocken den Betrag noch auf.
"Ich bin extrem stolz auf meinen Sport, bei dem es keinen Gender Gap gibt", sagt Mikaela Shiffrin. Die Amerikanerin war in den vergangenen Jahren Top-Verdienerin. In der vorigen Saison knackte sie als erstes Ski-Ass bei Frauen oder Männern die Millionen-Marke.
Männer und Frauen reiten in den drei olympischen Disziplinen, Springen, Dressur, Vielseitigkeit, seit vielen Jahrzehnten in denselben Prüfungen gegeneinander. Entsprechend kämpfen sie um dasselbe Preisgeld.
Ausnahme sind einmal im Jahr die deutschen Meisterschaften, bei denen es getrennte Wettbewerbe für Springreiterinnen und Springreiter gibt - allerdings dürfen die Frauen auch bei den Männern mitreiten.
Equal Pay ist im Profi-Golfsport noch nicht angekommen. Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Bei der US Open 2019 im kalifornischen Pebble Beach streicht allein der Sieger über zwei Millionen US-Dollar ein.
Die Südkoreanerin Jeongeun Lee kassierte in diesem Jahr für ihren Triumph bei der US Open in Charleston die Hälfte - eine Million US-Dollar. Spitzenspielerinnen wie die ehemalige Weltranglistenerste Lydia Ko aus Neuseeland haben diese Missstände mehrfach angeprangert.
Besonders krass sind die Gegensätze im nordamerikanischen Eishockey. Sowohl bei den Männern (NHL) als auch den Frauen (NWHL) gelten die Ligen als die besten der Welt. Anfang Mai drohten 200 Spielerinnen mit einem Streik zur neuen Saison: Eine Krankenversicherung gibt es nicht, zum Teil sind sie für 2.000 Dollar beschäftigt - pro Jahr!
"Da ist es schwierig, das Ganze professionell zu betreiben", sagte Nationalspieler Markus Eisenschmid, der in der DEL beim Meister Mannheim spielt. Seine Schwester Tanja spielte zuletzt für die Minnesota Whitecaps in der NWHL und beteiligte sich am Protest.