Kobe Bryant: Rückblick auf eine Welt-Karriere

Am 23. August 2020 wäre Kobe Bryant 42 Jahre alt geworden. Er kam am 26. Januar 2020 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Wir blicken zurück auf eine der größten Sportkarrieren unserer Zeit und erinnern uns an das Phänomen mit den Nummern 8 und 24.

Kobe Bryant wird als einer der besten Basketballspieler aller Zeiten gesehen. Doch jede Welt-Karriere startet mal klein. Seine ersten Schritte im Sport ging er an der Lower Merion High School in Ardmore, einem Vorort von Philadelphia. Dort machte er sich einen Namen, nachdem seine erste Saison eher durchschnittlich war. In verschiedenen High-School-Turnieren performte er so gut, dass er mehrere Auszeichnungen einheimste.
Doch seine Zeit auf der High-School währte nicht lange. Mit den meisten Punkten (2.883) in Southeastern Pennsylvania beendete er seine High-School-Zeit und entschloss sich gegen ein College und für den Draft in die NBA. Dort wurde er 1996 von den Charlotte Hornets an 13. Stelle gepicked und sofort an die Lakers weitergetradet. Kurios: Da er zu seinem Zeitpunkt seiner Vertragsunterschrift noch 17 Jahre alt war, mussten seine Eltern den Vertrag mitunterzeichnen.
In seiner Rookie-Saison kam er meistens von der Bank, stellte jedoch den damaligen Rekord für den jüngsten NBA-Spieler aller Zeiten auf. Er nahm ebenfalls am Slam Dunk Contest teil und wurde im Alter von 18 Jahren zum jüngsten Slam Dunk Champion in der Geschichte der Liga.
Nachdem es in seiner ersten Saison aufgrund von mangelnder Spielzeit noch nicht so rosig aussah, steigerte er sich im Folgejahr deutlich. Seine Punkteschnitt stieg von 7,6 auf 15,4 Punkte pro Spiel und er wurde zum jüngsten NBA All-Star Game Starter in der Geschichte der NBA. Während der Saison unterzeichnete er eine Vertragsverlängerung über sechs Jahre im Gesamtwert von 70 Millionen US-Dollar. Ein großer Deal zu dieser Zeit. Trotzdem war in der zweiten Playoff-Runde wieder Schluss.
Doch mit der Entlassung des damaligen Head Coaches im Jahr 1999 und der Verpflichtung von Trainerlegende Phil Jackson brach eine neue Zeitrechnung an. Mit der Installation der "Triangle Offense", mit der er sechs Titel bei seiner vorherigen Station, den Chicago Bulls rund um Michael Jordan, gewonnen hatte, kam der Erfolg.
Mit Shaquille O'Neal gepaart mit Kobe schaffte es Phil Jackson, aus einem Team, das in den Jahren zuvor nichts mit einer Meisterschaft zu tun hatte, eines der heißesten Teams der Liga zu formen.
Die Erfolge gaben ihm Recht, gleich in seiner ersten Saison 1999/2000. Nach einer spannenden Finals-Serie gegen die Indiana Pacers war die erste Meisterschaft seit 1988 wieder in Los Angeles bei den Lakers. Shaq wurde zum MVP gewählt und Kobe in das All-NBA Second Team und als jüngster Spieler in der Geschichte in das All-NBA Defensive Team gewählt.
In der Saison 2000/01 wurde öffentlich spekuliert, dass es zwischen Shaq und Kobe kriseln soll. Von Konfrontationen und Schwierigkeiten wurde berichtet. Doch die Erfolge blieben. In den Playoffs schafften sie Historisches und gewannen 15 von 16 Spielen. Rekord!
Während der Playoffs gelangen Kobe Fabelzahlen mit durchschnittlich 29,4 Punkten, 7,3 Rebounds und 6,1 Assists pro Spiel. Am Ende stand erneut die Meisterschaft und zum zweiten Mal in Folge wurde er in das All-NBA Second Team und All-NBA Defensive Team und im dritten Jahr in Folge in das All-Star Game gewählt.
Im Jahr 2002 war das "Three-Peat" vollendet. Nachdem er wieder einmal eine starke Saison mit verbesserter Trefferquote vorwies, waren die Playoffs spannender als in den zwei Jahren zuvor. In den Western Conference Finals benötigten sie sieben Spiele (4-3) um in die Finals einzuziehen. Dort wurden die New Jersey Nets besiegt (4-0) und Kobe wurde zum jüngsten Spieler in der Geschichte der NBA, der drei Titel hintereinander gewinnen konnte. Um allem noch die Krone aufzusetzen, wurde er zudem zum ersten Mal ins All-NBA First Team gewählt.
Die Spielzeit 2002/03 war zumindest auf individueller Ebene sagenhaft. Kobe verzeichnete im Schnitt 30,0 Punkte, 6,9 Rebounds, 5,9 Assists und 2,2 Steals pro Partie - allesamt damalige Karrierebestleistungen für ihn. Erstmals wurde er bei der Wahl zum MVP nominiert, schloss diese jedoch nur auf dem dritten Platz ab. In den Playoffs war schon in der zweiten Runde Schluss.
In der Saison 2003/04 wurden mit Gary Payton und Karl Malone, zwei neue Stars verpflichtet. Mit ihnen sollte es weiter gehen als im Jahr zuvor. Doch bereits vor dem Beginn der Regular-Season wurde Bryant eines sexuellen Übergriffs angeklagt, was dazu führte, dass er einige Spiele wegen Gerichtsterminen verpasste. Das Verfahren wurde, da die betroffene Frau die Aussage verweigerte. Auf dem Platz lief es jedoch rund für Bryant. Dennoch mussten sich die Lakers in den NBA-Finals gegen die Detroit Pistons (4-1) geschlagen geben.
Nach der Niederlage gegen Detroit sah sich das Front Office der Lakers zu Veränderungen gezwungen. Phil Jackson wurde entlassen und Shaquille O'Neal gegen Lamar Odom (rechts im Bild), Caron Butler und Brian Grant an die Miami Heat getradet. Dieses Tauschgeschäft wird im Nachhinein als einer der schlechtesten Trades der Geschichte angesehen. Kobe verlängerte jedoch um weitere sieben Jahre bei den Lakers. Am Ende der Saison 2004/05 erreichte das Team trotz eines starken Kobe nicht die Playoffs.
Obwohl es wohl Differenzen gab, entschied sich Phil Jackson in der Saison 2005/06, erneut bei den Lakers anzuheuern. Am 20. Dezember 2005 schrieb Kobe Geschichte. In nur drei Vierteln schenkte er den Dallas Mavericks 62 Punkte ein. Zum selben Zeitpunkt hatte das komplette Mavs-Team nur 61, sodass er im vierten Viertel nicht einmal den Court betrat. Doch es sollten noch weitere Rekorde folgen.
Am 22. Januar 2006 folgte das nächste Spektakel, das es so wohl nie wieder geben wird. Gegen die Toronto Raptors erzielte der Shooting Guard 81 Punkte . Damit hat nur Wit Chamberlain (100) in einem Spiel mehr Punkte erzielt. An diesem Abend gab es selbst von den gegnerischen Fans Standing Ovations. Am Ende der Saison hatte er zudem 27 Mal über 40 Punkte in einem Spiel erzielt und stand im Schnitt bei 35,4 Punkten pro Spiel. Dennoch war in der ersten Playoff-Runde Schluss.
Nach der Saison unterzog sich Bryant einer Operation am Knie und musste deswegen bei der Basketball-Weltmeisterschaft 2006 aussetzen. Daraufhin gab er bekannt, dass er seine Trikotnummer von 8 auf 24 ändern würde. Schon in der High School hatte er die Nummer 24 getragen, bevor er zur 33 wechselte. Da beide Nummern zu Beginn seiner NBA-Zeit bei den Los Angeles Lakers nicht verfügbar waren, nahm er seine Trikotnummer 143 aus dem Adidas ABCD Camp, addierte die drei Zahlen und kam so zur Nummer Acht. Später soll er gesagt haben, dass er die 24 nahm, weil er besser als Michael Jordan sei, der die 23 trug.
2007 war es soweit. Bei seiner neunten Nominierung zum All-Star Game wurde Bryant erstmals All-Star-Game-MVP. Trotz mehreren 40-, 50- und 60-Punktespielen kamen die Lakers nicht an den Suns in der ersten Playoff-Runde vorbei, wie schon im letzten Jahr.
Auch in der Spielzeit 2007/08 war es mal wieder Bryant, der für ein Novum in der NBA sorgte. Am 23. Dezember 2007 überschritt Bryant, der sich selbst den Spitznamen "Black Mamba" gab, die Marke von 20.000 Karrierepunkten. Mit 29 Jahren und 122 Tagen war er der jüngste Spieler, dem dieses Kunststück gelang.
2007/08 wurde Bryant erstmals zum MVP der regulären Saison gewählt. Mit 57 Siegen hatten er und seine Lakers die beste Bilanz der Liga. Nach dem Ausscheiden in der ersten Runde der Playoffs im Vorjahr ging es dieses Mal deutlich weiter. In den Finals waren die Boston Celtics rund um Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen aber eine Nummer zu groß.
2008/09 konnten sich die Lakers endlich wieder die beste Basketballmannschaft der Welt nennen, nach einer Durststrecke von über sechs Jahren. Die Lakers setzten sich in den Finals nach fünf Spielen gegen die Orlando Magic durch. Für Bryant war es die vierte Meisterschaft. Obendrein wurde er zum ersten Mal Finals-MVP.