• Die Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Politik der Bundesregierung hat Joshiko Saibou und Alexandra Wester bekannter gemacht, als es ihre sportlichen Erfolge zuvor vermocht haben.
  • Der Basketballer hat von seinem Verein Telekom Baskets Bonn dafür nun die Kündigung erhalten.
  • Er zeigt dafür kein Verständnis - und seine Freundin auch nicht.

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Er ist Nationalspieler im Basketball, doch seit seiner Teilnahme an der Anti-Corona-Demonstration in Berlin ist Joshiko Saibou seinen Job bei den Telekom Baskets Bonn los.

Die Kündigung durch seinen Klub bezeichnet Saibou in einem Instagram-Post als "totalitär" und als einen "Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit".

Seine Freundin Alexandra Wester, Weitspringerin des ASV Köln und 2016 Olympia-Teilnehmerin in Rio de Janeiro, ist der gleichen Meinung.

Wester: "Vereine behandeln ihre Sportler wie Puppen"

Noch immer könnten "Vereine ihre Sportler so wie Puppen behandeln", kritisiert Wester in einem Video-Beitrag auf Instagram das Vorgehen der Telekom Baskets gegenüber ihrem Lebensgefährten. "Hier geht es um Meinungsfreiheit", unterstreicht auch Wester.

Sie hatte ihren Freund auf der Demonstration in Berlin am 1. August 2020 begleitet. Ein Foto auf Saibous Instagram-Account, das der 30-Jährige mittlerweile gelöscht hat, zeigte das Paar in der Sommersonne, die Siegessäule im Hintergrund. Saibou und Wester trugen Sonnenbrillen, jedoch demonstrativ keinen Mund-Nasen-Schutz.

Er sei "Basketballer", schreibt Saibou auf Instagram, "aber in erster Linie bin ich Mensch." Er habe Verständnis für "Gegenwind", so er öffentlich eine Meinung vertrete. Er habe aber "immer geglaubt, bei den Telekom Baskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen."

Wester nennt die Kündigung durch die Telekom Baskets Bonn in ihrem Video-Beitrag "heuchlerisch" und "einen Schlag ins Gesicht aller Athleten." Das gehe "definitiv zu weit" und tue ihr "im Herzen weh."

Sie und ihr Freund hätten während der Demonstration "sehr bewusst darauf geachtet, niemanden bei der Demo in Gefahr zu bringen, und erst nicht seine Teamkollegen, weil die Telekom Baskets im Moment gar nicht im Team spielen oder trainieren."

Saibou war trotzdem von den Telekom Baskets Bonn wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrages als Profisportler" fristlos gekündigt worden. Zuvor sei er der Forderung des Klubs, seine Anti-Corona-Aktivitäten einzustellen, nicht nachgekommen.

Telekom Baskets Bonn: Saibou ist ein "permanentes Infektionsrisiko"

Wolfgang Wiedlich, Geschäftsführer der Profiabteilung der Telekom Baskets Bonn, wurde in einer Mitteilung des Klubs folgendermaßen zitiert: "Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven. Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten."

Wester spricht davon, sie habe "nicht gedacht, dass das im Jahr 2020 noch passieren kann. Ein Verein sollte einen Athleten in seiner Diversity, seiner Entwicklung und auch seiner polarisierenden Meinung unterstützen oder zumindest sie akzeptieren", so die 26-Jährige. Ihren Partner "so abzufertigen "sei ein Schlag ins Gesicht, und es ist unfair. Das ist krass." "Die Athleten", setzte Wester nach, seien "nicht die Sklaven der Neuzeit", sie würden jedoch "dazu gemacht".

Der DLV reagierte bereits im April auf Wester-Video

Der Deutsche Leichtathletik-Verband teilte mit, zurzeit keine Maßnahmen zu ergreifen. Wester war jedoch bereits Ende April in den sozialen Netzwerken mit einem Video aufgefallen, in dem sie Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verbreitet hatte.

Eine ihrer Behauptungen lautete, der "Großteil der Welt" werde von "einer Horrordroge" (Adrenochrom) und von "Perversionen des Verstandes" bestimmt. Verschwörungsideologen betrachten Adrenochrom wird als Verjüngungsserum. Es werde angeblich in Höhlen gefangenen Kindern abgezapft.

Chef-Bundestrainerin Annett Stein habe Wester damals "klar gemacht, dass jeder DLV-Athlet eine Vorbildfunktion hat, wenn es um politisch motivierte Äußerungen zu umstrittenen Themen geht." Bei dem Video, so Stein seinerzeit, handle es sich um Westers private Meinung, die sich nicht mit der des Verbands decke." (hau/dpa)

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