(jwo/cze) - Es sieht nach roher Prügelei aus, doch beim Boxen steht der sportliche Gedanke mit festgelegten Regeln im Vordergrund - eigentlich! Denn nicht immer halten sich die Box-Profis an die Prinzipien des Fair Plays. Welche handfesten Skandale es neben der Auseinandersetzung von David Haye und Dereck Chisora noch im Boxsport gab, sehen Sie in unserer Galerie.

David Haye vs. Dereck Chisora (München, 2012)

Der britische Boxer Dereck Chisora verpasste erst seinem Gegner Vladimir Klitschko beim Wiegen am Tag zuvor eine Ohrfeige, dann ging er nach verlorenem Kampf bei der Pressekonferenz in München auf seinen Landsmann David Haye los. Der ehemalige Profiboxer Haye war als TV-Experte für das britische Fernsehen bei der Konferenz anwesend.

Was zunächst nach einem medienträchtigen Spektakel aussah, entpuppte sich als blutiger Ernst und endete mit einem blutüberströmten Haye-Manager sowie einem am Mund verletzten Chisora. Dieser wurde nach der Auseinandersetzung von der Polizei festgenommen, alsbald aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Nun wird gegen ihn, seinen Trainer und den Kontrahenten Haye wegen Körperverletzung ermittelt.

Tysons legendäre Beißattacke gegen Holyfield (Las Vegas, 1997)

1996 freute sich die Box-Welt auf den langersehnten Kampf zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield, doch der Revanchekampf um den Weltmeisterschaftstitel am 28. Juni 1997 erlangte weitaus größere Berühmtheit: Nachdem Tyson die ersten beiden Runden gegen Holyfield verloren hatte, biss er seinem Kontrahenten in der 3. Runde ein Stück des rechten Ohres ab.

Ob Tyson mit dem Angriff eine Disqualifikation provozieren wollte, da er sich keine weitere Niederlage leisten konnte, oder ob er seiner Frustration freien Lauf ließ, ist bis heute ungeklärt. Wegen dieser groben Unsportlichkeit wurde Tyson jedenfalls sofort disqualifiziert, musste seine Box-Lizenz für ein Jahr abgeben und rund drei Millionen US-Dollar Strafe zahlen.

Rocchigiani schlägt Michalczewski trotz Unterbrechung k.o. (Hamburg, 1996)

Am 10. August 1996 stieg Dariusz Michalczewski gegen Graciano Rocchigiani in Hamburg in den Ring. In der siebten Runde wurde der Kampf wegen Klammerns unterbrochen, doch genau in diesem Moment schlug Rocchigiani seinen Kontrahenten mit einem Schlag k.o.

Nach diesem unsportlichen Zwischenfall wurde Rocchigiani, der bis zu diesem Zeitpunkt in Führung gelegen hatte, disqualifiziert und Michalczewski konnte damit seinen WM-Titel behalten. Rocchigiani fühlte sich danach betrogen und behauptete, sein Schlag sei sehr leicht gewesen und Michalczewski habe nur "simuliert".

Khoren Gevor verkloppt Ringrichter (Magdeburg, 2011)

Auch beim Boxkampf zwischen Robert Stieglitz und Khoren Gevor im Jahr 2011 flogen die Fäuste, nachdem Supermittelgewichts-Weltmeister Stieglitz in Magdeburg bereits zum Sieger erklärt wurde: Der wegen Kopfstoßes in der zehnten Runde disqualifizierte Herausforderer Gevor schlug aus Frust plötzlich auf Ringrichter Manfred Küchler ein.

Der Bund Deutscher Berufsboxer verhängte nach dem Vorfall eine sechsmonatige Sperre und eine Geldstrafe von 5.100 Euro über Gevor. Weil er aber Reue zeigte und sich offiziell bei Küchler für den Zwischenfall entschuldigte, entging er knapp einer lebenslangen Sperre.

Ahmet Öner schlägt sich mit Sicherheitsleuten (Hamburg, 2007)

Auch der frühere Profiboxer und heutige Box-Manager Ahmet Öner war wiederholt in Skandale verwickelt. So kam es 2007 bei der 250. Boxveranstaltung von Klaus-Peter Kohl in Hamburg zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Sicherheitspersonal. Öner gab an, von der Security durch Blicke und Gesten provoziert und rassistisch beschimpft worden zu sein. Daraufhin kam es zu einer wilden Schlägerei zwischen Öner und seinen zwei Begleitern auf der einen und dem Sicherheitspersonal auf der anderen Seite.

Im Jahr 2011 verursachte Öner bei einer Pressekonferenz einen weiteren Eklat, als er Klitschko-Betreuer Bernd Bönte mit den Worten "Bernd, ich schwöre dir, ich bringe dich um" bedrohte.

Golota schlägt sich mit Bowes Betreuern (New York, 1996)

1997 kämpfte Andrzej Golota erstmals gegen den als stärker eingeschätzten Ex-Weltmeister Riddick Bowe. Zunächst führte Golota nach Punkten, wurde aber nach der siebten Runde wegen Tiefschlags disqualifiziert. Bowes Betreuer waren von dem Vorfall so aufgebracht, dass sie den Ring stürmten und Golota attackierten. Das Ganze endete schließlich in einer Massenschlägerei im Saal.

Fallschirmspringer landet im Ring (Las Vegas, 1993)

Beim WM-Kampf zwischen Evander Holyfield und Riddick Bowe kam es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall: In der siebten Runde des Kampfes landete plötzlich der Fallschirmspringer James Miller im Ring. Weil der Kampf daraufhin für rund 20 Minuten unterbrochen werden musste, prügelten Fans den Fallschirmspringer krankenhausreif. Der Kampf wurde später dennoch fortgesetzt. Am Ende verlor Bowe überraschend knapp gegen Holyfield und musste damit seine erste Niederlage im Profiboxen einstecken.