Es sind die Australian Open 2014 und es ist heiß. Zu heiß. Bei 42 Grad im Schatten ziehen die Organisatoren die Reißleine. Das Turnier wird ausgesetzt. Viele Sportler haben sich bereits beschwert. Die Hitze sei unmenschlich. Von "unmenschlicher Hitze" ist auch immer die Rede, wenn es um die Weltmeisterschaft in Katar geht. Die Bilder aus Melbourne wirken schon jetzt wie eine Warnung für die WM 2022 - sollte die Fifa das Turnier tatsächlich im Sommer ausrichten.

Tennisspieler Frank Dancevic liegt in Melbourne auf dem Boden. Die Hitze bei den Australian Open 2014 hat ihm zu sehr zugesetzt. Der Kanadier hat einen Kreislaufkollaps erlitten, fällt kurzzeitig in Ohnmacht. Mit eisgekühlten Handtüchern wird versucht, seinen Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen.

Er ist nicht der Erste, den die Bedingungen in Melbourne im wahrsten Sinne des Wortes umhauen. Auch Balljungen müssen sich übergeben, der französische Tennisstar Jo-Wilfried Tsonga klagt, der heiße Belag habe seine Schuhsolen aufgeweicht. Seine deutsche Kollegin Andrea Petkovic beschreibt die Hitze nach ihrer Niederlage gegen die Slowakin Magadalena Rybarikova noch drastischer: "Man dachte, es schmilzt einem die Haut weg."

"Bis jemand stirbt"

Dancevic spielt sein Match gegen Bennoit Paire nach seinem Kollaps noch zu Ende und verliert Danach kritisiert er die Turnierleitung: "Die Hitze ist unmenschlich, aber es wird so lange weitergemacht, bis jemand stirbt." Auch Sabine Lisicki wird ein Opfer der Hitze. Die Wimbledon-Finalistin von 2013 verliert überraschend gegen Monica Niculescu. Sie stimmt Dancevic zu: "Die Schiedsrichter übernehmen die Entscheidung, ob bei dieser Hitze gespielt werden kann. Ich kann nur sagen, was jeder sieht: Spieler und Ballkinder übergeben sich und kollabieren. Es gibt einen Punkt, an dem es zu heiß wird, um Sport zu treiben."

Ein heftiger Vorwurf an die Organisatoren. Doch tatsächlich wirken die Maßnahmen, die bei den Australian Open ergriffen werden, eher willkürlich denn zielführend. Die Turnierleitung vertraut auf die Extreme Heat Policy. Dabei wird die Mischung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit bemessen. Überschreitet dieser Wert eine Grenze, wird abgebrochen - allerdings erst nachdem der Satz zu Ende gespielt wurde. Wo diese Grenze liegt, weiß jedoch niemand, wie Tennisstar Maria Scharapowa anmerkt - "kein Spieler, nicht einmal die Physios, wenn man sie fragt". Und die Turnierleitung weigert sich standhaft, diese Grenze herauszugeben.

Offensichtlich liegt sie jedoch ungefähr bei 42 Grad im Schatten. Vorher wird lediglich das Dach der Arena geschlossen, um Schatten zu spenden.

Ein Vorgeschmack auf Katar?

Die Australian Open sind nicht das einzige Sportevent, bei dem über "unmenschliche Hitze" gesprochen wird. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist zwar noch weit weg, doch die Bilder überhitzter Sportler wirken schon jetzt wie ein mahnender Vorgeschmack auf 2022.

42 Grad im Schatten - das sind Temperaturen, wie sie im Sommer in Katar fast durchgängig herrschen. In dem Wüstenstaat wird es in den Sommermonaten gerne noch heißer. Trotzdem besteht das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft 2022 darauf, das Turnier dort im Sommer stattfinden zu lassen. "Es ist nicht unmöglich. Natürlich ist es hier im Sommer warm, es ist nicht die beste Zeit für einen Aufenthalt. Aber schauen Sie sich die Weltmeisterschaften in Mexiko, Spanien oder den USA an", sagte OK-Chef Hassan Al Thawadi der französichen Sportzeitung "L'Equipe".

Noch ziert sich die Fifa - eine Winter-WM scheint momentan wahrscheinlicher - , doch das WM-OK hat einen Masterplan: Die Stadien und Trainingsplätze sollen auf angenehme Temperaturen heruntergekühlt werden. Für die Spieler soll das Turnier somit kein Gesundheitsrisiko darstellen - im Gegensatz zu den Australian Open. Wie viel Geld jedoch in klimatisierte Arenen gepumpt werden muss und welche Auswirkungen dieses Megaprojekt auf die Umwelt hätte, kann gerade noch niemand abschätzen.

Ein Problem, vor allem für die Fans

Egal, wie angenehm es den Spielern in Katar möglicherweise gemacht wird, für die angereisten Fans wäre eine Sommer-WM in Katar kein Zuckerschlecken. Schließlich reisen viele auch der Stimmung wegen in das Austragungsland. Barbesuche, das Miteinander mit anderen Fans - all das, was das Drumherum einer Weltmeisterschaft ausmacht, wird schwierig, wenn es draußen über 45 Grad hat. Gesundheitliche Probleme können nicht nur die Sportler treffen. Bei derartigen Temperaturen wird schon das Verlassen des klimatisierten Hotels zur Herausforderung.

Am 20. März tagt das Fifa-Exekutivkomitee. Dann soll auch der Termin für Katar 2022 besprochen werden. Angesichts der "heißen" Bilder der Australian Open möchte man sich fast wünschen, der Weltverband möge sich für eine Winter-WM entscheiden. Auch wenn das die Fußballwelt auf den Kopf stellen würde.