Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Südkorea hat die DFB-Elf um Bundestrainer Joachim Löw so einige Probleme. Das Abschlusstraining fällt dem Wetter zum Opfer, auch personell muss Löw schon wieder umstellen. Sebastian Rudy fällt aus, Jerome Boateng ist gesperrt. Da kommen die guten Nachrichten von Mats Hummels gerade recht.

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In der Nachmittagshitze von Kasan müssen sich Deutschlands Weltmeister noch einmal mit aller Kraft gegen den historischen Thron-Sturz stemmen. Das Ziel gegen Südkorea lautet: Rein ins Achtelfinale und in ein emotionales Fußball-Hoch rauschen.

"Es ist der unbedingte Wille bei den Spielern zu spüren, dass sie dieses Spiel gewinnen wollen", sagte Joachim Löw am Dienstag in der Kasan-Arena. Auf den umjubelten Last-Minute-Erfolg gegen Schweden müsse nun "ein zweiter Schritt folgen", forderte der Bundestrainer.

Der immer noch wankende Titelverteidiger Deutschland muss am Mittwoch (16:00 Uhr/ZDF und bei uns im Ticker) nicht nur dem letzten Gruppengegner trotzen, sondern auch den äußeren Widrigkeiten, um den ersten Vorrunden-K.o. bei einer Weltmeisterschaft abzuwenden.

Wetter verhindert Abschlusstraining

Blitz, Donner und Starkregen verhinderten am Dienstagabend das geplante Abschlusstraining von Manuel Neuer und Kollegen im WM-Stadion. Der vom Wasser überflutete Rasen sollte geschont werden. Löws Team musste kurzfristig in eine andere Trainingsstätte ausweichen.

Zur Anstoßzeit am Mittwoch sind in der über 1000 Jahre alten Tatarenstadt an der Wolga Sonne und große Hitze angesagt. "Die Physis wird eine wichtige Komponente. Wenn es 30 Grad hat wie angekündigt, spielt das schon eine Rolle", bemerkte Löw.

Er sucht vor dem dritten Turnierspiel weiterhin nach dem schlagkräftigsten Personal. Sebastian Rudy fällt nach seinem mehrfachen Nasenbeinbruch aus. "Das Spiel ist zwei, drei Tage zu früh. Die Nase ist mehrfach gebrochen. Es macht keinen Sinn, auch nicht mit einer Maske, weil er eine Narkose bekommen hat", sagte Joachim Löw.

Mats Hummels dagegen ist nach Problemen am Halswirbel und der Pause gegen Schweden wieder einsatzfähig. "Mats kann spielen. Er hat zwei Tage trainiert und überhaupt keine Probleme", berichtete der Bundestrainer.

Die Ausgangslage ist klar: In der 45 000 Zuschauer fassenden Kasan-Arena muss das DFB-Team (3 Punkte) mit mindestens zwei Toren Vorsprung gewinnen, um alle Rechenspielchen mit Mexiko (6), Schweden (3) und Südkorea (0) bis hin zu einem Losentscheid auszuschließen. "Ich bin keiner, der unterschiedliche Szenarien durchspielt. Wir wollen mit unserem eigenen Spiel, mit unserem eigenen Ergebnis für Klarheit sorgen", sagte Löw energisch.

Mesut Özil neben Toni Kroos?

Ob Gruppenerster oder -zweiter, Hauptsache Achtelfinale! Unabhängig davon, ob er den zuletzt auf die Bank verbannten Sami Khedira wieder bringt oder Reservist Mesut Özil überraschend neu aktiviert: Das Kollektiv muss auf dem Platz funktionieren und den "Sieg der Moral" (Löw) gegen Schweden für sich weiter nutzen. "Wir haben das ganze Ding noch mal gedreht und sind als Mannschaft noch enger zusammengerückt", berichtete Angreifer Timo Werner.

"Wir haben natürlich noch Luft nach oben für ein paar Sachen. Daran müssen wir weiter arbeiten", sagte Manager Oliver Bierhoff. Gerade die immer wieder gravierenden Fehler im Spielaufbau und die Lücken in der Defensive sind eine Warnung.

Löw erwartet eine weitere Steigerung in der Umschaltbewegung von Angriff auf Abwehr. Gegen Schweden seien immerhin schon weniger Fehler gemacht worden: "Das ist der Maßstab."

Noch einmal muss gegen die negative Energie des frühen Ausscheidens angekämpft werden. Wie Spanien 2014, Italien 2010 und Frankreich 2002 als Titelträger schon in der Vorrunde zu scheitern, klebt noch ein wenig an den Deutschen. "Sie können sicher sein, dass wir alles dafür tun, dass uns das nicht auch passiert", sagte der Dortmunder Marco Reus.

Ob es dann im Achtelfinale gleich gegen Brasilien geht oder gegen die Schweiz oder Serbien, ist egal. Nur Südkorea zählt!

Die Offensiv-Raketen Reus und Werner sind die bisherigen Gewinner in Löws Kader und sollen gemeinsam mit Supertorschütze Toni Kroos auch gegen Südkorea mit den Unterschied ausmachen.

Thomas Müller hat noch nicht gezündet

Andere wie Thomas Müller, 2010 und 2014 mit jeweils fünf Treffern der beste deutsche WM-Torschütze, haben noch nicht gezündet. Auch nach zwei schlechten Partie sei der Münchner "ein absolut wichtiger Spieler", betonte Löw.

Das DFB-Team muss sich gegen die Nummer 57 der Weltrangliste auf "unheimlich schnelle und wendige Spieler" einstellen, warnte Reus: "Sie haben schon viele Mannschaften vor Probleme gestellt."

Die größte Gefahr droht vom ehemaligen Leverkusener Heung-Min Son. "Auf den müssen wir vor allem aufpassen. Er ist ein Spieler, der in der Weltklasse schon gezeigt hat, was er kann", sagte Werner. "Korea hat nicht nur Son, sondern ein paar andere Konterspieler auch", warnte Löw.

Im deutschen Defensivblock sind wieder Umstellungen nötig. Jérôme Boateng ist nach Gelb-Rot gesperrt. Für ihn könnte Bayern-Kollege Niklas Süle auflaufen. Rudys Ausfall könnte dazu führen, dass neben Kroos wieder Khedira im Mittelfeld ran darf.

Löw hat aber auch schon mal Özil im Nationalteam als spielstarken Sechser ausprobiert. "Özil hat eine sehr gute Reaktion gezeigt im Training. Die zuletzt nicht gespielt haben, sind eine Option", sagte Löw zum Umbau der Startelf.

"Die Südkoreaner werden viel über Konter agieren, sind beweglicher als die Schweden, die eher über die Kraft gekommen sind. Aber ich bin mir sicher, dass wir einen Plan vom Bundestrainer bekommen und darauf reagieren können", meinte Reus.

Möglicherweise wird sich Löw seinen Routinier Mario Gomez wie schon gegen Schweden wieder als besondere Wechsel-Option für den Fall aufheben, dass offensiv Plan A mit dem jungen Mittelstürmer Werner nicht zu Toren führt. "Wichtig ist, die Spannung wieder hochzufahren", sagte Löw zur Aufgabe in Kasan. (ms/dpa)

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