Das Achtelfinale gegen Algerien hat die deutsche Nationalmannschaft mit Ach und Krach geschafft. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt dem Team von Jogi Löw allerdings nicht. Am Freitag (18:00 Uhr LIVE bei uns im Ticker) wartet der nächste Gegner: Frankreich.

Frankreich war vor Beginn der WM 2014 in Brasilien eine der Mannschaften, von denen man nicht wusste, ob man auf Finale oder Ausscheiden in der Gruppenphase setzen sollte. Nach dem Ausfall von Franck Ribery galt die "Equipe tricolore" endgültig als Wundertüte. Zumal vielen Fans noch die desaströse Weltmeisterschaft 2010, inklusive mannschaftsinterner Revolte, im Kopf war.

Inzwischen ist die Stimmung in Frankreich hervorragend. Die Fans träumen vom Titel. Vor allem der überragende 5:2-Sieg gegen die Schweiz in der Gruppenphase hat begeistert. Gegen Ecuador und im Achtelfinale Nigeria allerdings hat sich das Team von Trainer Didier Dechamps nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Stimmung im Land trübt das nicht. Im Gegenteil. Die Zeitungen feiern den Einzug in das Viertelfinale schon als Renaissance des französischen Fußballs. "Der blaue Traum geht weiter", kommentierte "Le Figaro". Die Zeitung "Le Parisien" schwärmte: "Les Bleus legen weiter ihre Spur Richtung Gipfel. Wir bewundern sie."

Grund für die diese Bewunderung ist vor allem die Offensive der französischen Nationalmannschaft. Immerhin ist die "Equipe tricolore" die angriffstärkste Mannschaft bei dieser WM. Ganze 192 Angriffe haben Benzema, Pogba und Co. schon zustande gebracht. Deutschland liegt in dieser Tabelle mit 167 Angriffen gerade einmal auf dem fünften Platz. Und: Kein Team schießt öfter auf das Tor als "les bleus" - ganze 77 Mal (Deutschland: 59 Mal). Der Angriff ist also Frankreichs Trumpfkarte. Zumal er nicht nur aus Benzema und Olivier Giroud besteht, sondern auch Paul Pogba oder der flinke Antoine Griezmann von Real Sociedad San Sebastian für Tore sorgen können.

Frankreichs Pass- und Zweikampfquote: mangelhaft

Doch die französische Nationalmannschaft hat vor allem im Spiel gegen Nigeria große Schwächen offenbart. Noch kann man nicht so richtig schlau werden aus diesem Team. So überragend Karim Benzema gegen Honduras und die Schweiz spielte, so unsichtbar war er gegen Nigeria. Das Zusammenspiel mit Sturmpartner Olivier Giroud funktionierte überhaupt nicht. Erst als der flinke Griezmann drin war und Benzema von Außen in die Mitte rückte, drehte sich die Begegnung plötzlich. Auch weil Frankreich seine Großchancen eiskalt nutzte.

Pogba, der Shootingstar sieht das Problem in der Mentalität der Mannschaft: "Wir haben Selbstvertrauen, aber wir stehen uns manchmal selber im Wege", erklärte er. "Wir sind zum Besten fähig, wir können aber auch die schlechteste Leistung abliefern." Besonders was Pass- und Zweikampfquote angeht, kann Frankreich noch zulegen. Derzeit liegt Frankreich in Sachen Passquote auf die ganze WM gerechnet auf Platz drei. Von 2.248 Pässen waren 1.807 erfolgreich. Zum Vergleich: Deutschland ist die passsicherste Mannschaft bisher. Von 2.547 Pässen kamen 2.145 beim Mitspieler an. Auch die französische Zweikampfquote von 54 Prozent im Spiel gegen Nigeria ist bestenfalls Mittelmaß.

Probleme bekommt die "Equipe tricolore" immer dann, wenn der Gegner taktisch diszipliniert auftritt, früh stört und die Offensive nicht ihre gesamte Schlagkraft entfalten kann. Darüber hinaus kämpft die französische Abwehr immer wieder mit Konzentrationsschwierigkeiten. Eine Schwäche, die Nigeria nicht nutzen konnte. Die deutsche Nationalmannschaft wird in einer ähnlichen Situation hoffentlich abgezockter reagieren.

(ska)