Das halbe Netz echauffiert sich über die deutschen Fußball-Kommentatoren bei der WM in Brasilien. Bela Rethy, Steffen Simon und Kollegen bringen die Fans vor den Fernsehern zur Weißglut. Doch sie sind nicht der einzigen Dampfplauderer im deutschen Fernsehen. Wer ist ihre größte WM-Nervensäge?

Bela Rethy ist einer der erfahrensten Sportkommentatoren im deutschen Fernsehen. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn die wirklich wichtigen Fußballspiele anstehen. Ein solches war auch der Auftakt zur Fußballweltmeisterschaft 2014 zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien. Die Fans vor den Fernsehern freuten sich auf einen stimmungsvollen WM-Beginn, begleitet von Kommentaren eines ausgewiesenen Experten. Doch Bela Rethys wirre Erklärungen verliehen der Übertragung eine unfreiwillige Komik.

Opdenhövel denkt, er sei nicht zu hören - und vergreift sich im Ton.

Los ging es mit einer eigenwilligen Interpretation der brasilianischen Spielvorbereitung. Um ihren Teamgeist zu demonstrieren, legten sich die Spieler der "Selecao" beim Einlaufen ins Stadion gegenseitig die Hände auf die Schultern. Für Rethy der Anlass, den ersten seltsamen Spruch des Tages rauszuhauen: "Die Brasilianer fassen sich schon im Spielertunnel gegenseitig an. Dann der Einlauf." Auch vor Wortneuschöpfungen schreckte der TV-Mann nicht zurück. Anstatt eines Champions-League-Spielers war Luka Modric ein "Championsleaguer". Der goldenen Abschluss seiner Spielanalyse: "Neymar führt schon nach einem Spiel die Torschützenliste an"! So hatten am Ende der Übertragung wohl sogar die Fans der unterlegenen Kroaten noch etwas zu lachen.

Steffen Simons Aussetzer

Den nächsten Aussetzer leistete sich ARD-Kommentator Steffen Simon beim Spiel Iran gegen Nigeria. Mit dem Satz "Die Iraner, das sind Südländer, und nicht immer ganz perfekt organisiert" bediente Simon ein klassisches Vorurteil. Da nicht klar wurde, ob er mit dem Klischee die Spielweise der Mannschaft oder ihre WM-Vorbereitung meinte, hätte er sich diesen Hinweis getrost sparen können. Die Reaktion der Zuschauer ließ nicht lange auf sich warten: Auf Twitter und Facebook brach ein Shitstorm über den Kommentator herein. Die ARD entschuldigte sich später für seine Aussage.

Ist Gerd Gottlob zu patriotisch?

Auch der Kommentator des ersten Spiels der deutschen Mannschaft, Gerd Gottlob, steht in der Kritik. Beim Match gegen Portugal machte Gottlob keinen Hehl aus seiner Zuneigung für die DFB-Elf. Immer wieder sprach er von "unserem Team". Viele strittige Situationen beurteilte er "klar" für die deutsche Mannschaft. Medienwissenschaftler kritisieren die fehlende Distanz der Kommentaroren bei deutschen Länderspielen seit langem.

In anderen Ländern würde man über diese Art der Kritik nur müde lächeln. Kommentatoren in Spanien oder Brasilien sind sehr viel näher an "ihrer" Mannschaft und begleiten die Spiele äußerst emotional.

Objektivität oder Nähe - was ist Ihnen lieber? Wählen Sie den nervigsten Fußball-Kommentator Deutschlands. Neben Bela Rethy, Steffen Simon und Gerd Gottlob stehen die WM-Kommentatoren Oliver Schmidt, Wolf-Dieter Poschmann und Thomas Wark vom ZDF sowie Tom Bartels und Jens-Jörg Rieck von der ARD zur Wahl. Reporter-Legenden wie Marcel Reif, Fritz von Thurn und Taxis oder Uli Köhler sind in Brasilien zwar nicht am Mikrofon, da der Bezahlsender Sky keine Lizenz für die Live-Übertragungen erworben hat. Da sie aber trotzdem ab und an nerven, sind auch sie Teil des Votings.