Michael Ballack hat mit deutlichen Worten Philipp Lahm und dessen Rolle bei der WM 2014 kritisiert. Der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän wirft seinem Nachfolger vor, aus egoistischen Gründen im Mittelfeld bleiben zu wollen. Auch für Bundestrainer Joachim Löw hat Ballack kein Verständnis.

"Ich kann mir vorstellen, dass Philipp eine Rückkehr in die Viererkette nicht schmecken könnte", schreibt Michael Ballack in seiner Kolumne für den "Express": "Er ist jetzt dreißig Jahre alt, er weiß natürlich, dass es in den nächsten Jahren immer schwieriger wird, auf der laufintensiven Außenverteidigerposition zu bestehen. Mit einem Wechsel ins defensive Mittelfeld könnte er mit seiner Spielintelligenz locker noch drei, vier Jahre auf höchstem Niveau spielen." Mit anderen Worten: Lahm könnte nur aus egoistischen Gründen weiter im Mittelfeld spielen wollen, um seine Karriere in der Nationalmannschaft langfristig nicht zu gefährden.

Auch Bundestrainer Joachim Löw bekommt vom ehemaligen "Capitano" sein Fett weg. Löw hätte vor der WM unmissverständlich erklären müssen, dass Lahm auf der Sechs spielen werde. "Dann hätte es diese Diskussion jetzt nicht gegeben", sagt Ballack.

Michael Ballack: Philipp Lahm nimmt Bastian Schweinsteiger den Platz weg

Warum der DFB-Coach an Lahm trotz dessen schwacher WM-Leistungen im Mittelfeld festhalte, könne er nicht verstehen. Auf der Außenverteidigerposition wäre Lahm "viel wertvoller". Dort habe sich der Bayern-Star zu einem Weltklassemann entwickelt. Im Mittelfeld nehme er einem anderen ganz wichtigen Spieler den Platz weg: Bastian Schweinsteiger. "Warum haben wir bis jetzt auf ihn verzichtet?" fragt Ballack: "Im Mittelfeld haben wir doch gar keine Probleme. Mit Kroos, Khedira, Schweinsteiger, Götze, Özil, Kramer, Podolski und Schürrle haben wir doch gerade in diesem Bereich ein Überangebot an guten Spielern. Unser wahres Problem liegt in der Abwehr auf den Außenpositionen." Das deutsche Team schwäche sich selbst, wenn es auf Lahm in der Verteidigung verzichtet.

Auch für unseren WM-Experten Andreas Brehme ist Philipp Lahm als Mittelfeldspieler nicht die Ideallösung. "Wenn man sich dagegen Lahm anschaut, dann muss man sagen, er hatte auch in diesem Spiel seine Probleme", sagte Brehme nach dem Ghana-Spiel.

Löw reagiert derweil irritiert auf die öffentlichen Diskussionen um Lahm und dessen neue Mittelfeldrolle. "Diejenigen, die nach dem Portugal-Spiel gesagt haben, wie gut die Lösung mit Philipp Lahm im Mittelfeld ist, die diskutieren jetzt nach einem schlechteren Spiel: Soll er nicht zurück auf die Außenverteidiger-Position?", äußerte der Bundestrainer verwundert im ZDF. Löw selbst will sich davon nicht beeinflussen lassen: "Manchmal nimmt man diese Dinge auch wahr, aber als Trainer kann man nicht immer alles über den Haufen werfen." (tfr)