Kaum ein anderer weiß besser, wie man Weltmeister wird. Der Elfmeter-Held von 1990, Andreas Brehme, begleitet exklusiv für unser Portal die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien als Experte. Er zeigt sich begeistert vom Auftritt der Ghanaer und fragt sich, ob Philipp Lahm nicht wieder besser in der Verteidigung aufgehoben wäre.

Die erste Halbzeit war sehr schleppend. Ich hatte eigentlich gedacht, dass unsere Mannschaft da aggressiver vorgeht, vor allem weil man weiß, dass die Ghanaer im Bereich der Abwehr anfällig sind.

An einzelnen Spielern kann man die fehlende Aggressivität aber nicht festmachen. Da geht es um die Aufteilung. Wenn man – so wie gegen Portugal - die Abwehr gleich unter Druck setzt, dann hätte man auch die ein oder andere Möglichkeit herausspielen können. Aber das haben wir nicht gemacht. Das war unser Problem.

Die zweite Halbzeit war da schon etwas ganz anderes. Vor allem Ghana muss man ein Riesenkompliment aussprechen. Wie die aufgetreten sind, selbst nach dem Rückstand. Und dann gehen sie ja auch noch 2:1 in Führung! Da hat die deutsche Mannschaft großes Glück, dass sie nach einem Standard das 2:2 macht. Das Resultat – muss man eindeutig sagen – geht so in Ordnung.

Pech hatte heute natürlich Shokdran Mustafi bei seinem WM-Debüt. Beim Gegentor sieht er sehr unglücklich auch. Als Verteidiger muss ich immer Körperkontakt haben. Mustafi steht einfach nicht nah genug am Mann und kann das Tor so nicht verhindern.

Ansonsten war er allerdings ein guter Aktivposten. Darüber brauchen wir nicht diskutieren. Er hat seine Sache relativ gut gemacht. Aber wenn man für Jerome Boateng reinkommt, dann muss man gerade bei Standardsituationen besser reagieren. Das hat er in diesem Moment nicht getan. Aber das wird schon noch.

Wenn man sich dagegen Lahm anschaut, dann muss man sagen, er hatte auch in diesem Spiel seine Probleme. Er bringt natürlich seine Leistung, aber er wackelt. Ich weiß nicht, wie die Trainingsleistung von Bastian Schweinsteiger ist, aber es wäre mit Sicherheit eine Überlegung wert, Lahm wieder in die Verteidigung zu ziehen und Schweinsteiger zusammen mit Khedira auflaufen zu lassen.

Es ist schon interessant, dass sich die deutsche Mannschaft in zweiten Spielen bei großen Turnieren immer schwer tut. Normalerweise ist an einem zweiten Spiel überhaupt nichts schwierig. Aber es liegt wohl einfach daran, dass es in den zweiten Spielen für den Gegner meistens schon um alles geht. Das sieht man nicht nur in unserer Gruppe, sondern auch bei anderen. Wenn ich bedenke, dass ich vor der WM dachte, Costa Rica hat überhaupt keine Chance und jetzt sind die schon durch. Da muss man ja fast glauben, man selbst hat gar keine Ahnung mehr. Aber da sieht man mal, was da los ist. Im Moment gibt es einfach keine Großen mehr im Fußball. Argentinien gegen Iran war zum Beispiel ganz extrem. Es geht einfach überall eng zu.

Und wie zum Beispiel Costa Rica und die Chilenen auftreten, das ist toll. Trotzdem brauchen wir nicht von Weltmeisterambitionen bei diesen Mannschaften sprechen. Ich glauben und wünsche mir natürlich immer noch, dass es Deutschland wird.

Andreas Brehme ist der Weltmeister-Held von 1990. Im Endspiel in Rom gegen Argentinien verwandelte der gebürtige Hamburger den Elfmeter zum 1:0 und bescherte Deutschland damit den ersten Weltmeistertitel seit 1974. Für unser Portal kommentiert er jedes Spiel der deutschen Nationalmannschaft exklusiv als Experte.