Kaum ein anderer weiß besser, wie man Weltmeister wird. Der Elfmeter-Held von 1990, Andreas Brehme, begleitet exklusiv für unser Portal die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien als Experte. Das sagt er zu dem 2:1 von Deutschland gegen Algerien im Achtelfinale.

Das war ein richtig schlechtes Spiel. Da war nichts drin. Vor allem in der ersten Halbzeit. Es gibt kein Aufbäumen. Da fehlt die Leidenschaft. Eigentlich müsste man doch gerade in so einem Achtelfinale sagen: Jetzt geht die WM erst richtig los. Da muss man ganz anders reingehen. Da muss man fighten. Aber das habe ich bei der deutschen Mannschaft vermisst.

Deutschland gewinnt dramatische Partie gegen Algerien.

Die Algerier hingegen haben das für ihre Verhältnisse richtig gut gemacht. Gerade in der ersten Halbzeit sind sie im Mittelfeld richtig energisch zur Sache gegangen, haben gut gekämpft und nicht unfair gespielt.

Die zweite Halbzeit war dann schon besser von der deutschen Mannschaft. Andre Schürrle hat viel Schwung reingebracht und hatte auch gleich Chancen. Aber eines ist auch klar: Das DFB-Team hatte viel Glück, dass das 1:0 so früh in der Verlängerung gefallen ist. Wenn das länger dauert, kann das ganz anders ausgehen.

Es muss einfach mehr Leidenschaft kommen. Das ist zu wenig. Der Trainer kann da im ersten Moment gar nicht viel machen. Das muss einer aus der Mannschaft übernehmen. Und das hat gegen Algerien niemand gemacht.

Einer, der das aber mit Sicherheit kann, ist Bastian Schweinsteiger. Der braucht allerdings noch ein bisschen Zeit. Auch wenn es natürlich Wahnsinn ist, dass er heute schon über 90 Minuten durchgehalten hat. Aber ich würde auf Schweinsteiger zählen, dass er das Heft in die Hand nimmt. Auch Philipp Lahm ist der Typ dazu. Aber er hat bei dieser WM noch nicht die Form gezeigt, die er im Normalfall zeigen müsste. Das macht es für ihn schwer, jetzt zum Wortführer zu werden. Deshalb ist Schweinsteiger da ein Stück weiter vorne.

Immerhin: Eines hat das Spiel gezeigt. Schweinsteiger und Sami Khedira kann man sehr wohl nebeneinander spielen lassen. Wenn beide fit sind, sind sie eine Bereicherung für die deutsche Mannschaft. Sie sind beide ballsicher und können dem Spiel Stabilität geben.

An dem Ausfall von Mats Hummels würde ich die Schwierigkeiten des deutschen Teams gegen Algerien nicht festmachen. Gegen einen solchen Gegner kann man das eigentlich nicht als Maßstab nehmen. Wenn es gegen Frankreich geht, also ein anderes Kaliber kommt, und die Abwehr wirklich Probleme kriegt, dann würde Hummels viel mehr fehlen. Na klar, die Abwehr hat heute auch in manchen Szenen nicht gut ausgesehen. Das lag aber nicht an Mustafi, sondern daran, dass die ganze Mannschaft geschlafen hat.

Andreas Brehme ist der Weltmeister-Held von 1990. Im Endspiel in Rom gegen Argentinien verwandelte der gebürtige Hamburger den Elfmeter zum 1:0 und bescherte Deutschland damit den ersten Weltmeistertitel seit 1974. Für unser Portal kommentiert er jedes Spiel der deutschen Nationalmannschaft exklusiv als Experte.