Bereits ein Unentschieden reicht Deutschland und den USA im letzten Spiel der Gruppe G zum Erreichen des WM-Achtelfinales. Da war doch schon mal was, dass Deutschland ein bestimmtes Ergebnis zum Weiterkommen brauchte. Droht uns etwa die "Schande von Recife"?

Fußball-Nostalgikern und Algeriern schwillt noch heute der Kamm, wenn sie an das WM-Vorrundenspiel 1982 zwischen Deutschland und Österreich denken. Deutschland musste gewinnen, um die Zwischenrunde zu erreichen, Österreich durfte nicht allzu hoch verlieren. Klingt nach einem knappen Sieg für Deutschland, und genau so kam es auch. Nach dem Führungstor von Horst Hrubesch in der 10. Minute stellten beide Mannschaft in der zweiten Hälfte jegliche Bemühungen, ein fußballähnliches Spiel auf den Rasen zu bringen, ein. Es blieb beim 1:0, Algerien war raus. Auch wenn den beiden um ihren eigenen Vorteil bedachten Mannschaften im Grunde nichts vorzuwerfen war, steht das Spiel als "Schande von Gijon" heute in allen Fußball-Almanachen.

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Und jetzt also bei Deutschland gegen USA ein Spiel mit ähnlichen Voraussetzungen. Nach zwei Spieltagen in Gruppe G stellt sich die Tabelle wie folgt dar:

PlatzMannschaftSpSUNToreDifferenzPunkte
1Deutschland21106:2+44
2USA21104:3+14
3Ghana20113:4-11
4Portugal20112:6-41

Damit ist klar: Deutschland und die USA brauchen nur noch einen Punkt, um ins Achtelfinale einzuziehen. Doch von einem Nichtangriffspakt wollen die Beteiligten nichts wissen. "Wir haben die Qualität, aus der Gruppe als Erster rauszukommen, und das muss das Ziel sein", macht Lukas Podolski schon mal deutlich, dass Deutschland auf Sieg spielen wird. US-Coach Jürgen Klinsmann gibt einen Einblick in die Mentalität seiner Wahlheimat: "Wir sind nicht gemacht für Unentschieden." Auch Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hält eine Absprache für "ausgeschlossen".

Kann die Fifa eine neue "Schande" verhindern?

Es gibt jedoch ein paar Szenarien, die zu einem ähnlichen Spielverlauf wie beim "Vorbild" aus dem Jahr 1982 führen könnten. Deutschland kann sich aufgrund seiner guten Tordifferenz nämlich auch eine knappe Niederlage erlauben, wenn keiner der Beteiligten in der Parallelpartie Ghana und Portugal Tore schießt wie wild. Steht es also beispielsweise zur 60. Minute 1:0 für die Amerikaner, während sich in dem zeitgleich laufenden Spiel wenig tut, wäre Jogi Löws Elf schlecht beraten, weiter vogelwild anzugreifen und womöglich weitere Treffer zu kassieren.

Weiteres Szenario: Bestätigt Ghana den guten Eindruck aus dem Spiel gegen Deutschland und spielt Portugal weiter so schwach wie bisher, ist ein hoher Sieg der Afrikaner nicht ausgeschlossen. Sollte es also irgendwann 4:0 für Ghana stehen und bei Deutschland gegen die USA immer noch unentschieden, wären beide Teams gut beraten, nicht mehr zu verlieren. Auch wenn beide Seiten also betonen, voll auf Sieg spielen zu wollen - abhängig vom Spielverlauf wäre das irgendwann ziemlich bekloppt.

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Stellt sich die Frage: Hat die Fifa irgendwelche Möglichkeiten, einen solchen nach Absprache riechenden Spielverlauf zu verhindern? Immerhin hat der Fußball-Weltverband für alles eine Regel. Die Antwortet lautet natürlich nein, solange sich keine Manipulation nachweisen lässt. Und die Fifa hat sich auch schon einige Regelungen überlegt, die das eben verhindern sollen. Fanden die letzten Vorrundenspiele 1982 noch zeitlich versetzt statt, liefen sie schon bei der Europameisterschaft 1984 zeitgleich. Auch die 1992 eingeführte Rückpassregel, von der die Deutschen und Österreicher in Gijon gerne und oft Gebrauch machten, soll verhindern, dass es sich eine Mannschaft mit dem Ball allzu bequem macht.

Der Schiedsrichter aber beispielweise hat keinerlei Einfluss darauf, wie die Mannschaften ihr Spiel gestalten - weder gibt es eine 24-Sekunden-Regel wie im Basketball, innerhalb derer ein Angriff zum Abschluss gebracht werden muss, noch kann der Referee passives Spiel wie im Handball sanktionieren.

Es kann also gut sein, dass das Spiel am Donnerstag ab einem gewissen Zeitpunkt verflacht, weil beide Mannschaften mit dem Spielstand zufrieden sind. Eine neue "Schande" wäre das aber nicht - denn wer will es ihnen verdenken? Sowohl Ghana als auch Portugal hätten sich in dieselbe komfortable Ausgangssituation bringen können.