Welttorhüter gegen Weltfußballer: Im ersten Spiel der WM in Brasilien bekommen es Manuel Neuer und Co. gleich mit dem wohl stärksten Gruppengegner zu tun. Bei Portugal dreht sich alles um Cristiano Ronaldo, aber die DFB-Elf muss sich nicht nur vor dem Superstar in Acht nehmen. Die voraussichtlichen Aufstellungen im Positionsvergleich.

Tor: Manuel Neuer gegen Rui Patricio

Deutschlands unumstrittene Nummer eins Manuel Neuer ist auf dem Sprung, einer der Größten seiner Zunft zu werden. Der Torwart vom FC Bayern München ist ballsicher, durchsetzungsfähig und nervenstark. Im Nebenjob gibt er auch den Libero. Mit seinem Spiel prägt der amtierende Welttorhüter eine ganze Generation von Schlussmännern. Als deutscher Keeper hat er natürlich auch das Elfmeterkiller-Gen. Seine Ausflüge bis an die Mittellinie sind allerdings manchmal sehr riskant, auch seine angeblich auskurierte Schulterverletzung sorgt weiter für Fragezeichen.

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Sein Kollege hat keinen so bekannten Namen. Rui Patricio von Sporting Lissabon hat bisher 30 Länderspiele absolviert. Die Titelkämpfe in Brasilien sind seine erste WM. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Portugal im Gruppenspiel der EM 2012 wurde er von Mario Gomez bezwungen.

Unsere Wertung: Vorteil für Deutschland

Abwehr: Jerome Boateng, Per Mertesacker, Mats Hummels, Benedikt Höwedes gegen Joao Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fabio Coentrao

Jogi Löw wird gegen Portugal wohl vier gelernte Innenverteidiger auf das Feld schicken. Übereinandergestellt bilden Boateng, Mertesacker, Hummels und Höwedes eine 7,68 Meter hohe Mauer und überragen damit die portugiesische Abwehr um 40 Zentimeter. Das erinnert eher an ein Schlachtschiff als einen flotten Segler, untypisch für den eleganten Löw. Gemeinsam sollen sie Portugals stärkste Waffe, Cristiano Ronaldo, aufhalten.

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Nachteil: Die vier Abwehrspieler treten für vier unterschiedliche Vereine an und haben noch nie in dieser Formation zusammengespielt. Zudem fühlen sich Boateng und Höwedes in ihrer Rolle als Außenverteidiger nicht gerade wohl. Offensivaktionen sind von ihnen kaum zu erwarten. Das gilt allerdings auch für den Gegner.

Die portugiesische Defensive ist nicht gerade für ihre Stabilität bekannt. In der WM-Qualifikation kassierte Portugal selbst gegen Gegner wie Luxemburg und Nordirland einige Tore und qualifizierte sich deshalb erst in den Playoffs gegen Schweden für das Turnier. Doch gerade Pepe hat in der vergangenen Saison bei Real Madrid seine Kritiker verstummen lassen. In den letzten Spielen der Champions League zeigte er eine überragende Leistung. Auch seine Mitstreiter vor dem portugiesischen Tor sind international erfahren.

Unsere Wertung: Unentschieden

Defensives Mittelfeld: Philipp Lahm und Sami Khedira gegen Miguel Veloso und Raul Meireles

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Löws Motto scheint bei der WM zu lauten: Gezaubert wird vorne. Auch deswegen will er seine Allzweckwaffe Philipp Lahm deutlich zentraler als auf seiner gewohnten Position in der Außenverteidigung spielen lassen. Unter Bayern-Trainer Pep Guardiola durfte sich der Kapitän erstmals als Sechser versuchen. Lahm hat seitdem bei jeder Gelegenheit betont, wie viel Spaß ihm der neue Job macht. Bei Löw ist die Botschaft angekommen.

Auch wenn Lahm einer der spielintelligentesten Fußballer der Welt ist: Seine Unerfahrenheit auf der neuen Position und die mangelnde Spielpraxis von Sami Khedira könnten in der Summe zum Problem werden. Der in Rekordzeit genesene Mittelfeldspieler von Real Madrid überzeugte bei den ersten Einsätzen seit seiner Verletzung, allerdings ist fraglich, wie verlässlich Khedira seine Leistung bereits abrufen kann. Wertvoll macht ihn in jedem Fall, dass er Portugals wichtigste Akteure Cristiano Ronaldo, Pepe und Fabio Coentrao aus dem Verein bestens kennt.

Ihre Gegenüber bewegen sich sicher auf internationalem Parkett. Miguel Veloso von Dynamo Kiew gehört bei den deutschen Fans zwar zu den weniger bekannten Gesichtern. Doch die Unbekannte kann auch zum Vorteil Portugals werden. Sein Kollege Raul Meireles hat sich dagegen bei seiner Zeit in Liverpool, Chelsea und aktuell bei Fenerbahce Istanbul einen Namen gemacht. Er ist ein schneller und cleverer Spieler, aufgrund seiner ungestümen Art aber auch immer ein Kandidat für eine Gelbe oder gar Rote Karte.

Unsere Wertung: Leichter Vorteil für Deutschland

Offensives Mittelfeld: Toni Kroos, Mesut Özil, Lukas Podolski gegen Joao Moutinho, Nani, Cristiano Ronaldo

Ein Name überragt bei Portugal alles: Cristiano Ronaldo. Der Superstar schoss seine Nation mit vier Toren in den Playoffs gegen Schweden zur Weltmeisterschaft. Um ihn dreht sich alles, doch das ist das Problem: Ist Ronaldo nicht in Form, wird es für Portugal ganz schwer, auch wenn Joao Moutinho und Nani ebenfalls gute Offensivspieler sind. Eine ganze Nation sorgt sich um jedes Wehwehchen des noch immer angeschlagenen Ronaldo. Im Champions-League-Finale glänzte der Weltfußballer einzig mit seinem durchtrainierten Oberkörper. Im Spiel selbst blieb er blass. Ein Vorteil für die DFB-Elf?

Seit Jahren wird Deutschland für seine Offensivabteilung gerühmt. Vor allem auf Ronaldos ehemaligen Teamkollegen Mesut Özil richten sich die Blicke. Der Zauberfußballer hat jedoch eine durchwachsene Saison hinter sich. Deutschlands teuerster Transfer aller Zeiten konnte den hohen Erwartungen der Fans vom FC Arsenal nur selten gerecht werden. Der sensible Özil musste viel Kritik von den englischen Medien und auch von seinem Coach Arsene Wenger einstecken.

Doch in Brasilien soll alles besser werden: Von Löw bekam Özil eine öffentliche Seelenmassage verabreicht. Der Bundestrainer prophezeite dem Zauberfußballer eine starke WM. Hoffnung machte bei den Testspielen zudem ein überragend aufgelegter Lukas Podolski. Dennoch haben die Portugiesen in Sachen Offensivpower leicht die Nase vorn.

Unsere Prognose: Vorteil für Portugal

Stürmer: Thomas Müller gegen Hugo Almeida

Nein, Thomas Müller ist kein klassischer Stürmer. Doch da Deutschlands einziger nomineller Angreifer Miroslav Klose mit 36 Jahren nicht mehr der Jüngste ist, wird wohl der Bayern-Spieler zum Zug kommen. Immerhin wurde der damals 20-Jährige auch als Nicht-Stürmer bei seiner Debüt-WM 2010 gleich zum Torschützenkönig. Der Bayern-Star, der sich selbst einmal als "Mann ohne Beinmuskeln" bezeichnet hat, brennt auch darauf, es seinem Trainer Guardiola zu beweisen, bei dem Müller zuletzt nicht erste Wahl war.

Anders als Müller ist Portugals Sturmspitze Hugo Almeida kein Turnierspieler. Bei der EM 2012 blieb er unauffällig und torlos. Der frühere Spieler von Werder Bremen scheint jedoch rechtzeitig in Schwung zu kommen: Beim letzten Testspiel gegen Irland steuerte er zwei Treffer bei.

Unsere Prognose: Vorteil für Deutschland