Es ist, als ob jemand plötzlich kaltes Wasser ins Grillfeuer schüttet: Nach grandiosen Auftakterfolgen vermiest die deutsche Nationalmannschaft ihren Fans häufig mit einem schlechten zweiten Spiel die Stimmung. Stolpert Deutschland auch bei der WM 2014?

Ein Platzverweis für Miroslav Klose, ein Gegentor und auch noch ein vergebener Elfmeter von Lukas Podolski: Nach der Niederlage gegen Neuling Serbien bei der Weltmeisterschaft 2010 war Deutschland fassungslos. Sogar der sonst so souveräne Jogi Löw warf wutentbrannt seine Wasserflasche auf den Boden.

So gefährlich sind unsere weiteren Gruppengegner Ghana und USA.

Deutschland muss um das Achtelfinale zittern

Dabei galten die Gescheiterten doch als "neue Helden des Weltfußballs", wie nicht nur Kommentator Bela Rethy sie nannte. Zu Beginn der WM in Südafrika fegten sie mit 4:0 über Gegner Australien hinweg. Doch durch die Schlappe im zweiten Spiel mussten sie plötzlich um die Teilnahme am Achtelfinale bangen. Entsprechend nervös ging die Nationalmannschaft um Kapitän Philipp Lahm in die letzte Partie gegen Ghana, in der Deutschland erst durch den Siegtreffer von Mesut Özil erlöst wurde.

Auch bei der WM 2006 hatte die DFB-Elf die aufflammende Euphorie im eigenen Land beinahe wieder erstickt. Nach dem 4:2-Auftaktsieg gegen Costa Rica gewannen die Deutschen nur sehr glücklich gegen Polen. Erst in der Nachspielzeit erzielte Oliver Neuville das Tor zum knappen Sieg.

Deutschland gewinnt mit 4:0 gegen Portugal bei der WM 2014 in Brasilien. Dank Thomas Müller und der DFB-Elf sind die deutschen Fans im Fußballfieber. Dennoch ist die deutsche Mannschaft noch lange nicht am Ziel angekommen. Das darf man bei all der Euphorie nicht vergessen.

Vier Jahre zuvor feierte das Nationalteam im ersten Gruppenspiel sogar ein Schützenfest gegen Saudi-Arabien. Mit einem 8:0-Sieg im Rücken trafen die Spieler auf Irland - und erlebten eine Ernüchterung. Nur ein Unentschieden gab es gegen die wehrhaften Iren. Erst im letzten Spiel gegen Kamerun konnte die DFB-Elf den Einzug in die nächste Runde mühsam klar machen.

Es lässt sich nicht leugnen: Mit dem zweiten Spiel hatte das DFB-Team in der jüngeren Vergangenheit immer Probleme. Nach dem umjubelten Auftakt fällt die nächste Partie deutlich schwächer aus, wenn sie nicht gar zum Fiasko wird. Ein Umstand, der vor dem Spiel gegen Ghana am Samstag den Fans Sorgen machen dürfte. Schließlich wird in Deutschland nach dem klaren Sieg gegen Portugal schon wieder vom WM-Titel geträumt.

Auch wenn die Nationalspieler in Interviews brav beteuern, dass noch nichts gewonnen sei, dürften sich doch viele Gedanken schon um mehr als den nächsten Gegner drehen. Löw ist gefragt, seine Mannschaft hochkonzentriert ins Spiel gegen Ghana zu schicken, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

WM 1954: Der Trick von Sepp Herberger

Das Muster der problematischen zweiten Spiele gab es übrigens schon bei der WM 1954: Damals verlor Deutschland im zweiten Spiel haushoch gegen den damaligen Favoriten Ungarn. Doch die 3:8-Klatsche war ein raffinierter Trick von Nationaltrainer Sepp Herberger. Er schonte seine besten Fußballer für das folgende Entscheidungsspiel gegen die Türkei, das die DFB-Elf wie schon in der ersten Partie für sich entschied. Beim erneuten Aufeinandertreffen mit der siegessicheren "Wunderelf" aus Ungarn im Finale gewann das Team um Fritz Walter und Helmut Rahn dann bekanntlich mit 3:2.