Acht Spieler des FC Bayern treffen bei der WM 2014 im Halbfinale Brasilien gegen Deutschland aufeinander. Nur Dante spielt auf Seiten der Brasilianer. In einem möglichen Finale gegen die Niederlande würden mit Louis van Gaal und Arjen Robben zwei weitere Bayern-Insider auf das DFB-Team warten. Wie gefährlich sind diese FCB-"Spione" für die deutsche Elf?

Superstar Neymar fehlt den Brasilianern im WM-Halbfinale gegen Deutschland. Auch Kapitän Thiago Silva wird wegen einer Gelbsperre nicht auflaufen. Brasilien geht scheinbar geschwächt am Dienstag in die Partie. Scheinbar, denn die Gastgeber haben in Dante und Luiz Gustavo zwei Insider des FC Bayern München in ihren Reihen. Sie kennen die FCB-Stars, die zum großen Teil das Grundgerüst der DFB-Elf bilden: Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Mario Götze, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller. So unberechenbar sie für manch andere Mannschaften erscheinen, für Dante und Luiz Gustavo sind sie wie ein offenes Buch.

Beispiel Dante

Dante wird voraussichtlich Thiago Silva auf der Innenverteidiger-Position ersetzen. Und er wird hochmotiviert in die Partie gegen Deutschland gehen. Zum einen ist es sein erstes Spiel für Brasilien bei dieser WM. Zum anderen trifft Dante auf seine Vereinskollegen vom FC Bayern.

Eine Spezialität des 30-Jährigen ist es, die Passwege zuzustellen. Wenn man außerdem die Offensivabteilung des FC Bayern so gut kennt und weiß, wo der Ball hingehen soll, ist das natürlich ein weiterer Pluspunkt.

Sein FCB-Teamkollege Bastian Schweinsteiger ist gewarnt: "Wir wissen, was er für Stärken und Schwächen hat. Anderseits weiß er das von uns auch", sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Außer bei Thomas Müller. Da weiß man nie, was kommt."

Die DFB-Elf hat aber einen anderen Vorteil. Das voraussichtliche Innenverteidiger-Duo der Brasilianer, David Luiz und Dante, ist nicht sonderlich eingespielt. Da nützt auch Insider-Wissen über den Gegner wenig, wenn die beiden nicht harmonieren.

Beispiel Luiz Gustavo

Der Ex-Bayernspieler Luiz Gustavo, heute beim VfL Wolfsburg, kehrt wohl nach abgesessener Gelbsperre wieder in die Startformation der Brasilianer zurück. Schon zu Bayernzeiten (2011 bis 2013) war er als Abräumer im defensiven Mittelfeld bekannt und kennt seine früheren Teamkollegen wie Kroos oder Müller noch sehr gut.

Der 26-Jährige weiß, wo er den Bayernspielern weh tun kann – nicht nur spielerisch, sondern auch physisch. Luiz Gustavo geht nicht zimperlich zu Werke. Überhaupt sammelte Brasilien im Verlauf des Turniers bereits zehn Gelbe Karten. Luiz Gustavo steuerte bereits zwei dazu bei.

Deutsche Spieler sahen bisher erst viermal Gelb. Aus Angst vor einer weiteren Gelben Karte muss sich Luiz Gustavo nicht zurückhalten. Er kann dadurch nicht fürs Finale gesperrt werden. Der Mittelfeld-Abräumer wird also wenig Rücksicht auf Spieler wie Bastian Schweinsteiger nehmen. Gerade mit ihm spielte Luiz Gustavo oft zusammen auf der Sechs. Er weiß, wie Schweinsteiger diese Rolle interpretiert. Und auch wie man ihn stoppen kann.

Beispiel Louis van Gaal

Denken wir einen Schritt weiter: Sollte Deutschland das Finale erreichen, könnte die Niederlande auf Jogi Löws Team warten. Auch wenn sein Trainer-Engagement bei den Bayern schon drei Jahre zurückliegt - kaum ein anderer kennt die Spielphilosophie des FCB wie er. Es war van Gaal, der den Bayern den dominanten Ballbesitz-Fußball einimpfte, den sie und die deutsche Nationalelf heute noch spielen.

Selbst Philipp Lahm sagte einmal, dass van Gaals Spielidee den Grundstein für den Champions-League-Triumph der Bayern 2013 legte. Van Gaal weiß, wo die Schwächen des Ballbesitz-Fußballs liegen. Und er wird versuchen, diese gnadenlos auszunutzen.

Außerdem spielten beim FC Bayern unter van Gaal auch Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos und Miroslav Klose. Thomas Müller förderte er und holte ihn überhaupt erst zu den Profis. Van Gaal weiß von den Qualitäten dieser Spieler und hat sie nicht vergessen. Erst vor Kurzem hatte er vergeblich versucht, Müller zu seinen neuen Verein Manchester United zu holen, den er nach der WM trainiert.

Beispiel Arjen Robben

Der Aktivposten der Niederländer, Arjen Robben, wird auch bei einem möglichen Spiel gegen Deutschland für Furore sorgen. Über rechts wirbelt er stets Abwehrreihen durcheinander. Sollte Jogi Löw seine Aufstellung vom Frankreich-Spiel beibehalten, würde Robben auf der rechten Seite auf Mats Hummels und Benedikt Höwedes treffen. Beide spielen aber nicht beim FC Bayern.

Es ist wahrscheinlich, dass Löw Robben einen Bayern-Bewacher wie Jerome Boateng an die Fersen heftet, der seine Dribblings kennt. Einen kleinen Vorteil hätte Robben trotzdem. Er ist der Angreifer, sein Gegner muss reagieren.

Mit seinen berühmten Sololäufen, bei denen er nach innen zieht und schießt, wird er sicherlich auch seinen Teamkollegen Manuel Neuer im Tor prüfen wollen. Vielleicht hat Robben sogar ein Rezept dafür, wie man den bei der WM bärenstarken Torhüter überwindet.

Fazit

Egal ob Dante, Luiz Gustavo, Louis van Gaal oder Arjen Robben – alle kennen sie das Bayern- und damit zum Teil auch das Spielsystem Deutschlands bestens. Die Brasilianer können ihrem Trainer Luiz Felipe Scolari wertvolle Tipps geben, Bondscoach Louis van Gaal kennt die Bayern selbst.

Auch die deutschen Spieler können Jogi Löw auf ihre (früheren) Vereinskollegen oder Trainer einstellen. Hier sind es aber nur Tipps, die Einzelspieler betreffen – nicht eine ganze Spielphilosophie.