Der FC Bayern gibt sich geduldig, das Trainerteam von Bundestrainer Jogi Löw hoffnungsvoll. Dennoch weiß niemand so genau, wie es um Manuel Neuers "Fuß der Nation" derzeit wirklich bestellt ist und wann Fußballdeutschland auf eine Rückkehr des Welttorhüters hoffen darf.

Olympia ist vorbei, nun konzentriert sich die Sportwelt auf das nächste Großereignis: die WM in Russland. Im Juni startet das Turnier, die Mission Titelverteidigung hat für die deutsche Nationalmannschaft aber schon längst begonnen. Ein vorläufiger Kader steht im Kopf von Bundestrainer Jogi Löw vermutlich schon fest, am 23. und 27. März finden die ersten Länderspiele des Jahres statt. Die Partien gegen Spanien und Brasilien stuft Co-Trainer Thomas Schneider "richtungsweisend für die Weltmeisterschaft" ein.

"Wir spielen gegen zwei der besten Teams der Welt, die auch den Anspruch haben, bei der WM den Titel zu gewinnen. Es wird den Status quo der Mannschaft zeigen", erklärte Schneider unlängst vor Journalisten.

Einer, der bei diesen richtungsweisenden Terminen nicht dabei sein wird, ist Manuel Neuer. Der Torhüter des FC Bayern arbeitet nach seinem erneuten Mittelfußbruch im September weiterhin an seinem Comeback und keiner weiß so genau, wie lange noch.

"Er ist auf einem sehr guten Weg"

Die Wasserstandsmeldung, die Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge unlängst via "FC Bayern.tv live" verbreitete, hilft bei einer Einschätzung nicht unbedingt weiter. "Er ist auf einem sehr guten Weg. Auch mental macht er einen guten Eindruck. Wir sind alle optimistisch, dass er noch in dieser Saison wieder für den FC Bayern spielt“, sagte er und wiederholte damit gebetsmühlenartig, was auch Manuel Neuer selbst im Abstand von einigen Wochen immer wieder Journalisten in die Mikrofone diktiert. Die Botschaft: Es geht vorwärts. Was sich Außenstehende dazu denken dürften: Ja schon, aber im Schneckentempo.

Erst vor Kurzem verbrachte der Torhüter einige Tage in Thailand und trieb dort seine Genesung weiter voran.

Der "Kurzurlaub in Absprache mit der medizinischen Abteilung", wie der FC Bayern den Ausflug offiziell kommunizierte, war offenbar auf Anraten von Trainer Jupp Heynckes gebucht worden. Neuers trauriger Blick auf seine Kollegen auf dem Rasen, während er sich tagtäglich im Trainingstrakt der Säbener Straße abmühen muss, war an seinem Trainer ganz offenbar nicht vorbeigegangen.

Neuer nach Thailand zu schicken, war offenbar nicht die schlechteste Idee, wenn man Rummenigge glauben darf: "Den Urlaub hat er genutzt, um sich nicht nur zu regenerieren, sondern auch, um wieder die ersten Schritte Richtung Rückkehr zu bewerkstelligen", erklärte er im "Bayern.tv".

Der "kicker" berichtete Mitte Februar, Neuers linker Mittelfußknochen sei wieder stabil zusammengewachsen. Gehen sei mit voller Belastung möglich. Leichtes Lauftraining auf dem Band auch - allerdings nur gewichtsreduziert. Das klingt doch eigentlich nicht schlecht. Aber warum geht die Genesung dann trotzdem so langsam voran, warum lässt sich Neuer so viel Zeit?

Auf keinen Fall ein Risiko eingehen

Die Antwort ist einfach: Weder der Spieler noch der Verein wollen auch nur den Hauch eines Risikos eingehen. Sollte Neuer zu früh wieder in den Profibetrieb einsteigen und sein Fuß noch einmal brechen, droht ihm das Karriere-Aus.

Man müsse "auf Nummer sicher gehen", erklärte Neuer bei "Bayern.tv". Die oberste Devise lautet: "Nur keine Fehler machen. Eine weitere Verletzung an dem Knochen wäre suboptimal für mich. Deshalb muss ich mir einfach die Zeit nehmen und so lange pausieren, bis alles hundert Prozent in Ordnung ist".

Während der FC Bayern seinem Torhüter alle Zeit der Welt einräumt, um wieder fit zu werden, wartet Fußballdeutschland dennoch ungeduldig darauf, Neuer endlich wieder im Tor zu sehen. Denn wie auch Löws Assistent Schneider weiß: "Wenn Manu fit ist, ist er der beste Torhüter der Welt". Und damit ein Schlüsselspieler im Kampf um die Titelverteidigung.

Über einen Plan B will sich das Team um Jogi Löw laut eigenem Vernehmen keine Gedanken machen, auch wenn Deutschland mit Marc-André ter Stegen eine hervorragende Alternative auf Neuers Position hat.

Ein bisschen Zeit bleibt Neuer noch, um sich auf dem Rasen zurückzumelden. Sicher ist, um bei der WM in voller Blüte im Tor stehen zu können, braucht er Spielpraxis. Und zwar möglichst bald.

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