Der Weltmeister ist raus: Die deutsche Nationalmannschaft muss nach einem desaströsen 0:2 gegen Südkorea nach Hause fahren. Das Vorrunden-Aus ist das schlechteste Ergebnis der deutschen WM-Geschichte.

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  • Erstes WM-Vorrunden-Aus der deutschen Geschichte
  • Kim und Son schießen Südkorea zum Sieg
  • Schweden und Mexiko im Achtelfinale
  • Die letzten drei Weltmeister schieden bei Folge-WM in Vorrunde aus

Die Highlights des Spiels

19. Min.: Uiuiuiuiui, fast das 1:0 für Südkorea! Jung hämmert den Ball aufs Tor, eigentlich eine sichere Beute für Neuer. Doch der DFB-Keeper lässt den Ball nach vorne abprallen, Son rauscht heran, doch Neuer faustet den Ball so eben noch weg zum Eckball. Mensch, war das knapp.

48. Min.: Da ist die Riesen-Chance für Deutschland! Schöne Kombination, der Ball landet rechts bei Kimmich. Der Bayern-Star mit der Flanke auf Goretzka, der aus sieben Metern frei zum Kopfball kommt, doch Cho kommt noch mit den Fingerspitzen an den Ball. Das muss das 1:0 sein!

66. Min.: Wahnsinn in Deutschlands Defensive! Südkorea in Überzahl, doch die Asiaten verdribbeln sich im Strafraum, am Ende ist Türsteher Hummels der Spielverderber.

87. Min.: NEEEEEEIN!!!!! Das gibt's doch nicht!!! Özil mit der perfekten Flanke, Hummels läuft in den Strafraum, will köpfen, bekommt den Ball aber an die Schulter, von dort geht dieser neben das Tor. DIE RIESEN-CHANCE!!!!!!

92. Min.: Südkorea jubelt! Kim trifft in der Nachspielzeit. Das Tor wird erst nicht gegeben, aber vom VAR gecheckt. Tendenz: Das Tor müsste zählen, weil der Ball von Kroos. Und das Tor zählt! 1:0 für Südkorea.

96. Min.: Die Entscheidung! Das 2:0 für Südkorea! Neuer rückt mit auf, verliert den Ball. Die Kugel wird lang geschlagen, Son läuft aufs leere Tor und schiebt zum 2:0 ein.

Die Reaktionen zum Spiel

Joachim Löw (Bundestrainer): "Es ist für uns eine riesige Enttäuschung. Wir müssen schauen, dass wir das jetzt annehmen. Gratulation an die Gegner, die uns besiegt haben, wir haben es auch nicht verdient, weiterzukommen. Wir haben es nicht geschafft, ein Tor zu erzielen, in Führung zu gehen. Das hat sich das ganze Turnier durchgezogen. Der Mannschaft hat irgendwie die Leichtigkeit gefehlt. Unser Kombinationsfluss, unsere Sicherheit waren einfach nicht vorhanden. Wir haben es nicht auf den Platz gebracht, haben nicht mit dieser Dynamik gespielt. Der Plan war auf jeden Fall da. Woran es jetzt gelegen hat, das kann ich in diesem Moment nicht sagen. Ich muss jetzt die Verantwortung dafür übernehmen, klar. Der gesamte deutsche Fußball, wir alle haben verloren. Nicht nur ein Spiel, sondern vieles von dem, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben. Natürlich bin ich der Erste, der sich hinterfragen muss und überlegen muss, welche Dinge schiefliefen. Da muss ich jetzt eine Nacht drüber schlafen, so kurz nach dem Spiel bin ich total frustriert und enttäuscht. Ich trage die Verantwortung. Das ist zu früh für mich die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden um klar zu sehen. Auch bei mir ist die Enttäuschung tief drin. Das hätte ich mir nicht vorstellen können."

Oliver Bierhoff: "Es ist einfach großer Frust und Riesen-Enttäuschung. Am Ende hat es nicht gereicht, das müssen wir akzeptieren. Am Ende ist es einfach doch zu wenig."

Mats Hummels: "Wir haben bis zum Schluss daran geglaubt, selbst nach dem 0:1. Aber wir haben den Ball nicht ins Tor gebracht. Wir hatten genug Gelegenheiten. Das hat uns heute das Genick gebrochen. Das letzte überzeugende Spiel, das wir abgeliefert haben, war im März 2017. Das ist ein bisschen lange her. Wenn ich den in der 86. Minute rein mache, reden wir darüber, wie geil es ist, dass wir weitergekommen sind. Jetzt reden wir leider über was anderes. Ein ganz bitterer Tag für alle deutschen Fußball-Fans."

Weltmeister Christoph Kramer: "Ich fand, das war nicht der Fußball, den wir gewohnt sind, mit dem wir verwöhnt sind. Irgendwie passte es auf dem Platz mit der Chemie nicht so richtig."

Ex-Nationalspieler Oliver Kahn: "Das Nationaltrikot wiegt für jeden mehrere Tonnen, wie eine Last die auf den Spielern liegt. Man hat nicht das Gefühl gehabt, dass in dieser Mannschaft eine Achse vorhanden ist. Es bleibt ein Rätsel, wie man in so einem Zustand der phasenweisen Apathie dieses letzte Gruppenspiel hingenommen hat."

Der Star des Spiels

Südkorea ist nun wahrlich nicht als Torhüter-Nation bekannt. Doch es war ausgerechnet der südkoreanische Torhüter Hyun-Woo Cho, der nie außerhalb der schwachen südkoreanischen K League gespielt und auch international keine großen Erfahrungen gesammelt hat, der Deutschland zur Verzweiflung brachte. In den wenigen guten Phasen des Spiels, als Leon Goretzka zum Beispiel zu einer guten Kopfballgelegenheit kam, war Cho zur Stelle.

Die Szene des Spiels

Die DFB-Auswahl lieferte wenig Grund zur Freude. Für ein Grinsen sorgte dafür Kommentator Bela Rethy, der wegen des lahmen Spiels der deutschen Nationalmannschaft anmerkte: "Das ist keine Zeitlupe, das ist Realgeschwindigkeit." Der Hinweis war durchaus berechtigt. Wer nämlich noch das deutsche Offensiv-Spektakel der WM 2014 vor Augen hat, konnte durchaus auf die Idee kommen, er wäre bei der Fernbedienung irgendwie auf die falsche Taste gekommen.

Die Lehren des Spiels

Kein Risiko, keine Chancen: Die deutsche Nationalmannschaft hat von Spiel zu Spiel die Fehler reduziert. War das Auftaktspiel gegen Mexiko noch eine "Fehlpass-Orgie" im Mittelfeld, so geschahen jetzt gegen Südkorea weniger Ballverluste – sieht man einmal von der hektischen Schlussphase ab. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die vielen Sicherheitspässe zulasten der Kreativität gingen. Und wer nichts riskiert, kann auch keine Chancen kreieren.

Deutschland fehlte der Strafraumstürmer: Es gelang der deutschen Nationalmannschaft nicht, sich in den Strafraum des Gegners zu kombinieren. Doppelpässe? Tempowechsel? Fehlanzeige! Hohe Bälle wären ein Ausweg und wurden teilweise auch angewandt. Stürmer Timo Werner ist allerdings nicht als Kopfballungeheuer bekannt und befand sich zudem nicht immer im Strafraum. Die erste große Chance des Spiels war in der 47. Minute (!) ein Kopfball von Leon Goretzka. Der ist aber nun auch kein Kopfball-Spezialist. Ein Strafraumstürmer wie Mario Gomez (oder der aussortierte Nils Petersen) wäre früher gebraucht worden. Gomez kam jedoch immer von der Bank.

Leroy Sane hat gefehlt: Rückblickend war es wohl ein Fehler von Joachim Löw, Leroy Sane auszusortieren. Aufgrund des mangelnden Kombinationsspiels wären Akteure erforderlich gewesen, die in Eins-gegen-Eins-Duelle gehen und sich durchdribbeln können. Marco Reus war der einzige Nationalspieler, der diese Fähigkeit zeigte. Sane wäre ein weiterer gewesen. Doch "Englands Jungprofi des Jahres 2018" wurde nicht mit zur WM genommen.

Viele Enttäuschungen in der Offensive: Fast die gesamte Offensivabteilung der deutschen Nationalmannschaft präsentierte sich unter Form. Ob nun Mesut Özil, Julian Draxler, Timo Werner, Thomas Müller, Mario Gomez oder Leon Goretzka – sie alle sollen eigentlich internationale Klasse verkörpern und blieben dennoch torlos.

Drei Innenverteidigungs-Duos, keine Sicherheit: Aufgrund von Sperren und Verletzungen musste die Innenverteidigung der deutschen Nationalmannschaft in allen drei Gruppenspielen umgestellt werden. Doch keinem Duo gelang es, Sicherheit auszustrahlen.

Keine Zuversicht: Die ARD-Übertragung zeigte, wie die sich warmmachenden Mario Gomez und Thomas Müller von dem Führungstreffer der Schweden erfuhren. Ihre Reaktion: der pure Frust. Kein Aufbäumen, kein motivierendes Klatschen an die Mitspieler, dafür viel Verzweiflung. Das weckte den Eindruck, dass die Nationalspieler selber nicht mehr daran glaubten, die erforderlichen drei Punkte gegen Südkorea zu holen. Das passt eigentlich nicht zur deutschen Turnier-Mentalität.

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