(ska) Es ist kein Geheimnis: Die englische Nationalmannschaft hat ein Elfmetertrauma. Bereits sechs Mal sind die "Three Lions" aus einem großen Turnier ausgeschieden, weil den Spielern regelmäßig am Punkt die Nerven versagen. Um diesen Fluch zu besiegen, will Englands Nationaltrainer Roy Hodgson nun Psychologen mit ins Boot holen - ganz nach dem Motto "Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen".

Es war ein herzzerreißender Anblick, als England während der EM 2012 gegen Italien im Elfmeterschießen aus dem Turnier flog. Die englische Presse überschlug sich: "Qualvoll" ("Dailymail"), "Schon wieder" ("Guardian"), "Der Fluch schlägt wieder zu" ("The Independent"). Die Spieler hatten einmal mehr die großen Erwartungen, die das Mutterland des Fußballs in sie gesetzt hatte, enttäuscht.

Trainieren allein reicht nicht mehr

Um sicher zu stellen, dass die englische Nationalelf bei der nächsten Entscheidung vom Punkt nicht wieder, wie Bastian Schweinsteiger sagen würde, "ihre Eier verliert", will Nationalcoach Roy Hodgson nun auf die professionelle Hilfe von Psychologen zurückgreifen. "Ich habe keine Tür geschlossen. Jeden Tag bekomme ich Vorschläge von Psychologen, die denken, es spielt sich alles im Kopf ab. Wir lassen keine Möglichkeit aus," sagt er dem "Daily Mirror". Denn allein das Trainieren von Elfmetern scheint im Fall von Englands Trauma einfach nicht mehr zu reichen.

"Unter dem Strich braucht man selbstbewusste Spieler. Man braucht Spieler, die eiskalt sind. Es geht um mentale Stärke", sagt Hodgson. Diese mentale Stärke geht Englands Spielern offensichtlich ab. Und Hodgson selbst scheint mit seinem Latein am Ende zu sein: "Ich weiß nicht, woher manche Menschen die Kraft und die mentale Stärke oder dieses unglaubliche Vertrauen in sich selbst hernehmen."

"Wir schaffen das nicht"

Der gesunde Menschenverstand sagt, dass die Spieler auch immer wieder an dem schier unglaublichen Druck scheitern, der vor jedem großen Turnier von Fans und Medien aufgebaut wird. England sehnt sich seit 1966 nach einem Titel, doch inzwischen macht sich auch Resignation breit. Hodgson fürchtet, dass genau diese Resignation in seinen Spielern negative Gefühle auslösen: "Wir [die Nation] sagen ihnen immer wieder 'Ihr habt es dieses Mal nicht geschafft und die anderen Male davor auch nicht'. Also gehen die Spieler rein mit dem Gedanken 'Wir schaffen das nicht, wir sind da nicht gut drin'."

Hodgson quält sich also tagtäglich mit Überlegungen, wie man den Spielern ein gesundes Selbstbewusstsein zurückgeben könnte. Und so ergeht zum Schluss sogar der Aufruf an die Bevölkerung: "Wenn irgendjemand eine Idee hat, bitte schreiben Sie es auf ein Stück Papier."