Höwedes, Schürrle, Götze, Özil und Co.: WM-Helden von 2014 landen auf dem Abstellgleis

Sie haben mitgeholfen, den vierten WM-Stern aufs Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu holen, ihr eigener Stern aber strahlt nicht mehr besonders hell. Nicht nur Final-Torschütze Mario Götze spürt, dass seine Heldentaten nicht mehr so viel zählen. Andre Schürrle und Benedikt Höwedes haben schon die Reißleine gezogen.

Seitdem sind aus dieser Startelf Klose, Lahm und Schweinsteiger gar nicht mehr aktiv, Özil ist freiwillig kein Nationalspieler mehr, Hummels, Boateng und Müller unfreiwillig. Und nach der Saison 2019/20 erklärten auch Schürrle, links, und Höwedes ihren Rücktritt vom Leistungssport.
Schürrle gab im Alter von nur 29 Jahren auf, weil ihn Borussia Dortmund nach seiner Ausleihe zu Spartak Moskau, im Bild, nicht mehr brauchte. Und er brauche "keinen Beifall mehr", ließ Schürrle wissen. Mit dem Fußball-Geschäft abrechnend, löste er seinen Vertrag genau sechs Jahre und einen Tag nach seiner Vorlage für Mario Götze zum Siegtor gegen Argentinien auf.
Höwedes hatte im WM-Finale 2014 mit dem Kopf fast zum 1:0 getroffen - und landete wie Schürrle zum Ende seiner Karriere in Moskau, bei Lokomotive. Auch Höwedes klagte im Rahmen seines Rücktritts, der Fußball habe "sich brutal entwickelt. Und dabei immer weiter distanziert von den normalen Fans. Da geht etwas verloren." Sein Sohn zeige ihm, wie "unwichtig" der Fußball sein könne.
Für den Final-Torschützen von 2014, Mario Götze, ist der Fußball noch wichtig. Sein sehenswerter Schuss ins argentinische Tor aber hob die Ansprüche an Götze ins Unermessliche. Er entsprach den Erwartungen seitdem nie mehr.
Weder beim FC Bayern München (von 2013 bis 2016) noch nach seiner Rückkehr nach Dortmund, wo er im Sommer 2020 keinen neuen Vertrag erhielt, fasste der Mann, der im direkten Duell gezeigt hatte, besser zu sein als Lionel Messi, wieder Fuß. Seit Herbst sucht er sein Glück in den Niederlanden bei der PSV Eindhoven.
2018 schloss Mesut Özil nach der Affäre um seine demonstrierte Nähe zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und der WM-Blamage in Russland verbittert das Kapitel Nationalmannschaft.
Mit rund 385.000 Euro Wochengehalt ist Özil seit Jahren der Topverdiener des englischen Traditionsvereins FC Arsenal. Sportlich hat Teammanager Mikel Arteta allerdings keine Verwendung mehr für den ehemaligen Schalker. Özil spielte in der Premier League nach dem Corona-Restart keine einzige Minute.
Sami Khedira haben in den vergangenen Jahren mehrere schwere Verletzungen gebeutelt und letztlich aus der Bahn geworfen.
Khediras fünfte Saison bei der Alten Dame ist wegen einer Knie-OP sowie einer Adduktorenverletzung die bislang härteste für den gebürtigen Stuttgarter. Der 33-Jährige, der in der Saison 2019/20 nur auf 18 Einsätze bei Juve kam, hat laut italienischen Medien sogar um eine Auflösung seines Vertrages gebeten.
Julian Draxler ist neben Höwedes und Özil ein weiteres Kind vom Schalker Markt, das es 2014 auf den Fußball-Olymp schaffte und sechs Jahre später vor einer ungewissen Zukunft steht.
Im Winter 2017 für 36 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg gekommen, ist der 26-Jährige bei PSG meist nur Teilzeit-Arbeiter. In dieser Saison absolvierte Draxler bislang nur acht Pflichtspiele über die volle Dauer. Nach dem Finalturnier der Champions League in Lissabon "müssen wir mit ihm reden und uns über die Situation unterhalten", sagte Trainer Thomas Tuchel.
Ron-Robert Zieler erlebte die WM 2014 zwar nur als dritter Torwart von der Bank aus, freute sich über den Titel trotzdem nicht minder.
Zieler wagte 2016 den Sprung zum damaligen englischen Meister Leicester City, drückte dort aber zumeist auch nur die Bank. 2019 kehrte Zieler nach dem Bundesliga-Abstieg mit dem VfB Stuttgart nach Hannover zurück. 96 aber setzt in der kommenden Saison auf Michael Esser. Zeiler wurde deswegen für eine SAison an den 1. FC Köln verliehen, wo er allerdings ebenfalls nur die Nummer zwei ist.
Für Lukas Podolski endete mit dem WM-Sieg 2014 ein zehn Jahre langer Aufbauweg in der Nationalmannschaft, der für den Gute-Laune-Kicker aus Köln mit der EM-Vorrundenblamage 2004 in Portugal begonnen hatte.
Seit 2015 sammelte der Linksfuß bei Galatasaray Istanbul, Vissel Kobe und im Trikot von Antalyaspor durch sein lockeres Auftreten viele Sympathien. Darüber hinaus arbeitet der 35-Jährige in seiner Heimat Köln an seinem außersportlichen Vermächtnis: Nach Klamotten-, Eis- und Dönerläden eröffnete er jüngst eine Soccerhalle, außerdem wird immer wieder über eine Rückkehr zum 1. FC Köln als Funktionär spekuliert.