Zuzenhausen (dpa/ncs) - "Wir spielen und kämpfen für Boris": 1899 Hoffenheim bangt weiter um das Leben von Boris Vukcevic, hat aber das Bundesliga-Spiel gegen den FC Augsburg auch auf Wunsch der Eltern des Fußballprofis bestritten. Hinter den Kulissen ermittelt die Polizei in Sachen Unfallursache. Vukcevics Diabetes wird dabei nicht ausgeschlossen.

Der Zustand von Fußballprofi Boris Vukcevic ist nach seinem Autounfall "unverändert kritisch".

Der Zustand des 22-Jährigen nach seinem Autounfall ist "unverändert kritisch. Stabil kann man nicht wirklich sagen", erklärte 1899-Pressesprecher Holger Tromp nach der Begegnung. Teampsychologe Jan Mayer war bei den Gesprächen vor der Begegnung bei der Mannschaft. "Bei den Spielern merkt man, dass sie das Prinzip Hoffnung übertragen wollen auf den Jungen", sagte Müller.

Nach der Notoperation von Vukcevic am Freitagabend sei "wohl eine gewisse Stabilität eingetreten", sagte Tromp bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel, betonte aber auch: "Es gibt keine Prognose." Müller ergänzte: "Der Gehirndruck ist einigermaßen stabil, der Herz-Kreislauf ist einigermaßen stabil." Vukcevic war auf dem Weg zum Training mit seinem Auto frontal mit einem Lastwagen zusammengeprallt. Der Offensivspieler wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Heidelberger Krankenhaus geflogen, wo ihn die Ärzte nach einer Notoperation in ein künstliches Koma versetzten.

"Bei der Mannschaft ist eine Einstellung entstanden, in der wir in den Mittelpunkt die Hoffnung gestellt haben: dass wir heute hier spielen, für Boris spielen, für ihn kämpfen", sagte Manager Müller. "Wichtig ist, dass wir eine Rückmeldung von den Eltern bekommen haben: 'Ja, spielt, kämpft für ihn.' Wir haben alle große Hoffnung, dass er wieder gesund wird." Die Mannschaft kenne Vukcevic sehr gut und habe gesagt: "Der Boris hätte gewollt, dass wir spielen. Das ist die schwerste Situation, die die Mannschaft jemals hatte."

Die Augsburger zeigten vor dem Anpfiff eine "super Geste" (Babbel), als sie sich in T-Shirts mit der Aufschrift "Gute Besserung, Boris" warmliefen. Im Hoffenheimer Fanblock hing ein großes Foto des lebensgefährlich verletzten Spielers. Auf Plakaten stand: "Alles für Boris" - "Halte durch!!!" - "Kämpfen, Boris". Im Stadion war die Stimmung hörbar gedämpft, beide Mannschaften wirkten gehemmt vor der Hoffenheimer Minus-Kulisse im fünften Erstliga-Jahr von nur 22.000 Zuschauern.

Trainer Babbel erklärte vor Spielbeginn im "Sky"-Interview: "Das war ein großer Schock für uns alle. Das wollen wir heute auf dem Platz rüberbringen: dass wir kämpfen für Boris." Nach dem Spiel wollte Babbel auf Einzelheiten der Begegnung nicht eingehen, "weil es besondere Voraussetzungen waren". Aus seinen Worten sprach dann eine gewisse Hilflosigkeit heraus: Der Psychologe müsse jetzt "mithelfen, dass das positiv verarbeitet wird." Das, schob er gleich hinterher, "hört sich jetzt blöde an." Die Hoffnung dürfe nicht sterben, "wir fighten für Boris". Kapitän Marvin Compper gestand nach der Partie: "Es war sehr schwer. Man versucht natürlich, sich auf das Spiel zu konzentrieren, aber letztendlich war es natürlich irgendwo im Hinterkopf."

Kapitän Marvin Compper war der einzige Hoffenheimer Spieler, der sich ausführlich zu der schwierigen Situation äußerte, die für den Club wohl so schnell nicht leichter werden wird. "Boris liegt im Krankenhaus und kämpft um sein Leben und wir haben Fußball gespielt. Wir haben gesagt: Wir machen das, wir kämpfen für ihn, wir verstecken uns nicht oder verziehen uns nach Hause - es wäre sicherlich auch in seinem Interesse gewesen", sagte der Abwehrspieler. "Jetzt, wo das Spiel zu Ende ist, gehen die Gedanken wieder an ihn zurück. Das war der richtige Schritt für jeden von uns, zusammenstehen und gemeinsam das auszuüben, was uns mit Boris am meisten verbindet, das was er liebt, das, was wir lieben."

Die Polizei sucht noch nach den Ursachen des schweren Autounfalls. "Der Unfallhergang ist nach wie vor unklar", sagte Norbert Schätzle, Sprecher der Heidelberger Polizei, am Rande des Spiels. Nach seinen Angaben wurden beide Fahrzeuge beschlagnahmt, die Sachverständigen-Untersuchungen könnten jedoch "ein paar Wochen" dauern. Vukcevic sei auf nahezu gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn gekommen. Der 22-Jährige ist Diabetes-Patient, auch in diese Richtung werde ermittelt.