Nach dem ersten Teil unserer Bundesliga-Vorschau, in dem wir uns den potentiellen Abstiegskandidaten gewidmet haben, kommen wir nun zu den Meisterschaftsanwärtern. Dabei beschränken wir uns auf fünf Klubs und beginnen mit dem amtierenden Meister: Borussia Dortmund eröffnet die Saison 2011/2012 mit dem Klassiker gegen den Hamburger SV.

Der Titelträger darf nach guter Tradition die Spielzeit mit einem Heimspiel eröffnen und kann so eine erste Duftmarke setzen. Nach einer famosen Saison voller spielerischer Unbeschwertheit dürfte es nun aber vorbei sein mit der Dortmunder Leichtigkeit.

Der BVB ist jetzt der Gejagte, die Konkurrenz wird sich vom Stil der Schwarz-Gelben nicht mehr so überraschen lassen.

Trotzdem ist der Titelverteidiger wieder einer der Kandidaten auf die Schale. Zwar hat die Mannschaft von Jürgen Klopp in Nuri Sahin die spielbestimmende Figur an Real Madrid verloren, die Mannschaft ist in sich aber gefestigt genug, um den Verlust eines einzelnen Spielers aufzufangen.

In Ilkay Gündogan, Ivan Perisic und mit Nachwuchshoffnung Moritz Leitner hat der BVB aber an Qualität dazugewonnen, gepaart mit einem verinnerlichten Spielsystem und der zu erwartenden körperlichen Frische wird Dortmund wieder ganz oben mitmischen – trotz Doppelbelastung in der Champions League.

Als Topfavorit und mit Wut im Bauch geht aber der FC Bayern München in die neue Saison. Nach einem Jahr ohne Titel sind die Bayern in ihrem Selbstverständnis erschüttert, Jupp Heynckes soll jetzt wieder für Silberware sorgen.

Natürlich wurde auch der Kader imposant aufgerüstet, neben Rafinha und den beiden Wundertüten Nils Petersen und Takashi Usami stülpen auch die beiden Nationalspieler Manuel Neuer und Jerome Boateng ab sofort das rote Trikot über.

Heynckes' oberstes Ziel muss die Balance zwischen Defensive und Offensive sein. Mit Ribéry, Müller, Robben und Torschützenkönig Gomez stellt der Rekordmeister die gefährlichste Offensive der Liga, dazu mit Neuer, Lahm, Boateng und Badstuber fast die komplette Abwehr der deutschen Nationalmannschaft.

Wenn alle Mannschaftsteile schnell ineinandergreifen und das Team in ihrer Gesamtheit angreift und verteidigt, wird der Weg zur Schale nur über die Bayern laufen.

Bayer Leverkusen geht wie eigentlich immer als Kronprinz in die neue Saison. Die Mannschaft des Vizemeisters ist quasi komplett zusammengeblieben – bis eben auf den abtrünnigen Trainer Heynckes. Den ersetzt jetzt Robin Dutt.

Dutt brachte aus Freiburg gleich auch noch Innenverteidiger Ömer Toprak mit. Der Königstransfer liegt aber schon fast ein Jahr zurück: Bereits im September lockte Rudi Völler mit André Schürrle eins der hoffnungsvollsten deutschen Talente an den Rhein.

Bayer hat eine bestens eingespielte Mannschaft, die auch unter Dutt einen offensiv-orientierten Fußball zeigen wird. Vielleicht sogar eine Spur risikoreicher als unter dem sehr pragmatischen Vorgänger Heynckes. Und noch eine Personalie wird interessant sei zu beobachten: Michael Ballack ist nach seiner Ausbootung beim DFB körperlich topfit, der Routinier soll ein wichtiger Baustein im Konzept von Dutt werden - obwohl er im Pokalspiel zunächst nur die Bank drückte. Trotzdem muss für Leverkusen wirklich alles perfekt laufen, um am Ende doch mal ganz oben zu stehen.

Beim anderen Werks-Klub in Wolfsburg ist die Lage da schon eine andere: Felix Magath hat seine Mannschaft einmal mehr grundlegend umgebaut. Mit Christian Träsch, Srdjan Lakic, Hasan Salihamidzic, Patrick Ochs und Marco Russ haben sich die Wölfe gezielt verstärkt.

Allerdings hat sich Magath entgegen seiner Gewohnheit noch nicht auf ein 4-4-2 mit Raute festgelegt. Skandalnudel Diego ist zwar noch nicht an einen anderen Verein veräußert, kann aber jetzt schon keine Unruhe mehr in die Mannschaft tragen. Wolfsburg geht allenfalls als Außenseiter ins Rennen.

Ähnlich liegt der Fall beim FC Schalke 04. In der Vorbereitung hat es heftig geknirscht: Ralf Rangnick würde gerne noch zwei, drei Spieler verpflichten, Boss Clemens Tönnies bewilligt dafür aber nicht die erforderlichen Gelder.

Wie Rangnick das Schicksal von Publikumsliebling Raul beeinflusst, wird eine entscheidende Komponente sein. Und: Schalke ist wie kein anderer potenzieller Titelkandidat von einem gute Start abhängig.