Die heile Welt von Borussia Dortmund gerät ins Wanken. Nach dem Aus im DFB-Pokal, braucht der BVB auch in der Champions League ein Wunder, um das Ausscheiden aus der Königsklasse abzuwenden. In der Liga gewann der BVB zuletzt zwei Spiele in Folge nicht. Alarmstufe Rot beim BVB. Oder etwa doch nicht?

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Der BVB kriselt. Und droht innerhalb weniger Wochen eine ganze Saison zu verspielen. Die Schwarz-Gelben konnten keines ihrer vier vergangenen Spiele gewinnen, erlebten zwei schmerzhafte Niederlagen.

Borussia Dortmund verabschiedete sich vergangene Woche nach zweimaliger Führung gegen Werder Bremen bereits im Achtelfinale aus dem DFB-Pokal und steht nun auch in der Champions League vor dem Aus.

Im Achtelfinal-Rückspiel gegen die Tottenham Hotspur hilft dem BVB nach der 0:3-Pleite am Mittwoch nur noch ein Wunder, um es noch unter die besten acht Mannschaften Europas zu schaffen.

Auch wenn das Ziel, das Überwintern in der Königsklasse, dem BVB gelang, kann die Vereinsführung (natürlich) trotzdem nicht mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Tottenham gehört nicht zu den absoluten Top-Mannschaften der Premier League, der BVB führt die Bundesliga mit fünf Punkten Vorsprung auf den FC Bayern an.

Vor der Sieglos-Serie galt der BVB gegen die Spurs bei Fußball-Experten noch als klarer Favorit. Nun macht aber beim BVB das böse Wort die Runde: Krise.

Bürki nennt BVB-Probleme

Von der Hinrunden-Euphorie, einer torgefährlichen Offensive und einer stabilen Defensive ist beim BVB dieser Tage überhaupt nichts zu sehen. Was ist los mit den Dortmundern?

BVB-Torwart Roman Bürki stellte sich nach der Niederlage im Wembley den Reportern und sprach über das Form-Tief seiner Mannschaft.

Gegenüber dem Streamingdienst DAZN sagte der Schweizer frustriert: "Immer, wenn es gegen robuste Mannschaften geht, haben wir unsere Schwierigkeiten, weil wir nicht dagegenhalten können. Vor allem vorne nicht. Irgendwann musst du den langen Ball schlagen und wenn du vorne keinen drin hast wie Llorente oder Son (Stürmer von Tottenham, Anmerkung der Redaktion), die die Kugel halten können, ist es für uns enorm schwierig."

Und weiter: "Das geht seit Wochen so - Gegentore nach Standards, das ist einfach nicht gut verteidigt. Wir setzen uns zu wenig durch. Es kann ja nicht sein, dass wir so viele Standard-Gegentore bekommen haben und dann nicht aufmerksam sind. Wir müssen das rigoros verteidigen und das fängt im Training an. Das müssen wir sofort verbessern."

Neun Gegentore in drei Spielen

Bürki redet Tacheles, vor allem das nachlässige Verteidigen dürfte den Torwart am meisten wurmen. Auffällig: Im Pokal gegen Bremen, in der Liga gegen Hoffenheim und nun in der Champions League gegen Tottenham kassierte der BVB jeweils drei Gegentore, also insgesamt neun. In der gesamten Bundesliga-Hinrunde waren es 18.

Und in allen drei Spielen bekam der BVB kurz vor Schlusspfiff ein Gegentreffer - immer nach Standards.

So wie es beim BVB hinten hapert, läuft auch ganz vorne die Maschinerie nicht flüssig. In der Sturm-Spitze wirkte Mario Götze gegen die Spurs einmal mehr verloren - die von Bürki angesprochene fehlende Robustheit macht sich beim kleinen Götze besonders bemerkbar.

Der verletzte Paco Alcacér hätte mit seinen 1,75 Meter gegen die groß gewachsenen Spurs-Verteidiger vermutlich nicht besser ausgesehen. Er ist sogar noch einen Zentimeter kleiner als Götze. Und beide sind auch wahrlich keine Kraftpakete.

Reus-Verletzung macht BVB zu schaffen

Besonders hart trifft den BVB der Ausfall von Kapitän Marco Reus. Der 29-Jährige ist nicht nur torgefährlich, sondern arbeitet auch unter Trainer Lucien Favre auffällig viel mit nach hinten, gewinnt wichtige Zweikämpfe.

Reus ist Leader, wirft sich in Zweikämpfe, sorgt für die Ansagen auf dem Platz. Fällt er aus, tut sich der BVB extrem schwer.

"Diesen Substanzverlust merken wir", sagte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspieler-Abteilung, nach der Niederlage am Mittwoch gegenüber Pressevertretern.

Damit meinte Kehl allerdings auch das Fehlen von Abwehr-Chef Manuel Akanji, Außenverteidiger Lukasz Piszczek und dem zuletzt stark aufspielenden Innenverteidiger Julian Weigl. Für ihn rückte gegen Tottenham nach zehnwöchiger Pause Dan-Axel Zagadou direkt in die Startelf - und leistete sich prompt beim 0:1 einen Stellungsfehler, wenn auch dem Gegentor ein dicker Bock von Außenverteidiger Achraf Hakimi vorausgegangen war.

Mit dem Ausfall der bereits erwähnten Spieler, wird aber auch ein anderes Problem deutlich, das zu Saisonbeginn noch überhaupt keines war: Von der BVB-Bank kommt keine Verstärkung.

Außenspieler Bruun Larsen und Christian Pulisic sowie Stürmer Maximilian Philipp sind weit von ihrer Bestform entfernt.

Wie reagiert Favre?

Die Disziplin, für die der BVB unter Favre eigentlich bekannt ist, scheint abhandengekommen zu sein. Ob der BVB ein Mentalitätsproblem hat, lässt sich nicht beantworten. Auch, wenn es phasenweise danach aussieht.

Auf Favre kommt nun eine echte Herausforderung zu. Er muss seine verunsicherten Borussen wieder stark machen. Doch zu den Stärken des Schweizers gehört es nicht gerade, eine Mannschaft zu motivieren. Ihm wird nachgesagt, mit Krisen nicht umgehen zu können.

Von Krise will der ohnehin nichts wissen. Er mache sich "keine Sorgen", sagte Favre gelassen nach der 0:3-Pleite.

Verwendete Quellen:

  • Focus.de: Roman Bürki nennt Gründe für das Formtief des BVB
  • Transfermarkt.de
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